Wundmanagement
CHRONISCHE WUNDEN RICHTIG VERSORGEN UND BERATEN
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Schwer heilende und chronische Wunden belasten Betroffene oft über Wochen oder Monate. In Deutschland sind rund ein bis zwei Prozent der Bevölkerung betroffen, bei den über 80-Jährigen beträgt der Anteil sogar bis zu fünf Prozent. Infizierte Wunden können im schlimmsten Fall zu einer Sepsis führen, also zu einer schweren Infektion des Organismus, oder zum Beispiel bei einem diabetischen Fuß in einer Amputation enden. Eine fachliche Versorgung ist daher besonders wichtig.
Als PTA beraten Sie Betroffene sowie pflegende Angehörige zu geeigneten Wundauflagen, erklären die richtige Anwendung und warnen vor eigenmächtigen Experimenten mit Hausmitteln. Außerdem informieren Sie über typische Zeichen, die auf Wundheilungsstörungen hindeuten. Wer weiß, wie chronische Wunden entstehen, kann im Beratungsgespräch schnell einschätzen, welche Versorgung sinnvoll ist. Dieser Überblick zeigt, welche Wundauflagen sich für welche Wunde eignen und wie sich die Wundheilung fördern lässt.
Chronische Wunden erkennen: die Warnsignale
Schwer heilende Wunden sind meist akute Wunden, die nach zwölf Wochen noch nicht abgeheilt sind, etwa Geschwüre oder Verletzungen nach einem Unfall oder einer Operation. Von chronischen Wunden ist die Rede, wenn trotz angemessener Versorgung über vier bis acht Wochen keine ausreichende Besserung eintritt und die Wunde ebenfalls innerhalb von etwa zwölf Wochen nicht abheilt. Dazu gehören auch Wunden, die durch chronische Krankheiten entstehen, wie ein diabetisches Fußgeschwür.
Zu den möglichen Warnsignalen gehören die typischen Anzeichen einer Infektion:
- zunehmende Schmerzen
- Rötung
- Überwärmung
- Schwellung
- Funktionsverlust der betroffenen Körperstelle
- systemische, also allgemeine Krankheitszeichen
Vorsicht ist außerdem geboten, wenn es Hinweise auf eine gestörte Durchblutung gibt, die Wunde innerhalb von zwei bis vier Wochen nicht deutlich kleiner wird oder sich auch das umliegende Gewebe rasch verändert. Fragen Sie im Beratungsgespräch gezielt nach diesen Zeichen – so lassen sich chronische Wunden früh von unkomplizierten Verletzungen abgrenzen.
Offenes Bein und Co.: Wer besonders gefährdet ist
Chronische Wunden sind häufig eine Folge bestehender Grunderkrankungen. Dazu zählen unter anderem der diabetische Fuß, ein offenes Bein aufgrund von Venenschwäche oder arteriellen Durchblutungsstörungen, Druckgeschwüre sowie Tumorwunden. Besonders gefährdet sind Patient*innen mit Diabetes mellitus, peripherer arterieller Verschlusskrankheit – der sogenannten Schaufensterkrankheit – oder chronischer Venenschwäche, die häufig in ein offenes Bein mündet.
Ebenso können eingeschränkte Beweglichkeit oder Bettlägerigkeit, Adipositas, Mangelernährung, Herzinsuffizienz mit gleichzeitigem Auftreten von Schwellungen am Körper, Rauchen, eine geschwächte Immunabwehr und Drogenmissbrauch chronische Wunden begünstigen. Achten Sie bei Kund*innen mit diesen Risikofaktoren besonders aufmerksam auf ein offenes Bein und andere schlecht heilende Stellen.
Wundheilung fördern durch feuchtes Wundmilieu
Chronische Wunden heilen besser, wenn sie nicht austrocknen. Ein leicht feuchtes Wundmilieu unterstützt die Neubildung von Hautzellen und verhindert, dass eine harte Kruste entsteht, die den Heilungsprozess behindern kann. Gleichzeitig muss die Wundflüssigkeit kontrolliert aufgenommen werden: Zu viel Flüssigkeit weicht die Haut um die Wunde herum auf, zu wenig Feuchtigkeit lässt die Wunde austrocknen. Geeignete Verbände helfen dabei, das Gleichgewicht zu halten und die Wundheilung zu fördern.
Auch die gesunde Haut rund um die Wunde braucht Schutz. Bleibt sie dauerhaft feucht, wird sie weich und verletzlich. Moderne Wundauflagen können dazu beitragen, dieses Aufweichen zu vermeiden. Spezielle feuchte Wundauflagen unterstützen zudem die körpereigene Reinigung der Wunde, bei der abgestorbenes Gewebe abgebaut wird.
Ein Befall mit Bakterien, die die Wundheilung stören und zu einer Infektion führen können, muss verhindert werden. Eine saubere Versorgung, passende Materialien und regelmäßige Kontrolle helfen, Infektionen zu vermeiden, Komplikationen früh zu erkennen und die Wundheilung zu fördern.
