Eine junge Frau mit Übergewicht macht in einem Sportraum Übungen mit Hanteln.© Ekkasit Jokthong/iStock/Getty Images Plus
Krafttraining ist bei Diabetes mit Übergewicht oder Adipositas sinnvoll – mit einer speziellen Methode umso mehr und dazu gelenkschonend.

Bauchfett

SPEZIELLES KRAFTTRAINING HILFT BEI DIABETES

Krafttraining in einer speziellen Form kann bei Diabetes mit Übergewicht besonders helfen. Das zeigt eine Untersuchung der Universität Köln. Das Besondere an der Methode: Sie ist schon lange bekannt und kommt im Leistungssport und bei Rehabilitationen bereits zum Einsatz.

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Beim Blutfluss-Restriktionstraining, das in den 1960er-Jahren in Japan entwickelt wurde, hemmen spezielle Bänder oder Manschetten um Arme und Beine gezielt die Sauerstoffzufuhr in die Muskeln und bremsen den venösen RĂĽckfluss. Das veranlasst Muskelaufbau ohne zu groĂźe Gewichte. Aber die Methode kann noch mehr.

Das Krafttraining kann speziell bei Diabetes den Muskelstoffwechsel verbessern. Es sorgt aber auch besonders gut für den Abbau von gesundheitsgefährdendem Bauchfett.

Krafttraining besonders wichtig bei Diabetes

Krafttraining ist besonders bei Diabetes sehr zu empfehlen, denn es hilft bei der Aufnahme von Zucker in die Muskelzellen. Dominik Pesta und ein Team der Universität Köln hat zwanzig Personen mit Diabetes Typ 2 und Ăśbergewicht oder Adipositas untersucht. Dabei stellte er fest: Krafttraining mit Blutflussrestriktion lieĂź speziell das tiefe Bauchfett der Probanden besser schmelzen als herkömmliches Training. AuĂźerdem zeigten sich Veränderungen im Muskelstoffwechsel.

Warum das spezielle Krafttraining bei Diabetes nĂĽtzlich sein könnte? Pesta vermutet, dass die Methode positive Auswirkungen auf den Muskelstoffwechsel und die Fettverbrennung hat. Speziell bei Diabetes Typ 2 leidet der Stoffwechsel in der Muskulatur.

„Die Mitochondrien, die für die zelluläre Energiebereitstellung zuständig sind, sind durch zu hohe Blutzuckerspiegel etwas beleidigt“,

erklärt Pesta. Das spezielle Krafttraining sorge bei Diabetes dafür, dass die Mitochondrien zahlreicher und leistungsfähiger werden.

Grundsätzlich unterstĂĽtzt Bewegung die Aufnahme von Zucker in die Muskeln; eine Aufgabe, die eigentlich das Insulin ĂĽbernimmt. Besteht aber eine Insulinresistenz, wirkt es nicht ausreichend. Krafttraining kann also bei Diabetes besonders sinnvoll sein, weil es die Wirkung von Insulin unterstĂĽtzt.

Bauchfett reduziert: durch Sauerstoffmangel?

Besonders das tiefe Bauchfett der Probanden, die das Blutfluss-Restriktionstraining anwandten, schwand deutlich besser als bei herkömmlichem Training. Dieses Ergebnis überraschte auch Pesta und sein Team. Sie vermuten die Ursache im durch die Manschetten ausgelösten vorübergehenden Sauerstoffmangel in der Muskulatur. Dieser starke Reiz führt wahrscheinlich zu einer Ausschüttung von Katecholaminen, die an das Bauchfett herangeschwemmt werden und dort die Fettspaltung erhöhen.

Weil vor allem das Bauchfett viele Fettsäuren und entzündungsfördernde Botenstoffe freisetzen kann, gilt es als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Das spezielle Krafttraining hat bei Diabetes also gleich mehrere positive Wirkungen.

Muskelaufbau und Muskelgesundheit

Der Muskelaufbau gelingt durch die Blutflussrestriktion mit geringeren Gewichten. Das macht die Methode besonders gelenkschonend, was bei einem hohen Körpergewicht sinnvoll ist. AuĂźerdem scheint das besondere Krafttraining nicht nur bei Diabetes nĂĽtzlich zu sein.

Es aktiviert im Muskel die Gefäßneubildung. So verbessert es neben dem Effekt auf den Muskelaufbau auch die Blutversorgung und die Muskelgesundheit.

Pesta forscht am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und hat das Krafttraining auf der ISS getestet. Dort hatte zwar niemand Diabetes, aber die Schwerelosigkeit führt bei den Astronauten zu gravierendem Muskelabbau. Training unter Blutflussrestriktion könnte auch bei ihnen die Muskelgesundheit verbessern.

Ob das spezielle Krafttraining für Menschen mit Diabetes künftig häufiger zum Einsatz kommt, muss sich noch zeigen. Denn die Studie in Köln lief nur über zwölf Wochen. Pesta hofft, dass größere Teilnehmerzahlen in weiteren Untersuchungen die positiven Ergebnisse bestätigen.

Quellen:
https://science.orf.at/stories/3234018/
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1550413125005479?via%3Dihub

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