Ein Mann klebt sich ein transparentes Folienpflaster auf den Oberarm.© Igor Alecsander/iStock/Getty Images Plus
Von Nicotin über Östrogen bis Fentanyl: Die Beratung zu Wirkstoffpflastern hilft, Anwendungsfehler zu vermeiden.

Schmerzmittel & Co.

7 TIPPS FÜR DIE BERATUNG ZU WIRKSTOFFPFLASTERN

Wirkstoffpflaster geben ihren Arzneistoff in definierter Menge über einen definierten Zeitraum an den Körper ab. Damit die Dosierung genau eingehalten wird, ist die richtige Anwendung entscheidend. Tipps für Ihre Beratungsgespräche.

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Bei Wirkstoffpflastern, also transdermalen therapeutischen Systemen (TTS) denken viele vor allem an Fentanyl-Schmerzpflaster. Doch auch Hormonpflaster oder Nikotinpflaster – und mit letzteren sogar verschreibungsfreie Produkte – gehören dazu. Die Wirkstärke ist in der Regel in Masse pro Zeit angegeben.

Und damit sind wir beim wichtigsten Beratungspunkt rund um Wirkstoffpflaster: Ihre Kund*innen müssen sie richtig handhaben und aufkleben, damit sie auch wirklich die vorgesehene Wirkstoffmenge abgeben. Die Apothekerkammer Niedersachsen gibt sieben Tipps, vom Öffnen der Packung bis zum Entsorgen des Wirkstoffpflasters.

Tipp 1: Weg mit der Schere!

Wer die Packung aufschneidet und nicht entlang der Perforation aufreißt, kann das Pflaster beschädigen. Das könnte den Freisetzungsmechanismus zerstören, sodass zu viel oder zu wenig Arzneistoff abgegeben wird. Ihre Kund*innen sollten jedes Pflaster kurz kontrollieren; sie dürfen nur intakte Wirkstoffpflaster aufkleben.

Ebenso wenig darf ein Wirkstoffpflaster eigenmächtig zerschnitten werden, um die Dosierung zu reduzieren. Es könnte zum Dose-Dumping kommen, also zur unkontrollierten Wirkstofffreigabe. In Einzelfällen und nach ärztlicher Rücksprache sind Matrixpflaster vor dem Aufkleben teilbar, Membranpflaster hingegen niemals.

Tipp 2: Wirkstoffpflaster auf die passende Stelle aufkleben

Die richtige Hautstelle, auf die Ihre Kund*innen das Wirkstoffpflaster kleben, will sorgfältig gewählt werden. Das heißt, die Haut sollte nicht zu viel Körperfett oder Schweiß tragen und darf auch nicht eingecremt sein. Stattdessen sollte die Stelle trocken, sauber und möglichst haarfrei sein. Wenn nötig, können die Anwender*innen die Hautstelle vor dem Aufkleben des Wirkstoffpflasters mit Wasser waschen und sanft trocken tupfen.

Gleichzeitig sind Körperstellen mit Ekzemen, Tattoos oder Narben für Wirkstoffpflaster ungeeignet.

Auf diesen Stellen ist nicht gewährleistet, dass der Wirkstoff die Haut wie vorgesehen durchdringt, also in der vorgesehenen Menge und Geschwindigkeit.

Tipp 3: Wirkstoffpflaster richtig aufkleben

Gute Stellen für ein Wirkstoffpflaster sind je nach Präparat der Rücken, Oberkörper, ein Oberarm oder die Hüfte. So geht es richtig:

  1. Erst die Schutzfolie abziehen.
  2. Dann das Pflaster bis zu 30 Sekunden fest auf den Körper drücken, ohne die Klebefläche zu berühren.
  3.  Danach die Hände gründlich waschen.

Tipp 4: Immer nur ein Wirkstoffpflaster

Auf keinen Fall sollte man mehrere arzneimittelhaltige Pflaster gleichzeitig auf den Körper aufkleben. Sonst können die Wirkstoffmengen im Körper unkontrolliert ansteigen. Das kann auch versehentlich passieren – zum Beispiel bei vergesslichen Anwender*innen.

Oder wenn ein Pflaster sich gelöst hat, nun verschollen geglaubt wird, aber tatsächlich an eine andere Körperstelle gewandert ist. Deshalb ist es wichtig, das Wirkstoffpflaster zu suchen, sollte es sich einmal lösen. Nicht einfach ein neues aufkleben!

Tipp 5: Wechseldatum notieren

Gewechselt wird das Wirkstoffpflaster je nach ärztlicher Anordnung beispielsweise nach 24 Stunden, drei Tagen oder einer Woche. Auch das hilft gegen versehentliches Doppel-Aufkleben: Raten Sie Ihren Kund*innen, sich den Wechseltermin mit Datum und Uhrzeit auf der Verpackung zu notieren.

Beim Wechsel gilt: Erst das alte Pflaster entfernen und für das neue eine andere Stelle aussuchen. Damit man das meist durchsichtige Wirkstoffpflaster schnell am Körper findet, kann es helfen, den Ort zu notieren.

Tipp 6: Wärme meiden

Duschen und Baden ist mit einem Wirkstoffpflaster meist erlaubt, aber nur bei niedriger Wassertemperatur. Denn Hitze kann sich die Wirkstoffaufnahme verstärken. Sauna und Solarium sowie Sonnenbäder sind daher tabu.

Auch eine Wärmflasche oder ein Heizkissen sollten nicht direkt an die Klebestelle des Wirkstoffpflasters oder in dessen Nähe kommen. Genauso kann Fieber über 38,5 Grad die Aufnahme gefährlich steigern. 

Tipp 7: Wirkstoffpflaster korrekt entsorgen

Was passiert nach dem Wechseln mit dem alten Pflaster? Ihre Kund*innen sollten das benutzte Pflaster nach innen falten, sodass die Klebefläche aufeinanderliegt und haftet. Auf keinen Fall gehört das Wirkstoffpflaster dann in die Toilette oder den Ausguss. Denn Kläranlagen können die Arzneistoffe nicht vollständig herausfiltern.

Je nachdem, wie Arzneimittel bei Ihnen kommunal entsorgt werden, können Ihre Kund*innen das Wirkstoffpflaster in den Hausmüll geben oder der speziellen Arzneimittelentsorgung zuführen. Das richtige, fachgerechte Entsorgen können Sie in Ihrer Apotheke als Serviceleistung anbieten.

Quelle: dpa

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