Jemand hält einen Luftballon in der linken Hand, eine Nadel in der rechten.© Olga Evtushkova / iStock / Getty Images Plus
Wer einen Ballon platzen lassen möchte, muss beherzt zustechen. Für Heparin-Spritzen gilt das auch.

Heparin

ANTI-THROMBOSESPRITZEN: WIE KLAPPT DIE ÜBERWINDUNG?

Wer länger liegen muss, beispielsweise nach einer Verletzung oder Operation, bekommt meist Anti-Thrombosespritzen verordnet. Wenn Kund*innen ihr Rezept einlösen, sind sie oft verunsichert davon, dass sie sich selbst spritzen sollen. Im Beratungsgespräch können Sie Tipps geben und Ängste nehmen.

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Bänderriss, Knie-OP oder die längere Erholungsphase nach einer Krankheit: Werden die Beine wenig bewegt, steigt das Risiko für Blutgerinnsel. Denn durch die fehlende Bewegung fließt das Blut dann langsamer durch die Beinvenen. Zur Thrombose-Prophylaxe verordnet der behandelnde Arzt oder die Ärztin in der Regel niedermolekulare Heparine wie Enoxaparin oder Nadroparin zur Selbstinjektion, also Thrombosespritzen. „Und das soll ich mir selbst spritzen?“, lautet dann oft die besorgte Frage in der Apotheke, wenn der Kunde oder die Kundin den Karton mit seinen Thrombosespritzen erhält. Hier ist Ihr Beratungswissen gefragt.

Thrombosespritzenspritzen in zwei einfachen Schritten

Die Injektionslösung in der richtigen Menge und Dosierung ist bereits in den fertigen Thrombosespritzen, die Nadeln sind kurz. Der Kunde kann also nichts falsch machen. Professor Dr. Martin Scherer, Direktor des Instituts und der Poliklinik für Allgemeinmedizin am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf, sagt: „Das geht total einfach und ist ganz unkompliziert.“ Probleme damit habe es in seiner gesamten ärztlichen Laufbahn noch nie gegeben. Er erklärt, wie man sich eine fertige Thrombosespritze setzt.

Schritt 1: Die Bauchfalte

Die Thrombosespritze soll in den seitlichen Bauchbereich, etwas unterhalb des Bauchnabels, platziert werden und dort ins subkutane Fettgewebe dringen. Auch schlanke Menschen bekämen an dieser Stelle in der Regel ein bisschen Fett zu greifen. „Für Rechtshänder heißt das also, dass sie sich mit der linken Hand so ein bisschen in den Bauch greifen und eine Hautfalte bilden“, beschreibt Scherer – Linkshänder greifen entsprechend mit der rechten Hand zu.

Schritt 2: Der Dartpfeil

Die Thrombosespritze solle „wie ein Dartpfeil zwischen Daumen und Zeigefinger“ gegriffen werden. Rechtshänder nehmen hierfür die rechte Hand, Linkshänder die linke. Mit ein wenig Schwung sticht man nun in die Hautfalte hinein, drückt den Kolben herunter und entleert so die Heparin-Spritze.

Bei Schritt 2 gezögert: Der Luftballon

Scherer rät, nicht zu zaghaft zu sein: „Stellen Sie sich vor, Sie würden mit einer Nadel einen Luftballon zerplatzen lassen.“ Dabei stochere man auch nicht zaghaft herum.

Schritt 2: Immernoch Angst?

Der Mediziner betont: „Man kann dabei wirklich überhaupt nichts falsch oder kaputt machen.“ Jede Blutabnahme und jede Impfung spüre man stärker als die Thrombosespritze. Dennoch erleichtert es viele Kund*innen, wenn ein Familienmitglied, Freund oder Freundin das Heparin Spritzen übernimmt.

Ein wertvoller Tipp, egal, wer den Piks ausführt und die Thrombosespritze setzt: Beim Abziehen der Sicherheitskappe tritt gelegentlich ein Tropfen der Injektionslösung aus. Diesen sollte man abschütteln, um blaue Flecken an der Einstichstelle zu vermeiden. Denn dieser kleine Tropfen Heparin-Lösung kann für Hämatome sorgen. Wichtig ist aber, dass der Kunde oder die Kundin den Tropfen tatsächlich abschüttelt, das geht gut mit einer schnellen Bewegung, als wolle man ein Insekt vertreiben. Den Tropfen sollte man hingegen nicht abwischen, dabei geht die Sterilität der Nadel verloren, außerdem könnte sie verbiegen.

Was können Sie Ihren Kund*innen noch empfehlen?

Je nachdem, aus welchem Grund der Kunde oder die Kundin die Thrombosespritze benötigt, können Sie ihm Zusatzempfehlungen aussprechen. Kompressionsstrümpfe beispielsweise unterstützen die Thromboseprophylaxe – über einem Gipsbein kann man sie aber natürlich nicht tragen.

Kann und darf der Kunde oder die Kundin seine Füße bewegen? Dann raten Sie ihm dazu, die Muskelpumpe zu aktivieren und so mit den Waden die Venendurchblutung in Schwung zu bringen. Dazu gibt man im Sitzen, wie beim Autofahren, abwechselnd Gas und nimmt Gas weg. Die Übung wiederholt man 15-mal. Wer kann, stellt sich auf die Zehenspitzen und wippt auf und ab.

Benötigt der Kunde oder die Kundin die Thrombosespritze vor einem längeren Flug? Raten Sie dazu, auch im Flugzeug in Bewegung zu bleiben – mit der Muskelpumpe oder mit kleinen Spaziergängen im Mittelgang. Auch Kompressionsstrümpfe wirken geschwollenen Beinen entgegen.

Sollte Ihr Kunde oder Ihre Kundin nach Ihrer Beratung immer noch unsicher sein, wie man sich die Heparin- bzw. Thrombosespritze richtig setzt, empfehlen Sie doch die Videoanleitungen der Hersteller. Diese finden sich im Netz und kann noch einmal vor Augen führen, was man genau zu tun hat. So verliert Ihr Kunde oder Ihre Kundin vielleicht die Angst.

Quellen:
dpa
https://patienten.thromboseportal.eu/service/injektionsanleitung
https://www.pfizerpro.ch/sites/default/files/allemand.pdf 

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