Um einen Papierschnitt des Darms herum liegen stachlige FrĂŒchte mit Wackelaugen, die Bakterien darstellen sollen.© Evgeniya Moskova/iStock/Getty Images Plus
Gehört ihr hierhin oder nicht? WÀhrend einige Bakterien per se pathogen sind, kommt es bei anderen Arten darauf an, ob sie zum Mikrobiom der Körperstelle gehören.

Bakterielle Infektion

BAKTERIEN UND MENSCHEN: VON ANTIBIOTIKA UND DEM MIKROBIOM

Bakterien der Art Yersinia pestis kosteten im 14. Jahrhundert schĂ€tzungsweise 25 Millionen Menschen das Leben. Heutzutage wĂ€re die Pandemie mit Antibiotika effektiver zu bekĂ€mpfen. Zu leichtfertige Therapien fĂŒhren heute hingegen zu Resistenzen und belasten das Mikrobiom.

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Mehrere Milliarden Jahre lebten nur Bakterien und Archaeen auf der Erde. Und das, bedingt durch ihr exponentielles Vermehrungspotenzial, in riesigen Mengen. Bakterien sind extrem vielfĂ€ltig und konnten sich als Lebensform so weiterentwickeln, dass sie bis heute ein gegenwĂ€rtiges Thema sind. Ihre Vielfalt und AktualitĂ€t zeigt sich auch in Bezug auf uns Menschen: Wir kennen sie als Krankheitserreger, aber auch als nĂŒtzliches Mikrobiom.

Antibiotika sind seit ihrer Entdeckung eine tragende Therapiemöglichkeit fĂŒr die unterschiedlichsten Krankheitserscheinungen. Dabei unterscheiden sie per se nicht zwischen den Bakterien im Mikrobiom und den krankheitserregenden. FĂŒr eine möglichst nebenwirkungsarme Therapie existieren PrĂ€parate, die als sinnvolle Zusatzempfehlung eine Therapie mit Antibiotika ergĂ€nzen.

Was sind Bakterien eigentlich?

Als einzellige Mikroorganismen ohne Zellkern gehören Bakterien zu Prokaryoten. Das heißt, ihre Erbinformation (DesoxyribonucleinsĂ€ure, DNS) liegt frei im Zytoplasma. Bakterien sind einteilbar in anaerobe, die keinen Luftsauerstoff brauchen, und die aerobe, die fĂŒr die Zellatmung Luft benötigen.

Bakterien kommen in drei verschiedenen Grundformen vor: Kugelförmige Kokken, StÀbchen und Schrauben wurden bisher festgestellt, mit einigen Variationen.

Bakterien und Menschen: das Mikrobiom

Anaerobe Bakterien sitzen zum Beispiel im Mikrobiom des Darms. Bakterien beanspruchen einen hohen Anteil im und am Körper des Menschen: Sie kommen im Schutzmantel der Haut vor oder im Mund, wo sie die Aufspaltung des Speisebreis unterstĂŒtzen. Außerdem unterstĂŒtzen die Bakterien des Mikrobioms das Immunsystem. Ihre Aufgaben gehen aber noch weiter, zum Beispiel:

Ort Aufgabe
Mund Mundschleimhaut schĂŒtzen; Wachstum pathogener Mikroben hemmen; Nahrung zersetzen
Darm Verdauen (Ballaststoffe); Immunsystem stÀrken; schÀdliche Mikroorganismen verdrÀngen
Vagina Infektionsschutz durch Produktion MilchsÀure
Atemwege SchÀdliche Mikroben abwehren
Haut SĂ€ureschutzmantel erhalten; vor Krankheitserregern schĂŒtzen

Aber worin liegt nun genau der Unterschied zwischen den „bösen“ Bakterien und den „guten“ des menschlichen Mikrobioms? Pathogene, also krankmachende Bakterien lösen durch unterschiedliche VorgĂ€nge krankhafte Reaktionen aus oder schĂ€digen das Gewebe. Diese VorgĂ€nge lösen sie durch ihre OberflĂ€chenstrukturen aus oder durch Stoffwechselprodukte, Toxine oder Enzyme.

Einige Bakterien sind fĂŒr den Menschen immer pathogen. Bei anderen kommt es darauf an, wo sie sich befinden: Escherichia coli zum Beispiel gehört zum gesunden Darmmikrobiom, im Bereich der Vulva können die Bakterien aber Harnwegsinfektionen verursachen.

GefĂ€hrlich ist, dass sich manche pathogene Bakterien vor dem Immunsystem verstecken oder die Immunantwort gĂ€nzlich unterdrĂŒcken können. Dies fĂŒhrt nĂ€mlich dazu, dass sie sich nach Eintritt in den Wirt ungehindert vermehren können.

Pest
Das Bakterium Yersinia pestis, der Pesterreger, ist ab 37 Grad Celsius von einer SchutzhĂŒlle umgeben, die eine BekĂ€mpfung erschwert. Daher kam es zu der extremen Sepsis bei den Erkrankten, die der Vermehrung der Bakterien keinen Einhalt gebieten konnten.

Antibiotika: wĂŒrdige Gegner fĂŒr Bakterien

Das Zeitalter der Antibiotika beginnt im Jahr 1928, als Alexander Fleming experimentiert mit einer Bakterienkultur, vergisst sie dann jedoch, bis sie verschimmelt. Der Schimmelpilz hemmt das Wachstum der Bakterienkultur. Die extrahierte, bakterientötende Substanz  aus dem Schimmel nennt er Penicillin.

