Nahaufnahme einer Frau, die Tagebuch fĂŒhrt © Jacob Wackerhausen / iStock / Getty Images Plus
Journaling ist das bewusste, regelmĂ€ĂŸige Aufzeichnen von Gedanken, GefĂŒhlen und Erlebnissen, um Klarheit zu gewinnen, Stress abzubauen und das psychische Wohlbefinden zu steigern.

Tagebuch

JOURNALING: WAS DAS AUFSCHREIBEN WIRKLICH BRINGT

Der erste Kaffee, ein leeres Blatt und drei Seiten Schreiben: Journaling gehört fĂŒr viele zur Morgenroutine. Die Praxis soll helfen, Gedanken zu sortieren und Stress abzubauen. Doch was steckt dahinter und wo liegen die Grenzen? Zwei Expertinnen klĂ€ren auf.

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Journaling klingt oft nach purer Selbstoptimierung: ein Heft, ein besseres Ich. Oft geht es aber schlicht darum, aufzuschreiben, was in einem vorgeht. „Journal“ lĂ€sst sich mit Tagebuch ĂŒbersetzen. „Doch mit Tagebuchschreiben hat Journaling eigentlich nichts zu tun“, sagt die zertifizierte Schreibtherapeutin Doris Hönig.

In einem Tagebuch schreibt man zumeist Erlebnisse auf – also das, was gewesen ist. „Beim Journaling geht es darum aufzuschreiben, was in mir passiert“, so Hönig. Man setze sich mit den eigenen Gedanken und GefĂŒhlen auseinander, ergĂ€nzt die Autorin und zertifizierte Schreibtherapeutin Liv Apollonia Scharbatke.

Tagebuch und Co.: Verschiedene Formen nutzen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um Gedanken, GefĂŒhle und Erlebnisse zu ordnen. Das sind fĂŒnf Formen von Journaling:

  1. Morgenseiten: Eine tÀgliche Schreibpraxis, bei der man direkt nach dem Aufstehen auf drei Seiten niederschreibt, was einem gerade in den Sinn kommt. Das können einzelne Gedanken, Stichpunkte oder halbe SÀtze sein. Der Text muss nicht zusammenhÀngen. Mit den Morgenseiten soll der Kopf frei werden, um dann entspannt den Alltag anzugehen.
  2. Braindump: Ähnlich wie die Morgenseiten geht Braindump (auf Deutsch etwa: Gehirnentleerung). Auch hier schreibt man Aufgaben, Ängste, Freude, Dankbarkeit und Ideen ungefiltert und ungeordnet auf, um den Kopf freizubekommen.
  3. Dankbarkeitsjournal: In einem Dankbarkeitsjournal notiert man in der Regel tĂ€glich positive Erlebnisse oder Momente, fĂŒr die man dankbar ist. Dadurch soll der Blick bewusst weg vom Negativen auf das Positive im Leben gerichtet werden.
  4. Selbstliebe-Journaling: Hier schreibt man regelmĂ€ĂŸig auf, was man an sich selbst schĂ€tzt. Ziel ist es, Selbstbewusstsein und Resilienz zu stĂ€rken.
  5. Karriere-Journaling: Beim Karriere-Journaling schreibt man am Ende des Arbeitstages auf, was man geschafft und bewirkt hat. Das soll Motivation und Sinnhaftigkeit steigern.

Tipps, um mit Journaling den Alltag zu meistern

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Vorlagen, von PDFs bis hin zu Apps. Aus Sicht von Hönig seien solche Vorlagen fĂŒr den Einstieg in Ordnung, wenn man mit dem Journaling beginnt. Die Schreibtherapeutin rĂ€t jedoch dazu, mittelfristig auf ein klassisches Tagebuch oder ein Notizheft wie einen Collegeblock zurĂŒckzugreifen. Sie empfiehlt zudem, nur mit der Hand zu schreiben.

Wer mit der Hand schreibt, komme besser in den Schreibfluss.

Das aktiviere mehr Hirnareale als das Tippen auf einer Tastatur und erleichtere eine intensivere Auseinandersetzung mit den eigenen Gedanken.

Je nach LebensumstĂ€nden könne es aber auch helfen, zwischendurch etwas ins Smartphone einzutippen, um Stress abzubauen, etwa von unterwegs.

Stress abbauen: Wissenschaftlich belegte Effekte

RegelmĂ€ĂŸiges Journaling kann das Stressniveau senken und die emotionale Resilienz stĂ€rken. Wer durch das Schreiben Stress abbauen möchte, findet dazu wissenschaftliche Untersuchungen. Auch fĂŒr depressive Symptome finden sich in Studien Hinweise auf mögliche positive Effekte, wenn wiederholt ĂŒber emotionale Themen geschrieben wird. „Beim Journaling kommt es auf die RegelmĂ€ĂŸigkeit an“, sagt Hönig.

Sie empfiehlt, tÀglich zehn Minuten einfach loszuschreiben und zu notieren, wie es einem geht.

Sorgen, belastende Gedanken oder auch schöne Momente zu notieren, trage zu einer bewussteren Wahrnehmung bei.

Zudem helfe es dabei, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen, was eine gute Methode ist, um Stress abzubauen.

Grenzen beim Journaling richtig einschÀtzen

Die Methode sei vor allem fĂŒr diejenigen hilfreich, die viel im Kopf haben und sich mentale Entlastung wĂŒnschen. Ein Allheilmittel ist Journaling aber nicht. Um beispielsweise Depressionen nachhaltig zu reduzieren, brauche es in aller Regel therapeutische GesprĂ€che. Gleiches gilt fĂŒr starken Stress, wo das Schreiben nur ein Mosaikstein neben mehr Schlaf sein könne, um Stress abzubauen.

Wer schwere psychische Probleme hat, sollte Journaling nur unter fachlicher Begleitung machen.

Das Schreiben ĂŒber die eigene Gedankenwelt löse bei Betroffenen womöglich Emotionen aus. Hier ist es von Vorteil, wenn speziell geschulte Therapeut*innen diese auffangen.

Mit dem Tagebuch dauerhaft am Ball bleiben

Scharbatke empfiehlt, zunĂ€chst nur kleine Zeiteinheiten von etwa drei bis fĂŒnf Minuten einzuplanen. Ein Timer helfe, das selbst gesetzte Zeitlimit anfangs einzuhalten. Ein starres Limit sei das aber nicht. „Besser tĂ€glich drei Minuten als einmal die Woche eine halbe oder eine ganze Stunde“, sagt die Expertin.

Helfen kann es nicht zuletzt, das Journaling mit einer bestehenden Gewohnheit zu verknĂŒpfen. Ein klassisches Beispiel dafĂŒr ist das tĂ€gliche Schreiben direkt nach dem ZĂ€hneputzen.

Quelle: dpa

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