Galenische Übungen
SALBEN HERSTELLEN: VERARBEITUNG UND ABGABE
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Salben herstellen gelingt in der Rezeptur nur dann verlässlich, wenn Herstellungsmethode, Geräte und Herstellungsablauf zu Wirkstoff und Grundlage passen. Für die praktische Durchführung ist zunächst zu klären, ob eine Lösungssalbe oder eine Suspensionssalbe vorliegt. Ebenso wichtig ist die Frage, ob feste Bestandteile aufgeschmolzen werden müssen. Außerdem muss geprüft werden, ob Wirkstoff oder Salbengrundlagen temperatur- oder scherempfindlich sind.
Zum Herstellen von Salben gehören daher nicht nur Verreiben, Schmelzen und Homogenisieren. Auch Plausibilitätsprüfung, Arbeitsschutz, Hygiene, Inprozesskontrollen, Endkontrollen und Freigabe sind Teil des Herstellungsprozesses. Erst wenn die Salbe homogen ist, ein geeignetes Primärpackmittel gewählt wurde und Kennzeichnung sowie Abgabehinweise vollständig sind, ist das Salben-Herstellen abgeschlossen. Gerade in der Rezeptur entscheidet diese Sorgfalt darüber, ob die Zubereitung alltagstauglich und sicher anwendbar ist.
Geräte und Verarbeitung
Für das manuelle Herstellen von Salben werden benötigt:
- Fantaschale und Pistill
- Kartenblatt oder Spatel zum Abkratzen
- Waage
- bei Bedarf Mörser und Sieb zur Vorzerkleinerung
- Ein Wasserbad dient zum kontrollierten Schmelzen fester Bestandteile.
- Für problematische Suspensionssalben oder Pasten kann zusätzlich eine Salbenmühle, also ein Dreiwalzenstuhl, erforderlich sein.
Bei pulverförmigen Wirkstoffen ist auf staubarmes Arbeiten zu achten. Deshalb sind mikronisierte Qualitäten oder Wirkstoffvorverreibungen technologisch meist günstiger als eine nachträgliche Eigenzerkleinerung.
Sicherheitsaspekte spielen insbesondere bei der Salbenmühle eine Rolle. Haare, Schmuck und weite Ärmel müssen gesichert sein. Das Gerät darf nicht leer laufen. Vor der Reinigung oder Umrüstung ist es stromlos zu schalten. Die Verarbeitung an der Mühle hat sich an den jeweiligen Geräte- und Betriebsanweisungen zu orientieren.
Salbengrundlagen: Feste Bestandteile vorhanden?
Wenn keine festen Bestandteile vorliegen, die erst bei höheren Temperaturen schmelzen, kann beim Salben-Herstellen kalt gearbeitet werden. Bewährt hat sich das Verdünnen von viskos nach flüssig: Die zäheste Komponente wird vorgelegt und schrittweise mit der jeweils dünnflüssigeren weiterverarbeitet.
Enthält die Rezeptur dagegen feste Konsistenzgeber als Salbengrundlage wie Wachse, werden die Bestandteile
- gemeinsam eingewogen,
- im Wasserbad bis zur homogenen Schmelze erwärmt und
- anschließend unter Rühren abgekühlt. Rand und Pistill sind dabei regelmäßig mit dem Kartenblatt abzuschaben, damit keine Randklumpen zurückbleiben.
Typische Fehlerquellen sind unzureichendes Abkratzen der Schalenränder, zu kurze Homogenisierung, Lufteintrag durch ungeeignete Rührtechnik und eine ungewollte Erwärmung der Zubereitung. Bei Suspensionssalben führen zu grobe Ausgangsqualitäten oder fehlendes Sieben rasch zu Pulvernestern, die sich später nur schwer beseitigen lassen.
Gerade bei empfindlichen Salbengrundlagen kann außerdem zu starkes oder zu langes Rühren die Konsistenz nachteilig verändern. Das Herstellen von Salben verlangt deshalb eine gleichmäßige, kontrollierte Verarbeitung.
