Haferflocken in einer herzförmigen Schüssel© Arx0nt/iStock/Getty Images Plus
Eine zweitägige Haferkur hat wochenlange Effekte.

Kurze Kur

SO KĂ–NNEN HAFERFLOCKEN DAS CHOLESTERIN SENKEN

Mit Haferflocken als kurze Zwei-Tages-Kur lässt sich das Cholesterin im Blut senken. Das schreiben Forschende der Universität Bonn. In Kombination mit einer Kalorienreduktion sinkt vor allem das „schlechte“ LDL-Cholesterin. Sind Haferflocken also das neue Superfood?

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Christine Simon, Juniorprofessorin am Institut fĂĽr Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften an der Universität Bonn, entdeckte mit ihrem Team, dass vor allem eine bestimmte Phenolverbindung im Blut ansteigt, wenn Probanden eine Kur mit Haferflocken durchfĂĽhren. Diese kann das Cholesterin senken und entsteht durch Veränderungen im Darm. Aber Hafer kann noch mehr.

Eine zweitägige Kur mit Haferflocken hilft nicht nur das Cholesterin zu senken. Sie wirkt sogar noch Wochen später nach.

Haferflocken und das Cholesterin

Dass Haferflocken in großen Mengen das Cholesterin senken können, fand Simon mit ihrem Team kürzlich heraus. Sie untersuchte, wie eine zweitägige Haferkur sich auf den Cholesterinspiegel von Personen mit metabolischem Syndrom auswirkte.

Vom metabolischen Syndrom spricht man, wenn Übergewicht, erhöhter Blutdruck und Störungen des Fett- und Zuckerstoffwechsels zusammenkommen.

Das metabolische Syndrom belastet die Gefäßwände und stellt einen Risikofaktor für Diabetes Typ 2 dar. Haferflocken können zumindest das Cholesterin senken, haben aber auch Einfluss auf den Blutdruck, schreibt das Team.

Haferflocken: Cholesterin senken durch Kur

32 Probanden nahmen zwei Tage lang je 300 Gramm Haferflocken zu sich, die sie in Wasser aufkochten und lediglich mit etwas Obst und GemĂĽse verfeinerten. So erreichten sie eine Kalorienreduktion um rund die Hälfte ihrer ĂĽblichen Tageszufuhr. Die Kontrollgruppe aĂź ebenfalls kalorienreduziert, aber ohne Haferflocken.

Die Ergebnisse fielen erstaunlich deutlich aus: In der Gruppe mit Haferflocken gelang es, das LDL-Cholesterin um rund zehn Prozent zu senken. Das sei zwar etwas weniger als durch moderne Wirkstoffe, habe aber durchaus eine Gesundheitsrelevanz, meint Simon.

Auch der Blutdruck verbesserte sich, das Körpergewicht sank um rund zwei Kilogramm. Die Kontrollgruppe profitierte ebenfalls von der Kalorienreduktion allein, aber längst nicht so deutlich.

Hafer als Waffe nicht nur gegen hohes Cholesterin?

Wie genau Hafer Einfluss auf das Cholesterin im Blut nimmt, erklärt Simon mit gemessenen Veränderungen des Darm-Mikrobioms. Der Verzehr von Hafer erhöht die Zahl guter Darmbakterien. Diese wiederum produzieren phenolische Verbindungen, vor allem die sogenannte Ferulasäure, welche sich im Blut nachweisen lässt. Diese hat in Tierversuchen bereits bewiesen, dass sie das Cholesterin tatsächlich senken kann.

Aber Haferflocken können noch mehr als das Cholesterin zu senken. Sie fördern das Wachstum von Mikroorganismen, die Histidin „entsorgen“. Diese Aminosäure wird sonst vom Körper in ein MolekĂĽl umgebaut, das Insulinresistenz fördern könnte. Unempfindlichkeit gegenĂĽber Insulin spielt bei Diabetes Typ 2 eine wichtige Rolle.

Haferflocken können also nicht nur hohes Cholesterin senken. Sie verändern auch unser Darmmikrobiom zum Positiven. Weil vor allem das LDL-Cholesterin in Gefäßwänden zu Ablagerungen und so zu Thromben und Verengungen fĂĽhren kann, könnte eine Haferkur Betroffenen tatsächlich nĂĽtzen.

Hafer gegen Cholesterin: besser kurz und viel

Hafer wirkt dann am besten gegen hohes Cholesterin, wenn viel davon über eine kurze Zeit zugeführt wird. Vergleiche zeigen: Eine zweitägige Kur mit 300 Gramm Haferflocken kann das Cholesterin besser senken als eine sechswöchige Anwendung von je 80 Gramm pro Tag. Letzteres hat nur geringe Effekte.

Allerdings lassen sich die positiven Wirkungen von zwei Tagen mit viel Hafer in Bezug auf das Cholesterin noch sechs Wochen später im Blut nachweisen. Eine regelmäßige, kurze Kur mit viel Haferflocken könnte also helfen, das Cholesterin dauerhaft zu senken. Ob das tatsächlich stimmt, wollen Simon und ihr Team als nächstes prüfen.

Quellen:
https://idw-online.de/de/news864850
KlĂĽmpen, L., Mantri, A., Philipps, M. et al.: â€žCholesterol-lowering effects of oats induced by microbially produced phenolic metabolites in metabolic syndrome: a randomized controlled trial”, Nature Communications, 14. Januar 2026. https://www.nature.com/articles/s41467-026-68303-9

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