XX-Risiko
AUTOIMMUNERKRANKUNGEN BEI FRAUEN HĂUFIGER WEGEN X-CHROMOSOM?
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Bei systemischem Lupus und dem Sjögren-Syndrom, beides Autoimmunerkrankungen, sind Frauen hÀufiger betroffen, aber auch MÀnner mit mehreren X-Chromosomen. Auf dem X-Chromosom liegen zahlreiche Gene.
Kommt es mehrfach vor, doppeln sich bestimmte Bereiche, was im Mausmodell Autoimmunreaktionen auslöst. Schutzmechanismen verhindern normalerweise, dass Probleme auftreten, allerdings zeigte sich, dass diese nicht alle doppelten Gene abschalten.
Autoimmunerkrankungen bei Frauen hÀufiger
Dass Autoimmunerkrankungen Frauen öfter treffen, hielt man bisher fĂŒr eine Auswirkung der unterschiedlichen Sexualhormone und der proinflammatorischen Effekte von Ăstrogen. In einer retrospektiven multizentrischen Kohortenstudie untersuchte ein Team aus Philadelphia Daten von 113 Millionen Personen. Die Forschenden interessierte, ob die Zahl der vorhandenen X-Chromosomen das Risiko fĂŒr systemischen Lupus und Sjögren-Syndrom, beides Autoimmunerkrankungen, beeinflusst.
Sowohl Frauen als auch MĂ€nner schloss die Studie ein, und zwar diejenigen, die den gewöhnlichen Chromosomensatz (46 Chromosomen, ein Y- und ein X-Chromosom) besaĂen, sowie zwei weitere Karyotypen.
- Zum einen waren dies MĂ€nner mit Klinefelter-Syndrom (47 Chromosomen, ein Y- und zwei X-Chromosomen)
- und zum anderen Frauen mit Triple-X-Syndrom (47 Chromosomen, drei X).
Die Ergebnisse waren eindeutig: Beide Autoimmunerkrankungen traten bei Frauen und MĂ€nnern umso hĂ€ufiger auf, je mehr X-Chromosomen sie besaĂen. WĂ€hrend in der Population das VerhĂ€ltnis von Frauen zu MĂ€nnern mit systemischem Lupus 6,4:1 betrug, lag es fĂŒr Sjögren-Syndrom bei 5:1.
- MÀnner mit Klinefelter-Syndrom erkrankten 8,5-mal hÀufiger an Lupus,
- Frauen mit Triple X sogar 22-mal hÀufiger.
- Das Sjögren-Syndrom traf Klinefelter-Betroffene 6,5-mal öfter,
- Triple-X-Frauen 11,5-mal.
Das X-Chromosom als Auslöser?
Warum die Anzahl der X-Chromosomen das Auftreten von Autoimmunerkrankungen wahrscheinlicher macht, muss noch erforscht werden. Bisher lÀsst sich nur ein Zusammenhang belegen, keine KausalitÀt.
Eine mögliche ErklĂ€rung dafĂŒr, warum Autoimmunerkrankungen bei Frauen beziehungsweise Personen mit mehreren X-Chromosomen hĂ€ufiger vorkommen, könnte in den dort vorhandenen Genen liegen. Einige von ihnen werden schon lĂ€nger mit Autoimmunerkrankungen bei Frauen in Verbindung gebracht. Die Vermutung: Die Produkte dieser Gene erhöhen das Risiko.
Eigentlich besitzt der menschliche Körper einen Schutzmechanismus: Weil ein X-Chromosom ausreicht, inaktiviert ein spezieller Prozess weitere. Dieser Mechanismus scheint aber nur 75 bis 85 Prozent der Gene auszuschalten. Möglicherweise liegt dann eine Ăberaktivierung der verbleibenden Gene vor, was die Entstehung von Autoimmunerkrankungen fördern könnte.
Und was ist beim Turner-Syndrom?
Ob sich der Zusammenhang bestĂ€tigt und so der Grund fĂŒr die HĂ€ufung von Autoimmunerkrankungen bei Frauen gefunden ist, muss sich noch zeigen. Denn auch Betroffene des Turner-Syndroms (45 Chromosomen, ein X) trifft es hĂ€ufiger. Es mĂŒssen also noch andere Faktoren eine Rolle spielen.
Trotzdem ist die Studie ein Hinweis, dass die Rolle des X-Chromosoms in der Entstehung von Autoimmunerkrankungen bei Frauen von entscheidender Bedeutung sein könnte.
Quellen:
https://www.doccheck.com/de/detail/articles/50418-autoimmun-erkrankungen-angriff-des-x-chromosoms
Palmer, A.-K. and Tan, I.J: âSynergistic Effects of Extra X Chromosome on Development of Systemic Lupus Erythematosus and Sjögren Disease in Klinefelter and Triple X Syndrome: A Retrospective Cohort Studyâ, ACR Open Rheumatology, 23. Januar 2025. https://doi.org/10.1002/acr2.11778












