Neue Einteilung
LEITLINIEN-UPDATE BEI HARNWEGSINFEKTEN SOLL BEHANDLUNG VERBESSERN
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Die Klassifizierung von Harnwegsinfekten stammt aus dem Jahr 1963. Unkomplizierte Harnwegsinfekte können Betroffene zunächst selbst behandeln, komplizierte Infektionen erforderten bisher einen Praxisbesuch. Was das Update der Leitlinie nun ändern möchte: Die Bezeichnung „kompliziert“ meinte ursprünglich das Vorhandensein von Risikofaktoren oder Begleiterkrankungen, die die Behandlung von Harnwegsinfekten erschweren oder bei denen ein schwerer Verlauf wahrscheinlicher ist. Im Laufe der Zeit veränderte sich aber die Bedeutung des Begriffes, was zu Problemen führt.
Die uneinheitliche Verwendung der Kriterien bei der Diagnostik von Harnwegsinfektionen und in der Forschung erschwert die Interpretation der Ergebnisse sowie die Behandlung. Das will die Europäische Gesellschaft für Urologie mit dem Update ihrer Leitlinie ändern.
Harnwegsinfekte: lokal oder systemisch
Dass ein Harnwegsinfekt als kompliziert bezeichnet wird, kann verschiedene Gründe haben. In manchen Fällen bestehen bestimmte klinische Symptome, in anderen nicht. Auch eine systemische Beteiligung, die sich in Fieber oder Schüttelfrost äußert, kann, muss aber nicht bestehen. Genau das macht die Interpretation von Studienergebnissen und die Kommunikation zwischen Fachpersonen unnötig schwierig, weshalb eine neue Leitlinie klarere Definitionen schaffen soll.
Die European Association of Urology (EAU) fordert daher ein Umdenken und schlägt die Einteilung in „lokalisierte“ und „systemische“ Harnwegsinfekte vor. Hier soll das Augenmerk auf den Beschwerden liegen. Risikofaktoren fließen erst später in die Beurteilung ein, was Missverständnisse vermeiden und die Behandlung verbessern soll. Aktuelle Studien sprechen für die Orientierung an systemischen Zeichen, typischen Beschwerden und Risikofaktoren im Sinne einer praxisnahen, eindeutigen Einteilung von Harnwegsinfekten.
Blasenentzündung beim Mann: neue Regeln
Ob es sich um eine einfache, lokal begrenzte Blasenentzündung handelt, die Betroffene selbst behandeln können, legen laut EAU klare Kriterien fest. Neu ist, dass bei lokalisieren Harnwegsinfekten nicht mehr nach Geschlechtern getrennt entschieden wird. Männer mit akuten Symptomen einer Blasenentzündung mussten bisher immer an einen Arzt oder eine Ärztin verwiesen werden. Das ändert sich jetzt mit dem Update der Leitlinie.
Bei ausschließlich lokalen Symptomen wie Brennen beim Wasserlassen, Harndrang und Schmerzen im Unterleib, die nicht länger als fünf Tage bestehen und bei denen keine systemischen Beschwerden wie Fieber bestehen, kann eine Selbstmedikation versucht werden. Mediziner*innen behandelt diese Art von Harnwegsinfekten in der Regel ambulant.
Systemischer Harnwegsinfekt oder Risikofaktoren
Ein Harnwegsinfekt mit systemischen Beschwerden oder Zeichen einer Sepsis gehört umgehend in ärztliche Behandlung. Dazu zählen:
- Fieber
- Schüttelfrost
- Starkes Krankheitsgefühl
- Blutdruckabfall
- Flankenschmerzen
Eine stationäre Aufnahme kann in solchen Fällen notwendig werden, ebenso wie weitere Diagnostik, etwa zur Bestimmung von Antibiotikaresistenzen.
Bestehen bei lokalisiertem Infekt bestimmte Risiken, sollten Betroffene ebenfalls ärztlich untersucht werden. Dies ist der Fall bei:
- Schwangerschaft
- Säuglingen
- Senioren
- Immunsuppression
- Pflegebedürftigkeit
- Bekannten Anomalien der Harnwege oder Nieren
- Katheterisierung
- Vorerkrankungen wie Diabetes, Prostataerkrankungen, Nierenfunktionsstörungen
- Nierensteinen
- Kurz zurückliegender Antibiotika-Einnahme (Gefahr resistenter Keime)
Bestehen einer oder mehrere Risikofaktoren, kann dies den Verlauf und die Wahl der Therapie beeinflussen. Anders als bei der bisherigen Einteilung betrachtet die neue Klassifizierung von Harnwegsinfekten die Faktoren aber getrennt vom Infektionstyp. Die aktuell gültigen Leitlinien der deutschen Fachgesellschaften teilen Harnwegsinfekte nach wie vor in kompliziert und unkompliziert ein. Ob sich die neuen Kriterien durchsetzen, wird sich zeigen.
Quellen:












