Bifidobakterien umgeben von Darmzotten und Kohlenhydratketten© GVH/UZV
Nützliche Darmbakterien ernähren sich von langkettigen Kohlenhydraten – bei einer Keto-Diät fehlt ihnen also das Futter.

Darmbakterien

KETOGENE DIÄT: EIN ZWEISCHNEIDIGES SCHWERT

Eine ketogene Diät mit viel Protein und Fett, aber wenig Kohlenhydraten soll beim Abnehmen helfen. Jede Diät beeinflusst auch unsere Darmbakterien, und in der Regel führt das reduzierte Körperfett zu mehr Vielfalt im Darm. Die Keto-Diät hat aber leider auch Schattenseiten.

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Glucose ist der Haupt-Energielieferanten in unserem Körper. Für eine ketogene Diät erfolgt eine radikale Umstellung auf kohlenhydratarme, fett- und eiweißreiche Kost. Der Körper wird so gezwungen, in der Leber Fette in Ketonkörper umzuwandeln und diese als Brennstoff zu verwenden. So lässt sich schnell Gewicht verlieren, was die ketogene Diät beliebt macht.

Bei Adipositas befindet sich das Darm-Mikrobiom oft im Ungleichgewicht und eine Gewichtsreduktion hilft, das auszugleichen. Eine Studie zeigt jetzt: Keto-Ernährung kann aber neue Darmprobleme verursachen.

Ketogene Diät: mehr Vielfalt im Darm, aber...

Auch die ketogene Diät beeinflusst, wie die meisten Maßnahmen zur Gewichtsreduktion, den Darm positiv. Das zeigt eine systematische Analyse zahlreicher Einzelstudien durch ein Team um Shun Wang von der School of Physical Education an der Universität Huabei in China. Durch eine ketogene Diät erhöht sich die Vielfalt der Darmbakterien. Auch Nützlinge wie Akkermansia, die für den Schleimhautschutz wichtig sind, und Bacteriodetes-Arten vermehren sich.

Für eine ketogene Diät verzichten Anwendende weitgehend auf Kohlenhydrate. Lebensmittel wie Getreide, Obst und Gemüse weisen oft einen hohen Kohlenhydratanteil auf und werden gemieden. Genau das stellt für die Darmbakterien aber ein lebensgefährliches Problem dar, denn einige Arten sind zwingend auf Ballaststoffe angewiesen. Fehlen diese über einen längeren Zeitraum, kann die Keto-Ernährung neue Darmprobleme verursachen.

Diät ist für die Darmbakterien lebensgefährlich

Während einer Diät verändert sich die Zusammensetzung unserer Darmbakterien. Bei einem weitgehenden Verzicht auf Kohlenhydrate, den die ketogene Diät vorsieht, kann ein Ballaststoffmangel auftreten. Dieser sorgt dafür, dass bestimmte Darmbakterien schlicht und einfach verhungern, weil sie sich von diesen unverdaulichen Kohlenhydraten ernähren.

Ketogene Diät schädigt so zum Beispiel Bifidobakterien, die für unsere Abwehr wichtig sind. Auch Bakterien, die die kurzkettige Fettsäure Butyrat produzieren, leiden unter dem Ballaststoffmangel. Butyrat ist der wichtigste Energielieferant für unsere Darmwandzellen. Die ketogene Diät, bei der ein Mangel an Butyrat entsteht, schädigt also unsere Darmbarriere.

Aber nicht nur die ketogene Diät, auch zahlreiche andere, restriktive Diäten schaden mehr, als sie nützen. Der kurzzeitige Abnehmerfolg hält in der Regel nicht lange an. Nachhaltiger und auch für den Darm gesünder sind langfristige Ernährungsumstellungen. Man nimmt dann zwar langsamer ab, vermeidet aber Jo-Jo-Effekte.

Keto-Kost: So kann man Darmprobleme vermeiden

Eine Keto-Ernährung kann also zu Darmproblemen führen. Um das zu vermeiden, empfehlen die Forschenden, eine ketogene Diät nur unter ärztlicher Aufsicht durchzuführen. Vorher empfiehlt sich auch ein Gesundheitscheck. Nicht für jeden Menschen eignet sich eine so restriktive Form der Ernährung wie die ketogene Diät.

Außerdem sollte man währenddessen gezielt Ballaststoffe zuführen, etwa durch Flohsamenschalen oder Leinsamen. Nur dann kann man sicherstellen, dass die Keto-Lebensweise keine Darmprobleme zur Folge hat.

Quellen:
https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/pharmazie/adipositas-keto-diaet-spaltet-die-darmflora/#
Wang S, Bao Z, Li Z, Zhao M, Wang X, Liu F.: "The impact of very-low-calorie ketogenic diets on gut microbiota in individuals with obesity: a systematic review and meta-Analysis", Gut Microbes, 6. Oktober 2025. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41054273/ 

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