Wundheilung
AUCH BEI ANTIBIOTIKARESISTENZ: WUNDINFEKTIONEN HEILEN DURCH MIT NANOPARTIKELN VERSETZTEN ESSIG
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Essig kommt schon seit langer Zeit bei der Wundbehandlung zum Einsatz. Seine Säure schafft ein lebensfeindliches Umfeld für Bakterien und fördert so die Wundheilung. Wo viele Arzneistoffe wegen Antibiotikaresistenzen nicht mehr wirken, ist die Kombination aus altbewährtem Essig und modernen Nanopartikeln möglicherweise die Lösung.
Forschende aus Norwegen zeigen im Labor und an Mäusen: Essig plus Nanopartikel überwindet sogar Antibiotikaresistenzen.
Antibiotikaresistenz: „gepimpter“ Essig als Lösung?
Antibiotikaresistenzen kosten jährlich rund fünf Millionen Menschenleben, schätzen Adam Truskewycz und sein Team der norwegischen Universität Bergen. Das wollen sie angehen und kombinierten verdünnte Essigsäure mit Nanopartikeln aus Kobalt und Kohlenstoff. Während Kobalt antimikrobielle Eigenschaften besitzt, macht Kohlenstoff die Nanopartikel gut verträglich.
Essig allein wirkt erwiesenermaßen gegen einen kleinen Teil der Keime, die häufig eine Wundinfektion auslösen. Er unterstützt das vom Körper zur Wundheilung aufrechterhaltene leicht saure Milieu. Bakterien sind aber in der Lage, sich eine basische Umgebung zu schaffen, in der sie Angriffen des Immunsystems entgehen und sich vermehren können. Bei bestehenden Antibiotikaresistenzen kann das schnell problematisch werden, die Heilung verhindern und sogar tödlich enden.
Ein Problem bei der Anwendung von Essig: Er kann nur in verdünnter Form auf der Haut eingesetzt werden.
Tests an Bakterienkulturen und an infizierten Mäusen zeigen: Die Kombination aus verdünntem Essig und den Nanopartikeln wirkt auch gegen Keime, die Antibiotikaresistenzen gebildet haben. Dazu zählen Problemkeime wie Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA), Escherichia Coli und Enterococcus faecalis.
Nanopartikel und Essig ergänzen sich
Essigsäure hilft den Nanopartikeln dabei, in die Bakterienzelle zu gelangen. Diese quillt durch die Säure nämlich auf, die Nanopartikel stören in der Zelle dann die Proteinsynthese, sorgen für oxidativen Stress und schwächen die Zellmembran weiter. Schließlich platzt die Bakterienzelle.
Gegen die kombinierte Kraft aus Säure und Nanopartikeln nützt auch keine Antibiotikaresistenz. Die Wundinfektionen der Mäuse im Versuch der Norweger gingen durch die Behandlung zurück, und die ursprünglich mit MRSA infizierten Wunden heilten durch die Kombination genauso schnell wie nicht infizierte. Die eingesetzte Lösung besaß einen hautfreundlichen pH von 5,5, was in etwa dem Wert des menschlichen Säureschutzmantels entspricht.
Sind Wundinfektionen bald kein Thema mehr?
Wundinfektionen sind vor allem wegen immer häufiger auftretenden Antibiotikaresistenzen ein wachsendes Problem.
Das Team um Truskewycz hofft, mit Kombinationsbehandlungen wie in ihrer Studie dem entgegenzuwirken. Während manche Nanopartikel zunehmend in Verruf geraten sind, scheint die verwendete Kobalt-Kohlenstoff-Variante unbedenklich. In früheren Studien wurde untersucht, dass sie sich nicht im Körper anreicherten, betont das Team.
Sollten weitere Untersuchungen die Wirkung der Kombination bei menschlichen Wundinfektionen bestätigen, könnte das viel Gutes bewirken. Im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen werden dringend neue Optionen gebraucht.
Quellen:
https://www.wissenschaft.de/gesundheit-medizin/nanopartikel-verstaerken-desinfizierende-wirkung-von-essig/
https://www.newsweek.com/nanoparticle-enhanced-vinegar-help-cure-antibiotic-resistant-infections-10474314












