Eine Frau sitzt an ihrem Schreibtisch vor dem Laptop, hat die Ellenbogen auf den Tisch und den Kopf in die Hände gestützt und hält sich mit den Händen unter der Brille die Augen zu.© Jirapong Manustrong / iStock / Getty Images Plus
Wer zu wenig schläft, wird nicht nur müde, sondern auch krank.

Mental Health

SCHLAFMANGEL BEEINTRÄCHTIGT DIE PSYCHISCHE GESUNDHEIT

Man kennt es ja: Eine kurze Nacht macht oft schlechte Laune. Nun haben Forschende wissenschaftliche Belege dafür gefunden, dass Schlafmangel unsere Stimmung tatsächlich beeinflusst.

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Ein Team aus den USA hat die Ergebnisse aus mehr als 50 Jahren Schlafforschung ausgewertet und dafür über 150 Studien einbezogen.

Nicht nur die Stimmung am nächsten Morgen leidet unter dem Schlafmangel. Sogar Depressionen und körperliche Beschwerden können die Folgen sein. Und: Das Problem betrifft mehr Menschen als erwartet.

Geringer Schlafmangel reicht für Beschwerden

5 715 Probandinnen und Probanden zwischen 7 und 79 Jahren nahmen an den 154 Studien teil, die das Team um Cara Palmer von der Montana State University ausgewertet hat. Bereits eine leichte Verkürzung der gewohnten Schlafdauer führte zu negativen Einflüssen.

In den verschiedenen Studien wurden Studienteilnehmer teils nachts mehrfach geweckt, durften über mehrere Nächte hinweg weniger schlafen als gewohnt oder wurden über längere Zeiträume nachts wachgehalten. Im Anschluss daran ermittelten die Forscher über Fragebögen die Stimmung der Probanden, führten Tests auf Depressionen und Angststörungen durch oder ermittelten in Expertimenten die Reaktion auf emotionale Reize.

  • Probanden berichteten über weniger positive Emotionen wie Glück, Freude und Zufriedenheit nach einem Schlafentzug.
  • Je länger dieser andauerte, desto stärker machten sich Unterschiede in der Stimmung bemerkbar.
  • Außerdem empfanden die Personen mit zunehmendem Schlafmangel häufiger psychische oder sogar körperliche Angstsymptome wie Herzrasen.
  • In geringerem Ausmaß traten depressive Symptome auf sowie negative Emotionen wie Traurigkeit, Sorgen und Stress.

Die Auswertung von Palmer und ihrem Team ist die bisher umfassendste zu dem Thema. „Sie liefert eindeutige Beweise dafür, dass längere Wachphasen, verkürzte Schlafdauer und nächtliches Aufwachen das emotionale Funktionieren des Menschen negativ beeinflussen“, sagt Palmer selbst dazu.

Schlafmangel als gesellschaftliches Problem

Das alles stellt ein großes Problem für unsere Gesellschaft dar, so die Überzeugung der Wissenschaftler. Erhebungen aus den USA zeigen, dass Schlafmangel große Teile der Bevölkerung betrifft. Rund 30 Prozent der erwachsenen und sogar 90 Prozent der jugendlichen US-Amerikaner schläft regelmäßig weniger, als nötig wäre.

Die meisten Erwachsenen brauchen zwischen sieben und neun Stunden Schlaf pro Nacht, Kinder deutlich mehr.

Mobilfunkdaten lassen den Schluss zu, dass das Problem weltweit besteht, so Palmer. Aus ihrer Sicht wäre es für die psychische Gesundheit sinnvoll, die Ergebnisse in politische Maßnahmen umzusetzen. Das könnte Schulanfangszeiten betreffen, maximal zulässige Arbeitszeiten für Berufsgruppen wie Fernfahrer, Chirurgen oder Piloten oder Überlegungen zur Sommerzeit.

Wie erhole ich mich vom Schlafmangel?

Palmer und ihr Team wollen in Zukunft herausfinden, wie schnell sich die emotionalen Funktionen nach Beseitigung des Schlafmangels wieder erholen. Kulturelle und individuelle Unterschiede sollen hier stärker berücksichtigt werden. Ebenso erscheint es aus Sicht der Forscher sinnvoll, ein breiteres Spektrum an Altersgruppen zu betrachten. Die Mehrzahl der Studienteilnehmer bisher waren junge Erwachsene, doch das Problem betrifft die Gesamtbevölkerung.

Quellen:
https://www.wissenschaft.de/gesundheit-medizin/was-schlafmangel-mit-uns-macht/ 
Palmer et al.: „Sleep loss and emotion: A systematic review and meta-analysis of over 50 years of experimental research”, Psychological Bulletin  2023. https://psycnet.apa.org/doiLanding?doi=10.1037%2Fbul0000410 

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