Verhaltenstipps
MAGEN-DARM IST ANSTECKEND – FAMILIENMITGLIEDER SCHÜTZEN, DEHYDRIERUNG ERKENNEN
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Wer von Magen-Darm-Fällen in der Kita des Kindes oder am Arbeitsplatz hört, dürfte schnell in einen Alarmmodus wechseln – inklusive Gedanken wie „Mist, haben wir die Seuche morgen auch bei uns zu Hause?“
Die Apotheke ist dann oft die erste Anlaufstelle, um vorsorglich schon einmal etwas gegen Durchfall, Erbrechen und Bauchkrämpfe zu holen. Welche Verhaltenstipps Sie Ihren Kund*innen geben können – und warum Sie ihnen den Hautfalten-Test zeigen sollten.
Magen-Darm ist ansteckend: Warum Noroviren so leicht ĂĽbertragen werden
Noroviren und Co. sind hochansteckend. Daher hat fast jeder schon einmal – oder sogar mehrmals – eine Magen-Darm-Grippe durchgemacht. Dass Magen-Darm ansteckend ist, merken viele erst dann, wenn mehrere Familienmitglieder gleichzeitig betroffen sind.
Die Symptome einer Gastroenteritis melden sich oft ganz plötzlich. Heftige Übelkeit, wässriger Durchfall, starker Brechreiz: Nichts bleibt im Körper und man kommt von der Toilette kaum weg. Dazu kommen oft schmerzhafte Bauchkrämpfe, manchmal auch Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen.
Wie werden Magen-Darm-Infektionen ĂĽberhaupt ĂĽbertragen?
Bei einer Magen-Darm-Grippe handelt es sich meist um eine Entzündung der Magen-Darm-Schleimhaut. „Auslöser sind häufig Viren wie Noroviren oder Rotaviren, Bakterien wie Salmonellen und E.coli und manchmal auch Parasiten“, sagt Professor Birgit Terjung. Sie ist Chefärztin der Abteilung für Innere Medizin und Gastroenterologie an den GFO Kliniken in Bonn.
Ansteckend ist eine Magen-Darm-Grippe vor allem durch Schmierinfektionen. Startpunkt sind dabei kleinste Spuren von Stuhl oder Erbrochenem, die an Händen oder beispielsweise Türklinken, Armaturen oder Haltegriffen in öffentlichen Verkehrsmitteln haften.
Wer in diese Spuren hineinfasst und sich dann zum Beispiel in den Mund packt, kann sich mit den Erregern infizieren – und mitunter schon nach wenigen Stunden Symptome entwickeln. In der Regel beginnen die Beschwerden 4 bis 48 Stunden nach der Ansteckung. Möglich sind auch Tröpfcheninfektionen, also Ansteckungen durch das Einatmen von Viren einer Person, die sich erbrochen hat.
Dass Magen-Darm ansteckend ist, macht den Alltag in Familien, Kitas oder Pflegeeinrichtungen besonders schwierig. Übrigens: „Eine Ansteckung ist auch durch den Verzehr verunreinigter Lebensmittel möglich“, sagt Gastroenterologin Petra Jessen.
Die Symptome klingen meist nach wenigen Tagen wieder ab, Betroffene fühlen sich aber meist noch ziemlich geschwächt.
Magen-Darm ansteckend: So lässt sich das Risiko senken
„Das ist nicht immer leicht, gerade, wenn man viel mit anderen Menschen zu tun hat“, sagt Petra Jessen. Schlechte Nachrichten also für Eltern von Kita-Kindern. Weil Magen-Darm so ansteckend ist, reicht oft schon enger Kontakt für eine Übertragung.
Die Medizinerin rät, sich mehrmals am Tag und vor allem nach einem Toilettengang gründlich die Hände mit Wasser und Seife zu waschen. Auch nach dem Kontakt mit rohem Fleisch oder Fisch ist Händewaschen angesagt.
AuĂźerdem kann man das Risiko fĂĽr lebensmittelbedingte Infektionen senken, indem man auf gute KĂĽchenhygiene achtet. Das heiĂźt konkret:
- Fleisch und Fisch vor dem Verzehr immer gut durchgaren
- Obst und GemĂĽse gut waschen
- Getrennte Bretter fĂĽr das Schneiden von rohem Fleisch und Fisch sowie von Salat und anderen Lebensmitteln nutzen
- Arbeitsflächen in der Küche nach jedem Zubereitungsschritt gründlich abwischen
Hausmittel bei Durchfall: Was hilft bei einem Magen-Darm-Infekt?
