Mann sitzt vor dem Fernsehen, der Raum ist dunkel, man sieht nur das Licht des Fernsehers© Cristian Blázquez Martínez / iStock / Getty Images Plus
Einsamkeit erhöht einer Studie zufolge wohl das Risiko dafür, in eine Binge-Watching-Sucht durch exzessiven Serienkonsum zu geraten.

Serienmarathon

BINGE-WATCHING-SUCHT IM FOKUS: STUDIE ZEIGT ZUSAMMENHANG MIT EINSAMKEIT

Binge-Watching gehört für viele zum Alltag – doch wann wird daraus eine Binge-Watching-Sucht? Eine neue Studie zeigt, wie eng Binge-Watching, Einsamkeit und exzessiver Serienkonsum zusammenhängen und welche psychologischen Motive dabei eine Rolle spielen.

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Viele Menschen verbringen ihre Abende mit Serienmarathons. Doch exzessives sogenanntes Binge-Watching kann problematisch werden. Eine Studie aus China weist darauf hin, dass insbesondere suchtähnliches Verhalten im Zusammenhang mit einer Binge-Watching-Sucht mit Gefühlen von Einsamkeit verknüpft sein kann.

Damit rückt die Binge-Watching-Sucht stärker in den Fokus der Forschung.

Binge-Watching: Einsamkeit als Risikofaktor

Einsamkeit erhöht der Untersuchung zufolge wohl das Risiko dafür, in eine Binge-Watching-Sucht durch exzessiven Serienkonsum zu geraten. Das chinesische Forschungsteam von der Huangshan University kommt nach ausführlichen Befragungen im Fachmagazin „Plos One“ zu dem Schluss, dass es einen signifikanten Zusammenhang zwischen Binge-Watching Einsamkeit und einem stärkeren Hang zu einer Binge-Watching-Sucht gibt.

Das Phänomen Binge-Watching kam vor einigen Jahren mit dem Streaming-Boom auf, zu dessen Beginn noch viele Anbieter ihre Serien-Staffeln an einem Tag komplett auf einen Schlag veröffentlichten. Gerade dieser leichte Zugang könne laut der Binge-Watching Studie problematisches Verhalten begünstigen.

Exzessiver Serienkonsum und psychologische Motive

Die chinesischen Forschenden gehen davon aus, dass sich Menschen mit Binge-Watching-Sucht in ihren Motiven deutlich von Vielsehern ohne Suchtverhalten unterscheiden. Entscheidend sei die psychologische Funktion, die das Schauen erfülle. Exzessiver Serienkonsum diene dabei nicht nur der Unterhaltung, sondern erfülle häufig eine emotionale Funktion.

Das Team machte hierbei zwei Muster fest: Das Binge-Watching wird demnach oft genutzt, um negativen Gefühlen zu entkommen und gleichzeitig positive Emotionen zu verstärken. Gerade bei exzessivem Serienkonsum spiele diese Form der emotionalen Kompensation eine zentrale Rolle.

Exzessiver Serienkonsum dient nicht nur der Unterhaltung, sondern erfüllt häufig eine emotionale Funktion.

Binge-Watching Studie zur emotionalen Selbstregulation

Aus Sicht der Autoren deutet die Binge-Watching Studie darauf hin, dass problematisches Verhalten vor allem dann entsteht, wenn das Schauen der emotionalen Selbstregulation dient. Menschen, die sich einsam fühlen, nach emotionaler Erfüllung suchen oder Serien gezielt als Fluchtmechanismus einsetzen, hätten demnach ein erhöhtes Risiko, eine Binge-Watching-Sucht zu entwickeln.

Die Verbindung zwischen Binge-Watching Einsamkeit und Suchtverhalten zeigt sich dabei besonders deutlich.

Mindestens 3,5 Stunden exzessiver Serienkonsum pro Tag

Für die Untersuchung befragten die Wissenschaftler 551 chinesische Erwachsene, die besonders viel fernsahen. Voraussetzung für die Teilnahme war ein exzessiver Serienkonsum von mindestens dreieinhalb Stunden pro Tag und mehr als vier Episoden pro Woche. Die Teilnehmenden beantworteten Fragen zu ihrem Sehverhalten, ihren Motiven dafür und ihrem Einsamkeitsempfinden – zentrale Aspekte der Binge-Watching Studie.

Sucht wird in der Studie anhand einer Skala aus der Verhaltenspsychologie definiert – der sogenannten Problematic Series Watching Scale, die sich an einer generellen Suchtskala orientiert. Diese berücksichtigt unter anderem, wie sehr sich die Stimmung durch das Serienschauen oder den Entzug verändert oder ob es negative Folgen im sozialen oder beruflichen Leben gibt. Solche Kriterien sind typisch für eine Binge-Watching-Sucht.

Tiktok und Youtube: Mehr Suchtpotenzial als Binge-Watching-Sucht?

Die Autoren betonen, dass ihre Binge-Watching Studie lediglich einen Zusammenhang aufzeige. Ob Einsamkeit tatsächlich Ursache für das Suchtverhalten sei, müsse weiter erforscht werden. Die Analyse beschränkte sich außerdem auf TV-Serien. Andere Streaming-Angebote, etwa auf Youtube oder Tiktok, wurden nicht berücksichtigt, obwohl auch dort exzessiver Serienkonsum beziehungsweise Videokonsum beobachtet wird.

Christian Zabel von der Technischen Hochschule Köln, der selbst zu Binge-Watching geforscht hat, hält die Studie aus China methodisch für gut gemacht – und grundsätzlich auch auf die hiesige Bevölkerung übertragbar. Es sei „sicherlich sinnvoll“, zwischen problematischem und unproblematischem Binge-Watching zu unterscheiden, da nicht jeder Fall eine Binge-Watching-Sucht darstelle.

„Es ist naheliegend, dass Einsamkeit zu mehr Binge-Watching führt“,

sagte Zabel der Deutschen Presse-Agentur – eher als umgekehrt. Allerdings weist der Forscher darauf hin, dass andere Streaming-Formate – etwa Videospiele oder soziale Medien – mutmaßlich noch größeres Suchtpotenzial haben als klassische Serien. Dort sei man noch einmal ganz anderen Reizen ausgesetzt als bei einer TV-Serie, „die sich etwas mehr Zeit nimmt“.

Binge-Watching ist einer Befragung aus dem vergangenen Jahr zufolge in Deutschland vor allem bei Frauen ein beliebter Zeitvertreib. Das geht aus der Bewegtbild-Studie „Screens in Motion 2025“ der Zeitschrift „TV Spielfilm“ aus dem Burda Verlag hervor.

Im Streamingpublikum bingen demnach 44 Prozent der weiblichen Zuschauenden, aber nur 38 Prozent der männlichen. Zusammen ergibt das einen Mittelwert von 41 Prozent, die häufig Binge-Watching betreiben. Weitere 34 Prozent gefällt es zumindest ab und zu, mehrere Folgen zu schauen – ein Verhalten, das nicht automatisch in eine Binge-Watching-Sucht münden muss.

Quelle: dpa

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