Wundauflagen: Welche passt zu welcher Wunde?
Die Wahl der richtigen Produkte hängt vom Zustand der Wunde ab. Diese Wundauflagen eignen sich bei chronischen Wunden:
- Hydrogele: eignen sich zum Beispiel für trockene oder belegte Wunden, da sie Feuchtigkeit spenden, Beläge aufweichen und die natürliche Reinigung unterstützen.
- Hydrokolloidverbände: kommen bei schwach bis mäßig nässenden, nicht infizierten Wunden infrage. Sie bilden ein gelartiges Milieu, halten die Wunde feucht und schützen vor äußeren Einflüssen.
- Schaumverbände aus Polyurethanschaum: werden bei nässenden Wunden eingesetzt. Sie polstern, nehmen Wundflüssigkeit auf, sind atmungsaktiv und schützen vor äußeren Reizen. Sie können daher längere Zeit auf Wunden verbleiben, sodass tägliche Verbandwechsel nicht nötig sind, sofern die Wunden nicht infiziert sind.
- Alginat- und Hydrofaserauflagen: können bei stark nässenden Wunden sinnvoll sein. Sie nehmen viel Flüssigkeit auf und bilden ein Gel, das die Wunde feucht hält.
- Wundauflagen mit Superabsorberpulver: arbeiten wie Windeln. Sie absorbieren die Flüssigkeit und bilden damit ein Hydrogel. Der Vorteil ist, dass sie ein Vielfaches ihres eigenen Volumens an Flüssigkeit aufnehmen können und sich damit ebenfalls für stark nässende Wunden eignen.
- Wunddistanzgitter oder silikonbeschichtete Wundkontaktlagen: können verhindern, dass der Verband mit der Wunde verklebt. Dadurch wird der Verbandwechsel schonender.
- Aktivkohleauflagen: binden bei stark riechenden Wunden Gerüche und verbessern so die Lebensqualität.
Wundschnellverbände, die typischen Pflaster, sind für schwer heilende Wunden nicht geeignet. Weisen Sie Ihre Kund*innen darauf hin, dass chronische Wunden moderne Wundauflagen brauchen, die die Wundheilung aktiv fördern.
Chronische Wunden: Das können Betroffene selbst tun
Betroffene mit diabetischem Fuß können die Behandlung unterstützen, indem sie etwa durch Gehhilfen, Lagerungshilfen oder angepasste Schuhe für Druckentlastung sorgen. Auch eine regelmäßige Fußpflege und Inspektion der Füße ist wichtig.
Bei einem venös bedingten Geschwür – also einem offenen Bein – kann eine Kompressionstherapie notwendig sein. Außerdem sollten Betroffene gegebenenfalls auf das Rauchen oder, im Falle von E-Zigaretten, das Dampfen verzichten, denn Nikotin verengt die Gefäße und verschlechtert die Sauerstoffversorgung des Gewebes.
Die Wundheilung ist eine große Belastung für den Körper. Raten Sie Ihren Kund*innen deshalb zu einer ausreichenden Protein- und Energiezufuhr – so lässt sich die Wundheilung im Alltag fördern. Eine regelmäßige Verbandskontrolle ist ebenfalls entscheidend. Im Falle einer Infektion darf die Wunde nicht luft- und wasserundurchlässig abgedeckt werden, allerdings mit einer wichtigen Ausnahme: Beim Duschen ist eine wasserundurchlässige Abdeckung zwingend erforderlich, da der Kontakt zu nichtsterilem Wasser das Infektionsrisiko erhöht.
Die Anwendung von Hausmitteln und Vaseline ist bei chronischen Wunden generell nicht geeignet.
Chronische Wunden: Wann Kund*innen zum Arzt müssen
Schwer heilende und chronische Wunden brauchen Aufmerksamkeit, geeignete Materialien und regelmäßige fachliche Begutachtung. Deshalb findet in regelmäßigen Abständen eine pflegerische und ärztliche Kontrolle statt. Chronische Wunden werden nicht in der Selbstmedikation behandelt. Ein Besuch beim Arzt oder der Ärztin ist insbesondere angezeigt, wenn Infektionszeichen oder Fieber auftreten.
Auch bei Nekrosen, die sich in schwarzen oder weißen Verfärbungen äußern, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Dasselbe gilt zum Beispiel bei Verdacht auf eine periphere arterielle Verschlusskrankheit oder wenn die Heilung trotz richtiger Versorgung ausbleibt. Ihr Team in der Apotheke vor Ort übernimmt dabei eine wichtige Lotsenfunktion: Es nimmt jede noch so kleine Wunde ernst, begleitet die Versorgung im Alltag und verfolgt den Heilungsverlauf. So lassen sich chronische Wunden früh erkennen, ein offenes Bein rechtzeitig abklären und die Wundheilung gezielt fördern.
Quelle: „Gesundheitstipps: Versorgung von schwer heilenden Wunden“, Pressemitteilung der Apothekerkammer Niedersachsen vom 28. Juli 2026.