Viel kommt raus, wenig geht rein – dadurch besteht die Gefahr, dass der Körper austrocknet. Das wichtigste Hausmittel bei Magen-Darm ist es also, viel zu trinken: „Wichtig ist also, den enormen Verlust von Flüssigkeit und Mineralstoffen, der durch Durchfall und Erbrechen verursacht wird, auszugleichen“, sagt auch Chefärztin Terjung.
Ihre Kund*innen sollten versuchen, regelmäßig zu trinken – am besten in kleinen Schlucken, damit der Magen nicht direkt rebelliert. Wasser und ungesüßter Tee eignen sich Terjung zufolge gut. Mit der Flüssigkeit sollte man auch Mineralstoffe wie Salz, außerdem Zucker in Form von Glucose zu sich nehmen.
Warum nicht Salzstangen und Cola als Hausmittel?
Orale Rehydrationslösungen (ORS) nach WHO-Rezeptur enthalten nicht nur Salze und Glucose in den richtigen Mengenverhältnissen. Die Glucose wird durch einen aktiven Transport in die Darmschleimhaut aufgenommen und zieht durch einen Cotransport-Mechanismus Natrium hinterher. So entsteht ein osmotischer Gradient, der auch Wasser nachzieht und den Durchfall lindert. Das typische Hausmittel Salzstangen und Cola kann das nicht.
In den ersten ein, zwei Tagen können Betroffene meist noch nicht mal an Essen denken. Wer dann erste Bissen wagen möchte, dem rät Gastroenterologin Jessen zu Schonkost. Also zum Beispiel zu Zwieback, Reis, Kartoffeln, Banane oder geriebenem Apfel – Hauptsache leicht verdaulich.
„Auf Alkohol und Kaffee unbedingt verzichten, da dies die Magenschleimhaut weiter reizt“, sagt die Medizinerin.
Tipps fĂĽr die Haushaltsmitglieder: Infektionsrisiko senken
- Gründliches Händewaschen nach jedem Toilettengang, vor dem Essen und nach Kontakt mit der erkrankten Person; zusätzlich gut: regelmäßig ein Händedesinfektionsmittel nutzen
- Häufig berührte Oberflächen wie Türgriffe oder Lichtschalter desinfizieren
- Die erkrankte Person kann eine separate Toilette nutzen? Sehr gut. Ist das nicht machbar, sollte das Klo nach jedem Toilettengang der erkrankten Person gründlich gereinigt und desinfiziert werden – am besten von ihr selbst. Putzt jemand anders, kann sich die Person mit Einweghandschuhen und einem Mundschutz vor Ansteckung schützen.
- Nicht das gleiche Handtuch im Badezimmer wie die erkrankte Person nutzen; ideal sind fĂĽr diese Zeit EinweghandtĂĽcher
- Kleidung, Bettwäsche, Handtücher oder Waschlappen, die mit Durchfall oder Erbrochenem verunreinigt sind, gehören bei mindestens 60 Grad Celsius in die Waschmaschine. Auch Geschirr, das die erkrankte Person genutzt hat, in der Spülmaschine bei höchster Temperatur reinigen.
Wen sollten Sie besser zu Ärzt*innen schicken?
Sind die Beschwerden nach drei Tagen – bei Kindern nach ein bis zwei Tagen – nicht abgeklungen, ist es wichtig, ärztlichen Rat einholen.
„Bei Säuglingen, Schwangeren, Älteren sowie Menschen mit Vorerkrankungen ist es empfehlenswert, umgehend eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen“,
sagt Jessen. Ebenfalls umgehend die Hausärzt*innenpraxis kontaktieren sollten Ihre Kund*innen etwa bei Blut im Stuhl.
Dehydrierung erkennen: Diese Warnzeichen sind gefährlich
„Anzeichen sind beispielsweise sehr trockene Lippen und eine sehr trockene Zunge“, sagt Expertin Terjung. Wer eine Dehydrierung erkennen möchte, sollte außerdem auf Verwirrtheit oder starke Müdigkeit achten. Dehydrierte Menschen können zudem lethargisch wirken. Und auch eine abnehmende Elastizität der Haut ist ein wichtiger Hinweis.
Um eine Dehydrierung zu erkennen, hilft der Hautfalten-Test. Heißt konkret: Hautfalten bleiben stehen, wenn man sie etwa am Handrücken oder Bauch leicht anhebt und dann loslässt.
„Solche Anzeichen sind ein medizinischer Notfall“, warnt Terjung. Das gilt vor allem bei Kindern, Älteren sowie immungeschwächten Menschen.
Quellen:
dpa
https://flexikon.doccheck.com/de/Oral_Rehydration_Solution