ZunĂ€chst noch unbeachtet, werden die Kraft des Penicillins und seine Wichtigkeit fĂŒr die Kriegsmedizin erst zum Zweiten Weltkrieg durch die Forscher Florey und Chain festgestellt. Ihnen gelingt es, Penicillin statt durch Schimmelpilze nun chemisch herzustellen. Der Umstand verhilft zum Durchbruch dieser bahnbrechenden Entdeckung.

Wie wirken Antibiotika?

Antibiotika als Medikament töten Bakterien ab oder hemmen ihr Wachstum, wĂ€hrend sie menschlichen Zellen nicht schaden. Das heißt nicht, dass sie dem Menschen nicht schaden können, unser Mikrobiom, das ja unter anderem aus Bakterien besteht, leidet durchaus unter Antibiotika.

Penicillin hemmt die Zellwandbildung von Bakterienzellen, was wiederum zu deren Auflösung fĂŒhrt. Es gibt noch weitere Wirkmechanismen: Die unterschiedlichen Antibiotika stören auch die Proteinbiosynthese – beispielsweise Tetracycline – oder sie blockieren die DNS-Replikation.

Proteinbiosynthese
Bakterien ĂŒberleben, so wie alle Lebewesen, durch ihre stĂ€ndige Proteinherstellung fĂŒr Stoffwechselreaktionen oder den Aufbau von Zellstrukturen.

Es gibt innerhalb von Antibiotika Unterschiede darin, ob sie bakterizid wirken – also die Bakterien abtöten – oder als Bakteriostatika das Erregerwachstum hemmen.

Antibiotikum Bakterizid Bakteriostatisch Wirkungsweise
Penicillin, Amoxicillin, Fosfomycin, Cephalosporine X Hemmung der Zellwandbildung
Gentamicin, Clindamycin X Hemmung der Proteinbiosynthese
Ciprofloxacin, Levofloxacin X Gyrasehemmer (Gyrase packt DNS kompakt zusammen)
Metronidazol X Brechen Erbgut-Strang

Antibiotika und das Mikrobiom

Diese Wirkweisen von Antibiotika gegen Bakterien richten sich auch gegen die des menschlichen Mikrobioms, was zu Nebenwirkungen oder FolgeschĂ€den fĂŒhrt. Bis zu einem gewissen Grad verschwinden diese Nebenwirkungen nach der erfolgreichen Antibiotikatherapie wieder.

Typische Begleiterscheinungen von Antibiotika sind Scheidenpilz oder Durchfall wĂ€hrend der Therapie, da die nĂŒtzlichen Bakterien an den entsprechenden Stellen des Mikrobioms ebenfalls abgetötet werden. HierfĂŒr eignen sich ZusatzverkĂ€ufe wie PrĂ€- oder Probiotika. Auch die ErnĂ€hrung kann das Mikrobiom unterstĂŒtzen: durch Joghurt etwa. (Er kann aber natĂŒrlich bei einem Antibiotikum, das nicht mit Milchprodukten eingenommen werden soll, nur mit dem entsprechenden Abstand verzehrt werden.)

Die korrekte Einnahme von Antibiotika

Ob Antibiotika korrekt oder fehlerhaft angewendet werden, hat geringe oder keine Auswirkung auf das Mikrobiom. Es wird trotzdem angegriffen. Allerdings ist die richtige Einnahme dafĂŒr entscheidend, wie sich die Wirkung der Antibiotika auf die pathogenen Bakterien entfalten kann.

GrundsÀtzlich wird die Einnahme mit einem Glas Wasser empfohlen. Die Dosierung ist entsprechend der Àrztlichen Verordnung einzuhalten, genauso wie zeitliche AbstÀnde.

Milchprodukte, und NahrungsergĂ€nzungsmittel mit mehrwertigen Metallkationen wie Calcium und Magnesium, aber auch UV-Strahlung durch Sonne oder Solarium sind beispielsweise wĂ€hrend der Einnahme von Doxycyclin zu meiden. Dabei muss nur die UV-Strahlung den ganzen Tag ĂŒber beachtet werden. Die MikronĂ€hrstoffe sind nach einem Abstand von mindestens vier Stunden wieder einnehmbar.

Die Wirkung hormoneller Kontrazeptiva wird durch einige Antibiotika eingeschrĂ€nkt. Bei oralen Kontrazeptiva, also der Pille, schrĂ€nkt außerdem Durchfall als mögliche Nebenwirkung die Wirksamkeit ein. Deshalb sollten Sie in der Beratung eine zusĂ€tzliche VerhĂŒtung mit einer Barrieremethode erwĂ€hnen.

Wichtig ist, dass Antibiotika ĂŒber den ganzen verordneten Zeitraum hinweg eingenommen werden, auch wenn die Krankheitsbeschwerden sich schon vorher bessern. Denn sonst könnten die wenigen, noch nicht eliminierten Bakterien Resistenzen gegen das Antibiotikum entwickeln.

Zu der korrekten Einnahme gehört auch das Beobachten von Nebenwirkungen, um heftige Reaktionen wie Allergien rasch festzustellen und behandeln zu können. Die Kund*innen sollten die Therapie nicht paranoid beginnen, aber den Körper in gesundem Maß wĂ€hrend der Behandlung zu beobachten ist empfehlenswert.

Zusatzempfehlungen fĂŒr die hĂ€ufigsten Nebenwirkungen, die unter anderem das Mikrobiom betreffen, runden das BeratungsgesprĂ€ch erfolgreich ab und nehmen den Kund*innen einige Sorgen.

Quellen:
https://www.medi-karriere.de/wiki/bakterien/
https://www.oekosystem-erde.de/html/leben-02.html
http://www.yersiniapestis.info/bakterium.html
Thomas Karow, Ruth Lang-Roth: „Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie 2024/25“, Thomas Karow Verlag, Neuauflage 2023.

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