Eine Waschmaschine und ein Trockner, davor liegen ein Haufen weißer und ein Haufen bunter WĂ€sche.© Martin Poole/iStock/Getty Images Plus
Selbst wer den Kittel mit der weißen WĂ€sche bei 60 Grad wĂ€scht, wird die Bakterien aus der Apotheke damit nicht los.

Antibiotikaresistenzen

BIOFILME: DESHALB GEHÖRT DER KITTEL NICHT IN DIE WASCHMASCHINE

Menschen, die im Gesundheitsweisen arbeiten und ihre Berufskleidung zu Hause waschen, verbreiten wahrscheinlich Antibiotikaresistenzen. Eine neue Studie zeigt, welche potenziellen Krankheitserreger trotz korrekten Waschvorgangs in der Kleidung verbleiben.

Seite 1/1 3 Minuten

Seite 1/1 3 Minuten

In der Studie ging es hauptsĂ€chlich um Klinikpersonal von britischen und US-amerikanischen KrankenhĂ€usern. Denn dort ist es ĂŒblich, dass Pflegepersonal, Ärzt*innen und andere Mitarbeitende ihre Berufskleidung in handelsĂŒblichen Waschmaschinen zu Hause waschen.

So könnten sie unwissentlich zur Verbreitung von Antibiotikaresistenzen beitragen. Und das trotz HÀnde- und OberflÀchendesinfektion.

Denn Keime werden ausgeniest, ausgehustet, gelangen durch Schmierinfektion an GegenstÀnde, werden aufgewirbelt und verbreiten sich so durch die Luft. Auch solche, die eine Antibiotikaresistenz tragen.
Und so gelangen Bakterien an Kleidung. Zu Hause landet der kontaminierte Kittel im WĂ€schekorb mit zahlreichen anderen WĂ€schestĂŒcken und letztlich in der Waschmaschine. Hier finden Keime mit Antibiotikaresistenz leider nicht ihr Ende, lediglich Flecken und GerĂŒche werden (restlos) entfernt.

Bakterien an Kleidung ĂŒberleben den 60-Grad-Waschgang

Die Ergebnisse der Studie sind ernĂŒchternd: Selbst bei 60 Grad in einem Standardwaschgang konnte die WĂ€sche nicht ausreichend desinfiziert und dekontaminiert werden. Die zuvor mit dem Darmkeim Enterococcus faecium verunreinigten WĂ€schestĂŒcke wurden nur bei vier der sechs Waschmaschinenmodellen ausreichend gereinigt. Beim Schnellwaschgang war es sogar nur jede zweite Maschine.

„Selbst wenn Mitarbeiter im Gesundheitswesen glauben, sie wĂŒrden ihre Uniformen [wie vorgeschrieben] zehn Minuten lang bei 60 Grad Celsius desinfizieren, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das verwendete GerĂ€t nicht die erwartete Leistung erbringt“, schreiben die Forschenden. Auch weitere Faktoren wie der Standort der Maschine oder die WasserhĂ€rte, die die Waschleistung des Waschmittels beeintrĂ€chtigt, könnte die Bildung von Biofilmen in Waschmaschinen unterstĂŒtzen und damit zu Antibiotikaresistenzen beitragen.

„Jeder resistente Keim, der ĂŒberlebt, zĂ€hlt.“

Entdeckung in der Trommel: Biofilme in Waschmaschinen

Jeder resistente Keim, der ĂŒberlebt, zĂ€hlt. Denn es werden nicht nur Bakterien an Kleidung nicht ausreichend entfernt, es entstehen auch nachweislich Biofilme in Waschmaschinen. In der Studie wurden beispielsweise Abstrichproben an den Gummidichtungen der Trommel oder am Waschmittelfach entnommen. Es fanden sich gleich mehrere Bakterienarten wie Mykobakterien, Pseudomonas- oder Acinetobacter-Arten.

Auch solche, die Antibiotikaresistenzen im Genom trugen, wie beispielsweise Staphylococcus aureus und Klebsiella pneumoniae. Diese Vertreter hatten zusÀtzlich eine Resistenz gegen Waschmittel entwickelt, was bestimmte Antibiotikaresistenzen erhöhte oder die Entstehung neuer Resistenzen förderte.
Seniorautorin Katie Laird von der De Montfort University in Leicester, berichtet:

„In einem bemerkenswerten Fall entwickelte ein zuvor antibiotikaempfindlicher Stamm von Staphylococcus aureus eine Antibiotikaresistenz und wurde praktisch zu MRSA, ohne jemals Antibiotika ausgesetzt gewesen zu sein.“

Kittel in der Klinik dÀmmt Antibiotikaresistenzen ein

Die neue Studie bewies also nicht nur eindrucksvoll, dass sich Bakterien in Kleidung mit Antibiotikaresistenzen nicht ausreichend mit Haushaltswaschmaschinen entfernen lassen, was deren Verbreitung fördert. Sondern sie liefert Hinweise darauf, dass der Waschvorgang zu Hause signifikant zur Entstehung von Antibiotikaresistenzen fĂŒhrt. Die Forschenden setzen sich daher fĂŒr eine Überarbeitung der Waschrichtlinien ein, um Biofilme in Waschmaschinen zu vermeiden.

So könne man beispielsweise vorschreiben, Berufskleidung nur mit Programmen lĂ€ngerer Dauer und höherer Temperaturen zu waschen. Oder man wĂ€scht die WĂ€sche direkt in der Klinik. In Deutschland ist dies ĂŒbrigens standardmĂ€ĂŸig der Fall.

Quellen:
https://www.wissenschaft.de/gesundheit-medizin/welche-keime-auch-nach-der-waesche-in-der-kleidung-bleiben/ 
​​​​​​​Caroline Cayrou,Katie Silver,Lucy Owen,Jake Dunlop,Katie Laird: "Domestic laundering of healthcare textiles: Disinfection efficacy and risks of antibiotic resistance transmission", PLOS One, 30. April 2025. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0321467 

×