Eine Frau sitzt unter einem Durchgang im Freien. Sie hat die Sonnenbrille abgenommen und stütz den Kopf in die Hand. Die Augen sind geschlossen.© nicoletaionescu/iStock/Getty Images Plus
Wer aus seiner Erschöpfung herausfinden möchte, kann mit Mini-Pausen anfangen – die Hürde ist kleiner als gleich ein ganzes Entspannungs-Programm zu erledigen.

Akku leer

ERSCHÖPFUNG TROTZ SCHLAF: DAS HILFT BETROFFENEN

Erschöpfung lässt sich nicht einfach wegschlafen – auch nicht nach einem freien Wochenende. Eine Physiotherapeutin erklärt, warum Erschöpfung mehr ist als Müdigkeit, wie sich die Symptome zeigen und weshalb schon eine Minute Übung im Alltag entlasten kann. Wichtiges Beratungswissen für PTA.

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Der Kaffee ist getrunken, die Nacht war lang genug – und trotzdem fühlt sich der Körper an, als sei der Akku leer. Auch ein freies Wochenende bringt keine richtige Erholung. Vielleicht fällt die Konzentration schwer, vielleicht reagieren Betroffene schnell gereizt. Erschöpfung kann sich ganz unterschiedlich zeigen – und ist mehr als Müdigkeit.

Auch in der Apotheke schildern Kund*innen immer wieder genau dieses Gefühl. Erschöpfung trotz Schlaf gehört zu den Beschwerden, die sich nur schwer greifen lassen. Julia Wohlfarth, Physiotherapeutin aus München, hat gerade ein Buch zum Thema veröffentlicht („1-Minuten-Strategie Erschöpfung: Soforthilfe bei Überlastung, Unruhe und innerer Anspannung“). Sie erklärt, welche Symptome typisch sind und warum bei Erschöpfung schon eine kurze Pause entlasten kann.

Erschöpfung trotz Schlaf: Wenn Ruhe nicht reicht

„Der große Unterschied zur Müdigkeit ist, dass man sich bei Erschöpfung nicht mehr so schnell erholen kann“, sagt Julia Wohlfarth. Eine Pause, eine Nacht Schlaf oder sogar ein Urlaub reichen dann nicht unbedingt aus, um wieder zu Kräften zu kommen.

Erschöpfung trotz ausreichend Schlaf lässt sich also nicht einfach wegschlummern. Erklären Sie Ihren Kund*innen den Unterschied: Müdigkeit verschwindet nach Erholung, Erschöpfung bleibt trotz Schlaf bestehen.

Erschöpfung: Symptome erkennen und einordnen

Erschöpfung ist laut der Autorin keine Diagnose, sondern ein Symptom. Und sie wird von jedem Menschen anders erlebt. Gerade bei Erschöpfung trotz Schlaf fallen die Symptome sehr unterschiedlich aus: Manche fühlen sich innerlich abgeschaltet, kraftlos und leer, andere sind müde, aber gleichzeitig angespannt und unruhig.

„Erschöpfung ist nicht nur körperlich und auch nicht nur psychisch oder emotional zu betrachten“,

so Wohlfarth. Der Alltag kann dadurch stark eingeschränkt sein: „Erschöpfung hält uns davon ab, etwas für uns zu tun, und kostet wahnsinnig viel Lebensqualität.“ Im Beratungsgespräch lohnt es sich deshalb, die Erschöpfung und ihre Symptome gemeinsam mit Ihren Kund*innen einzuordnen.

Energiefresser finden: Was bei Erschöpfung hilft

Doch was hilft dabei, sich wieder weniger erschöpft zu fühlen und den Alltag wieder mehr zu genießen? Oft greifen Menschen nach dem, was allgemein als wohltuend gilt: schlafen, Sport oder Meditation. Das kann passen, muss aber nicht. Julia Wohlfarth rät, zunächst genauer hinzuspüren: Fühlt sich der Körper eher unruhig an oder wie abgeschaltet? Welche Gedanken sind da? Tritt die Erschöpfung morgens auf, abends oder vor allem nach der Arbeit?

„Was tut mir wirklich gut?“ ist laut Wohlfarth eine der schwierigsten Fragen in diesem Zusammenhang. Bei der Beantwortung hilft es, die „Energiefresser“ im eigenen Leben ausfindig zu machen.

Raten Sie Ihren Kund*innen, systematisch zu analysieren: Nach welchen Aufgaben, Gewohnheiten oder Treffen bleibt besonders wenig Kraft? Lassen sich diese Situationen anpassen, sodass sie weniger zehrend sind? Und nach welchen Aktivitäten stellt sich Erholung ein?

Erschöpfung: Kurze Pause mit Ein-Minuten-Übung

Darauf aufbauend empfiehlt die Physiotherapeutin in ihrem Buch kurze Strategien gegen die Erschöpfung. Der Reiz dieser Ein-Minuten-Strategien liegt laut Wohlfarth darin, dass die Hürde, sie umzusetzen, besonders niedrig ist.

Wer bereits überlastet ist, empfindet tägliche Meditation, ausführliches Schreiben oder eine halbe Stunde Sport womöglich als weitere Aufgabe. „Bei einer Minute sagen die Menschen: ‚Das schaffe ich.‘“ Bei Erschöpfung genügt für den Anfang also eine kurze Pause von 60 Sekunden.

Zwei Beispiele:

  • Bei innerer Unruhe: aufrecht stehen und die Arme locker ausschwingen lassen, sodass sie den Körper berühren. „Das hilft mir, diese innere Unruhe abzubauen und ein bisschen Energie zu tanken für den Moment“, sagt Wohlfarth.
  • Beim Gefühl, „wie abgeschaltet“ zu sein: Arme, Beine und Gesicht sanft mit den Fingerspitzen abklopfen. Das kann helfen, wieder stärker im Körper und im Augenblick anzukommen und sich vorsichtig zu aktivieren.

Erschöpfung: Kurze Pause statt großes Programm

„Eine einminütige Übung heilt keine Erschöpfung“, betont Julia Wohlfarth. Sie kann aber einen Moment der Entlastung schaffen – und das Gefühl zurückgeben, selbst etwas bewirken zu können. Auf lange Sicht sollen die Strategien dabei helfen, die eigene Erholungsfähigkeit zu stärken.

Ziel ist keine radikale Veränderung, sondern kleine Schritte, die sich tatsächlich umsetzen lassen.

Genau das können Sie Ihren Kund*innen mitgeben: Bei Erschöpfung zählt eher die regelmäßige kurze Pause als das große Programm.

Erschöpfung: Symptome ärztlich abklären lassen

Wichtig:Selbsthilfe ersetzt keine medizinische Abklärung. „Grundsätzlich sage ich immer: Bitte alle Symptome ärztlich abklären lassen“, sagt Wohlfarth. Besonders starke Erschöpfung nach kleinsten Belastungen – etwa schon nach kurzem Gehen – sollte professionell eingeordnet werden. Auch bei extremer innerer Leere, Hoffnungslosigkeit oder Sinnverlust ist Unterstützung wichtig.

Verweisen Sie Kund*innen mit solchen Beschwerden deshalb an die ärztliche Praxis. Für den Alltag bleibt eine Haltung, die Wohlfarth besonders wichtig ist:

„Nicht gegen den Körper zu arbeiten, sondern ihm freundlich zu begegnen.“

Denn oft hat der Körper lange kompensiert, bevor die Erschöpfung spürbar wurde. Wer beobachtet, was Energie raubt und was Energie gibt, kann den eigenen Alltag Schritt für Schritt verändern.

Quelle: dpa

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