Tolebrutinib
MULTIPLE SKLEROSE: NEUE THERAPIE VOR DER ZULASSUNG
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Die EuropĂ€ische Arzneimittelagentur EMA empfiehlt den Wirkstoff Tolebrutinib (CemrifkiÂź) zur Zulassung. Die Substanz soll gegen sekundĂ€r progrediente Multiple Sklerose ohne SchĂŒbe zum Einsatz kommen und stellt eine völlig neue Therapie dar.
Bisher existiert gegen diese Verlaufsform kein zugelassenes Medikament. Tolebrutinib soll das Fortschreiten von Behinderungen zumindest zeitweise aufhalten. Aber Multiple Sklerose ist bekanntlich tĂŒckisch, und so gibt es auch EinschrĂ€nkungen.
Multiple Sklerose: Neue Therapie ist einzigartig
SekundĂ€r progrediente Multiple Sklerose, gegen die die neue Therapie zugelassen werden soll, entwickelt sich aus einer anderen Verlaufsform und kann bisher nur schlecht behandelt werden. Die hĂ€ufigste Form, die schubförmig remittierende Multiple Sklerose, eignet sich fĂŒr die neue Therapie dagegen nicht, hier gibt es aber zahlreiche andere Medikamente.
SekundĂ€r progrediente Multiple Sklerose entwickelt sich meist aus einer remittierenden Form, bei der die Beschwerden phasenweise zurĂŒckgehen und dann, meist stĂ€rker, wieder auftreten.
Charakteristisch fĂŒr die sekundĂ€r progrediente Variante ist eine zunehmende Verschlechterung von Symptomen wie
- Fatigue,
- kognitiver BeeintrÀchtigung,
- Bewegungsstörungen und
- Verlust der UnabhÀngigkeit.
Sie kann mit oder ohne SchĂŒbe verlaufen. Gegen sekundĂ€r progrediente Multiple Sklerose ohne SchĂŒbe richtet sich die neue Therapie. Das macht sie einzigartig, denn hier fehlen bisher Behandlungsoptionen.
So wirkt Tolebrutinib
Tolebrutinib ist ein oral verfĂŒgbarer Hemmstoff fĂŒr ein Enzym namens Bruton-Kinase. Es spielt fĂŒr die SignalĂŒbertragung der B-Zellen im Immunsystem eine wichtige Rolle. Der Wirkstoff gelangt ins ZNS und wurde speziell entworfen, um dort die chronische EntzĂŒndung zu bekĂ€mpfen.
Diese stellt eines der Hauptmerkmale fĂŒr Multiple Sklerose dar.
Aktuelles aus der Forschung:
Multiple Sklerose schrÀnkt nicht so schnell ein
Auch der neue Wirkstoff kann Multiple Sklerose nicht heilen. In der Zulassungsstudie ist Tolebrutinib aber in der Lage, das Fortschreiten von Behinderungen durch die Multiple Sklerose fĂŒr mindestens sechs Monate aufzuhalten.
Von 1131 Probanden erhielt ein Drittel Placebo, zwei Drittel einmal tĂ€glich 60 Milligramm Tolebrutinib. Alle Teilnehmenden betraf die sekundĂ€r progrediente Multiple Sklerose ohne SchĂŒbe. In der Placebogruppe verschlechterte sich der Grad der Behinderung bei 30,7 Prozent der Probanden, unter Tolebrutinib nur bei 22,6 Prozent. Das entspricht einer relativen Risikoreduktion um 31 Prozent.
Die neue Therapie gegen Multiple Sklerose wird vom Hersteller Sanofi als sehr sicher angesehen. Die hÀufigsten Nebenwirkungen waren COVID-19 und andere Infektionen der oberen Atemwege. Sehr hÀufig traten allerdings auch Erhöhungen der Leberenzyme auf.
WĂ€hrend der Behandlung mit Tolebrutinib muss die Leberfunktion Betroffener daher streng ĂŒberwacht werden.
Weitere MS-Form: Neue Therapie nicht wirksam
Eine andere Verlaufsform, primÀr progrediente Multiple Sklerose, zÀhlt nicht zu den Indikationen im Zulassungsantrag. Hintergrund ist eine Studie, in der der Wirkstoff bei dieser Form keine ausreichende Wirksamkeit zeigte.
Nur die sekundĂ€r progrediente Multiple Sklerose ohne SchĂŒbe kommt fĂŒr die neue Therapie in Frage. FĂŒr Betroffene dieser Form könnte sich mit der Zulassung also bald endlich eine Behandlungsoption auftun.
Quellen:
https://www.pharmazeutische-zeitung.de/erstes-medikament-fuer-fortgeschrittene-ms-164766/
https://www.sanofi.com/en/media-room/press-releases/2025/2025-12-15-06-05-00-3205094
Robert J. Fox, Amit Bar-Or, Anthony Traboulsee, Celia Oreja-Guevara, Gavin Giovannoni, Patrick Vermersch, Sana Syed, for the HERCULES Trial Group: âTolebrutinib in Nonrelapsing Secondary Progressive Multiple Sclerosisâ, The New England Journal of Medicine, 8. April 2025. https://www.nejm.org/doi/10.1056/NEJMoa2415988