Lösungssalben: Wirkstoff vollständig gelöst?
Beim Herstellen von Lösungssalben muss der Wirkstoff der Salbe vollständig in der Grundlage oder in einem geeigneten Bestandteil gelöst vorliegen. Wenn möglich, erfolgt das Lösen bei Raumtemperatur durch anteiliges Verreiben. Wärme wird nur eingesetzt, wenn die Stabilität des Wirkstoffs und der Grundlage dies zulässt.
Rekristallisationsgefährdete oder thermolabile Stoffe sollten bei der Herstellung von Lösungssalben weder stark erwärmt noch über lange Mischzeiten unnötig belastet werden.
Flüssige Wirkstoffe werden in die vorgelegte Grundlage eingearbeitet. Bei festen Stoffen ist zu prüfen, ob sie sich in der vorgesehenen Grundlage vollständig lösen lassen oder ob das System technologisch eher als Suspensionssalbe geführt werden sollte.
Im Anschluss kontrollieren Sie sensorisch, ob die Zubereitung frei von festen Bestandteilen ist. Ein Knirschgefühl beim Verreiben oder ein inhomogener Ausstrich auf der Zebraplatte spricht gegen eine ausreichende Lösung und ist für Lösungssalben nicht akzeptabel.
Auch die Wahl der Salbengrundlagen ist bei Lösungssalben entscheidend. Sie muss den Wirkstoff aufnehmen können, ohne dass es beim Abkühlen oder Lagern zur erneuten Kristallbildung kommt. Das Herstellen von Salben in Form von Lösungssalben endet daher nicht mit dem Lösen, sondern erst mit der sicheren Beurteilung der Homogenität. Nur eine optisch und sensorisch unauffällige Zubereitung erfüllt die Anforderungen.
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Suspensionssalben: Teilchengröße! Anreiben!
Beim Herstellen von Suspensionssalben ist die Teilchengröße der in der Salbe dispergierten Feststoffe der entscheidende Qualitätsfaktor. Liegt keine geeignete Feinheit vor, wird der Wirkstoff vorab im Porzellanmörser zerkleinert und üblicherweise durch ein 180er-Sieb gegeben. Danach erfolgt das Anreiben zunächst mit etwa gleicher Menge Grundlage oder mit einem geeigneten flüssigen Bestandteil zu einem Konzentrat. Erst anschließend wird die restliche Grundlage portionsweise eingearbeitet.
Zwischen den einzelnen Schritten schaben Sie Schalenrand und Pistill konsequent ab, um Pulvernester zu vermeiden.
Als Inprozesskontrolle einer Suspensionssalbe eignet sich der Plattenausstrich. Eine dünn ausgestrichene Probe prüfen Sie visuell auf Agglomerate, ungleichmäßige Verteilung und grobe Partikel. Das Anreibemittel sollte dabei möglichst ein toxikologisch unbedenklicher Bestandteil der Rezeptur sein, der den Wirkstoff gut benetzt, ihn aber nicht in relevantem Umfang löst.
Andernfalls steigt beim Herstellen von Suspensionssalben das Risiko späterer Rekristallisation. Lassen sich Agglomerate trotz sorgfältigem Anreiben nicht beseitigen, kann eine Homogenisierung über den Dreiwalzenstuhl sinnvoll sein. Anschließend wird die Zubereitung erneut in der Fantaschale gründlich durchgearbeitet. Wenn Sie die Salbenmühle verwenden, müssen Sie mögliche Ansatzverluste bereits im Herstellungsprozess berücksichtigen und nachvollziehbar dokumentieren.
Salben herstellen im geschlossenen System
Geschlossene Rühr- und Mischsysteme können sowohl bei Lösungssalben als auch bei Suspensionssalben den Prozess standardisieren. Zugleich gestalten sie das Salben-Herstellen hygienischer, weil direkt im Primärpackmittel gearbeitet wird.
Feststoffe werden dabei häufig nach dem Sandwich-Prinzip eingebracht, also zwischen zwei Portionen Grundlage. Das verbessert die Verteilung und reduziert Staubverluste. Eingeschlossene Luft sollte vor dem Mischen möglichst entfernt werden, da sie das Ergebnis verschlechtern und Oxidationsprozesse begünstigen kann.
