Eine Krebspatientin mit Mütze sitzt auf dem Sofa und schaut in die Ferne. Eine weitere Frau sitzt hinter ihr, schaut sie an und hält ihren Arm.© KatarzynaBialasiewicz/iStock/Getty Images Plus
Eine Krebstherapie kann Betroffene und Pflegende durch Nebenwirkungen belasten – gut, wenn Sie vorab dazu beraten haben.

ĂśBELKEIT UND ERBRECHEN BEI KREBSBEHANDLUNG

Eine Krebsbehandlung belastet und verunsichert Patienten und Angehörige. In der Apotheke finden Betroffene eine erste Anlaufstelle. Hier finden PTA wertvolle Tipps zu häufigen Nebenwirkungen vieler Krebsmedikamente, heute zum Thema Übelkeit und Erbrechen.

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Übelkeit und Erbrechen zählen zu den am meisten gefürchteten Nebenwirkungen vieler Krebsmedikamente. Betroffene haben oft große Angst davor – und genau das ist ein Problem. Denn die Psyche spielt bei einer Krebsbehandlung eine immens wichtige Rolle.

Die gute Nachricht: Diese gefürchtete Nebenwirkung besitzen längst nicht alle Krebsmedikamente. Je höher die Dosis und je länger die Behandlung, desto höher auch das Risiko. Der wichtigste Tipp, den Sie in der Apotheke geben können, lautet: Nehmen Sie alle Medikamente, die Ihnen verordnet wurden, genau nach Plan ein. Auch dann, wenn Ihnen gar nicht übel ist.

Krebsbehandlung und Ăśbelkeit: Angst macht es schlimmer

Nicht jede Krebsbehandlung muss Ăśbelkeit und Erbrechen mit sich bringen. Moderne, zielgerichtete Wirkstoffe verursachen oft keine derartigen Beschwerden. Diese Information ist fĂĽr Betroffene immens wichtig, denn sie kann eine schwer zu behandelnde Form der Ăśbelkeit verhindern helfen.

Die sogenannte antizipatorische Übelkeit beruht nämlich auf der Angst davor, dass einem schlecht wird. Sie wird durch psychische Faktoren ausgelöst und reagiert nicht auf die üblichen Medikamente, sondern, wenn überhaupt, auf angstlösende Wirkstoffe wie Benzodiazepine. Vor dem Beginn einer Krebsbehandlung sollten Betroffene sich daher gründlich aufklären lassen – und vor allem klären, was sie im Falle eines Falles tun sollten.

Unterschiede bei den Krebsbehandlungen

Manche intravenösen Krebsbehandlungen, zum Beispiel mit Cisplatin, besitzen ein hohes, 90 bis 100-prozentiges emetogenes Potenzial. Mäßig, also bei 30 bis 90 Prozent, liegen Carboplatin, Oxaliplatin und Daunorubicin. Vincristin und viele Immuntherapien wirken kaum emetogen.

Oral eingenommene Krebsbehandlungen sind häufig zielgerichteter und daher nebenwirkungsärmer.

Aber auch hier gibt es Wirkstoffe, bei denen ĂĽber 30 Prozent der Behandelten mit Ăśbelkeit zu kämpfen haben: Imatinib und Cyclophosphamid zum Beispiel.

Arzneimittel gegen die Ăśbelkeit durch Krebsmedikamente

Bei hoch emetogenen Krebsbehandlungen bekommen Betroffene eine Prophylaxe. Sie besteht ĂĽblicherweise aus

  1. einem 5-HT3-Rezeptorantagonisten aus der Klasse der Setrone plus
  2. einem Neurokinin-1-Rezeptorantagonisten wie Aprepitant oder Fosaprepitant.

Beide wirken im Zentralnervensystem hemmend auf das Brechzentrum. Oft wird auch noch Dexamethason gegeben. Hier kennt man den Wirkmechanismus nicht. Manchmal kommt auch Olanzapin off-label zum Einsatz.

Wichtig: Betroffene sollten genau auf den Einnahmeplan achten! Dann ist in acht von zehn Fällen eine Prophylaxe erfolgreich.

Bei manchen Formen der Ăśbelkeit geben die Ă„rzte auch Metoclopramid oder Domperidon. Selbstmedikation ist fĂĽr zytostatikainduziertes Erbrechen nicht ratsam.

Nebenwirkungen hängen nicht allein vom Krebsmedikament ab

Generell hängen die Nebenwirkungen eines Krebsmedikamentes stark von der behandelten Person ab. Wer an ReiseĂĽbelkeit leidet oder Schwangerschaftserbrechen hatte, einen empfindlichen Magen besitzt oder starke Geruchsempfindlichkeit, neigt eher zu Nebenwirkungen der Krebsmedikamente mit Ăśbelkeit und Erbrechen.

Wie bereits erwähnt, spielt die Psyche eine äußerst wichtige Rolle. Ein Besuch beim Psychoonkologen kann sinnvoll sein, und dafür sollte sich niemand schämen.

Zähne schützen, Flüssigkeit ersetzen

Erbrechen Betroffene, helfen anschließende Mundspülungen, Zahnschäden zu verhindern. Lauwarme, leicht verdauliche Speisen und vor allem genügend Flüssigkeit sind sehr wichtig. Klappt die Flüssigkeitsaufnahme nicht, können Infusionen helfen.

Im schlimmsten Fall kann ein Abbruch der Krebsbehandlung nötig sein.

Vorsicht im Umgang im Erbrochenem

Treten Übelkeit und Erbrechen als Nebenwirkungen oraler Krebsmedikamente auf, muss auch der Umgang mit der Situation vorab geklärt sein. Das Erbrochene ist mitunter stark giftig.

  • Angehörige sollten sich mit Handschuhen und einem Mundschutz schĂĽtzen.
  • Diese sollten mitsamt den zur Reinigung benutzten EinmaltĂĽchern in einem verschlossenen Plastikbeutel entsorgt werden.
  • Ist etwas danebengegangen, muss sorgfältig nachgespĂĽlt und verschmutzte Wäsche möglichst sofort und separat gewaschen werden.
  • Die Toilette spĂĽlt man nach Erbrechen am besten zwei Mal mit geschlossenem Deckel.

Ob die Einnahme nach Erbrechen wiederholt werden muss, sollte ebenfalls vor Beginn der Krebsbehandlung mit dem Arzt besprochen werden.

Generell gilt: Am besten holen sich Betroffene vor dem Beginn einer Krebsbehandlung alle benötigten Informationen beim Arzt oder in der Apotheke. Wichtig ist auch, einen Ansprechpartner fĂĽr offene Fragen zu haben.

Quellen:
https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/supportive-therapie/
https://www.krebsinformationsdienst.de/nebenwirkungen-bei-krebs/uebelkeit-und-erbrechen

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