Vektor Illustration von verschiedenem Gemüse mit lustigen Gesichtern.© mayalis / iStock / Getty Images Plus
Mairübe, Steckrübe, Möhre, Rote Bete oder Pastinake: Rüben erleben gerade ihr Comeback.

neue Wertschätzung

STECKRÜBE IM TREND: WARUM DAS WINTERGEMÜSE EIN COMEBACK ERLEBT

Die Steckrübe feiert ihr Comeback – vom Notessen zum gefragten Wintergemüse. Ein Bio-Gärtner erklärt, wie Sie Rüben anbauen, Rüben lagern und die alte Knolle kreativ in der Küche einsetzen können.

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Mairübe, Steckrübe, Rote Bete, Pastinake oder Möhre: Rüben erleben gerade ihr Comeback. Das Gemüse war lange nicht angesagt. Vor allem die Steckrübe hatte in Deutschland ein eher schlechtes Image. Das geht hauptsächlich auf den Ersten Weltkrieg zurück.

Im Winter 1916/17 – dem sogenannten „Steckrübenwinter“ – kam es aufgrund von Missernten und Versorgungsengpässen zu einer schweren Hungerkrise. Die Steckrübe, die eigentlich als Viehfutter galt, wurde zum Hauptnahrungsmittel für die notleidende Bevölkerung. Menschen aßen monatelang fast nichts anderes als Steckrüben – als Suppe, Brei, Brot- oder sogar Kaffeeersatz. Dieses historische Trauma prägte das Bild der Steckrübe über Jahrzehnte.

Kulinarische Rehabilitation

Die Steckrübe, die eigentlich als Viehfutter galt, wurde zum Hauptnahrungsmittel für die notleidende Bevölkerung.

Seit einiger Zeit gibt es nun Bemühungen, die Steckrübe kulinarisch zu rehabilitieren. In der gehobenen Küche und bei Slow-Food-Anhängern wird die Steckrübe als regionales Wintergemüse wiederentdeckt. Damit steht die Steckrübe stellvertretend für eine neue Wertschätzung traditioneller Sorten.

Christian Herb betreibt im Allgäu eine Bio-Gärtnerei, die zu dem bundesweiten Netzwerk Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau gehört. Er erklärt im Interview, wie einfach der Anbau der Steckrübe ist, wie sich Rüben lagern lassen – und warum sogar das Grün, das im Keller austreibt, essbar ist.

Wintergemüse mit Geschichte und Geschmack

Frage: Was haben Rüben zu bieten und wieso lohnt es sich, sie wiederzuentdecken?

Christian Herb: Es gibt viele verschiedene Rüben. Jeder kennt Möhren und seit ein paar Jahren auch wieder Pastinaken, die zum Beispiel in der Babynahrung beliebt sind. Es gibt aber auch lila Karotten, und sehr lecker ist auch die Gelbe Bete, die einen etwas süßlichen Geschmack hat, nicht so erdig wie die Rote Bete. Oder Mairüben, die ein bisschen wie Kohlrabi schmecken, mit einer leichten Rettichschärfe.

Insgesamt sind Rüben ein gutes Wintergemüse, man erntet sie im Herbst, kann sie lagern und bis in den März, April hinein essen. Gerade die Steckrübe zeigt, wie vielseitig Wintergemüse sein kann. Ich finde es immer schade, wenn man im Winter Rezepttipps mit Tomate oder Paprika gibt. Mit der Steckrübe und anderem Wintergemüse kann ich ökologisch nachhaltig kochen. Ich mag sehr gerne Tomaten – aber im Sommer!

Frage: Abgesehen vom Steckrübeneintopf – wie kann man Rüben essen?

Christian Herb: Rüben schmecken wirklich lecker und man kann sie vielfältig verwenden, zum Beispiel roh im Salat. Wir machen oft Ofengemüse mit Rüben: Einfach in Stücke schneiden, darüber etwas Öl mit Knoblauch, Kräutern und Salz, und bei 180–200 Grad 20–30 Minuten in den Ofen schieben.

Tipp: Auch zum Braten kann man Rübenstücke in den Schmortopf dazugeben. Sie verkochen darin zwar, aber es schmeckt wunderbar. Steckrüben sind übrigens auch langsam wieder im Kommen. Statt im Eintopf kann man die Steckrübe aber genauso roh raspeln oder als Ofengemüse zubereiten. So wird die Steckrübe vom Notessen zum modernen Wintergemüse.

Rüben anbauen leicht gemacht

Frage: Kann man Rüben auch selbst anbauen?

Herb: Wenn man einen eigenen Garten hat, kann man Rüben gut selbst anbauen. Wer Rüben anbauen möchte, braucht dafür keine aufwendige Technik. Auch die Steckrübe ist unkompliziert. Sie ist insgesamt eher anspruchslos. So hat man zum Beispiel Mairüben früher als Nachsaat auf ein Feld gepflanzt, auf dem das Getreide abgeerntet war.

Mairüben kann man im März säen, dann hat man sie im Mai. Oder man sät sie im Juli, August, dann erntet man sie im Herbst und kann sie lagern.

Wer Rüben anbauen will, sollte wissen: Wichtig ist, Rüben zum Lagern nicht zu waschen.

Die Steckrübe ist unkompliziert und anspruchslos.

Rüben lagern: So bleibt die Steckrübe lange frisch

Beim Thema Rüben lagern gilt: Wir legen sie in eine Kiste mit Erde, damit sie nicht austrocknen. Besonders bei der Steckrübe ist das entscheidend, wenn sie als Wintergemüse bis ins Frühjahr haltbar bleiben soll. Wer Rüben lagern möchte, sollte Temperaturen von zwei bis vier Grad einhalten.

So lange es von den Temperaturen draußen geht, kann man die Kisten also einfach nach draußen stellen. Richtig Rüben lagern bedeutet auch, regelmäßig zu kontrollieren.

Wenn übrigens im Lager etwas Grün aus der Steckrübe oder anderen Rüben sprießt, lässt sich das auch sehr gut essen – im Salat oder gedünstet. So zeigt die Steckrübe einmal mehr, wie vielseitig modernes Wintergemüse sein kann.

Quelle: dpa

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