Zu berücksichtigen ist außerdem die Prozesswärme, die bei hohen Drehzahlen entstehen kann. Bei temperaturempfindlichen Wirkstoffen sind daher kurze Mischintervalle oder vorgekühlte Grundlagen zum Herstellen von Salben vorteilhaft.
Müssen feste Bestandteile aufgeschmolzen werden, dann kontrolliert im Wasserbad. Andere Erwärmungsverfahren kommen nur dann in Betracht, wenn sie durch Herstellungsanweisung und Gerätefreigabe abgedeckt sind.
Nach dem Herstellen der Salbe: Kontrollen und Abgabe
Zu den Endkontrollen gehören zunächst Beschaffenheit, Homogenität und Erscheinungsbild der Zubereitung. Lösungssalben müssen frei von sichtbaren Partikeln sein. Suspensionssalben dürfen keine Pulvernester oder groben Agglomerate enthalten. Zusätzlich sind Kennzeichnung, Beilage, Vollständigkeit von Applikationshilfen, Herstellungsprotokoll und Freigabe zu prüfen.
Bei der Auswahl des Packmittels gilt, dass es zur Konsistenz und zur vorgesehenen Anwendung passen muss. Tube oder Spenderdose eignen sich beim Salben-Herstellen meist bevorzugt, da sie eine kontaminationsarme Entnahme ermöglichen. Schraubdeckeldosen bleiben Ausnahmefällen vorbehalten. Etwa bei sehr festen Zubereitungen, die sich aus einer Tube nur schwer entleeren lassen.
Für besondere Anwendungsgebiete, etwa ophthalmologische oder otologische Rezepturen, sind gesonderte Anforderungen an Packmittel, Herstellung und Aufbrauchfrist zu berücksichtigen.
Die Aufbrauchfrist leiten Sie beim Salben-Herstellen individuell ab aus
- chemischer und physikalischer Stabilität,
- Packmittel und
- Anwendungsgebiet.
Bei der Abgabe sind Anwendung, Auftragsmenge, Anwendungsdauer, Lagerung und hygienische Entnahme zu erläutern. Damit endet das Herstellen von Salben nicht mit der Homogenisierung, sondern erst mit einer sachgerechten Freigabe und einer Abgabe, die die Anwendung im Alltag absichert.
Kennzeichnung und Beratung sind deshalb ebenso Teil der Rezepturqualität wie die eigentliche Herstellung.
Quellen:
https://www.abda.de/fuer-apotheker/qualitaetssicherung/leitlinien/leitlinien-und-arbeitshilfen/herstellung/
https://www.abda.de/fuer-apotheker/arbeitsschutz/arbeitsschutzmassnahmen/
https://www.dac-nrf.de/
https://www.abda.de/fileadmin/user_upload/assets/Praktische_Hilfen/Leitlinien/Rezeptur_Defektur/LL_Rezeptur_Defektur.pdf
https://www.abda.de/fileadmin/user_upload/assets/Praktische_Hilfen/Leitlinien/Rezeptur_Defektur/LL_Rezeptur_Defektur_Kommentar.pdf
https://www.gesetze-im-internet.de/apobetro_1987/BJNR005470987.html
https://www.gesetze-im-internet.de/apobetro_1987/__7.html
https://www.gesetze-im-internet.de/apobetro_1987/__14.html
Iris Cutt: „Wurm: Galenische Übungen“, Govi, 20. überarbeitete Auflage 2019.
Claus Garbe, Holger Reimann: „Dermatologische Rezepturen. Schlüssel zur individualisierten topischen Therapie“, Thieme/Govi, 2. Auflage 2005.
Andreas S. Ziegler: „Plausibilitäts-Check Rezeptur gemäß § 7 ApBetrO“, Deutscher Apotheker Verlag, 5., überarbeitete und erweiterte Auflage 2019.












