Rote-Hand-Brief
MENINGEOME: GESTAGENE KÖNNEN RISIKO FÜR HIRNTUMOREN ERHÖHEN
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Ganz neu ist der Verdacht nicht. Schon 2020 gab es einen Rote-Hand-Brief zu dem Gestagen Cyproteronacetat, der hohe Tagesdosen einschränkte. Hintergrund: Bestimmte Hirntumoren, sogenannte Meningeome, könnten bei Langzeitanwendung häufiger auftreten. Auch Chlormadinon und Nomogestrel sollten nach den Empfehlungen nur so kurz und niedrig dosiert wie möglich angewendet werden. 2024 folgte eine Warnung zu hohen Dosen Medroxyprogesteronacetat.
Die beiden Begriffe „Gestagen“ und „Hirntumor“ in einem Satz dürften Frauen, die die Minipille oder das Verhütungs-Stäbchen nutzen, gar nicht gern hören. Was verunsicherte Anwenderinnen jetzt wissen sollten und was überhaupt hinter den Warnungen steckt, lesen Sie hier.
Gestagene und Hirntumor – so ist die Lage wirklich
Nicht alle Gestagene stehen mit erhöhtem Risiko für Hirntumoren in Verbindung. Vielmehr handelt es sich um die Wirkstoffe Desogestrel und Etonorgestrel, für die der Pharmakovigilanz-Ausschuss PRAC der EMA neue Studien aus Frankreich ausgewertet hat.
Desogestrel wird als östrogenfreie Minipille zur hormonellen Empfängnisverhütung eingesetzt. Etonogestrel wird in Implantaten, sogenannten Verhütungs-Stäbchen, oder (in Kombination mit Ethinylestradiol) in Vaginalringen angewendet.
Er kommt zu dem Schluss, dass bei Langzeitanwendung der beiden Substanzen ein leicht erhöhtes Risiko für Meningeome bestehen könnte. Das sind meist gutartige Tumoren der weichen Hirnhäute, die in der Regel sehr langsam und nicht invasiv wachsen und sich gut behandeln lassen.
Der PRAC bewertet auch nach der Zulassung eines Medikamentes weiter Studien dazu und prüft Hinweise auf mögliche Sicherheitsbedenken. Im Fall der beiden betroffenen Gestagene scheint es einen Zusammenhang mit leicht erhöhtem Risiko für diese eine Art von Hirntumor zu geben. Auch wenn dieser meist gutartig und gut zu behandeln ist, empfiehlt die EMA Wachsamkeit.
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Mehr Hirntumore durch hormonelle Verhütung
Die Einnahme eines Gestagens über einen längeren Zeitraum bedeutet in der Studie einen zusätzlichen Hirntumor dieser Art auf 67300 Frauen. Das ist ein nur leicht erhöhtes absolutes Risiko, veranlasst die EMA aber zum Handeln.
Das Risiko, unter der Behandlung mit einem Gestagen-haltigen Mittel zur Verhütung diese Art von Hirntumor zu entwickeln, steigt mit der Therapiedauer.
Ein Jahr nach dem Absetzen liegt das Erkrankungsrisiko für Meningeome wieder auf dem Normalniveau, zeigen die Daten.
Keine Gestagene mehr bei Meningeom
Wird ein Meningeom diagnostiziert, muss die Behandlung mit dem Gestagen-haltigen Mittel zur Verhütung abgebrochen werden. Auch ein solcher Hirntumor in der Vorgeschichte, egal, ob aktuell bestehend oder früher vorhanden, wird als neue Kontraindikation in Fachinformation und Packungsbeilage aufgenommen. Wurden bereits vor der Anwendung von Desogestrel oder Etonorgestrel andere Gestagene eingenommen, kann dies das Risiko für ein Meningeom ebenfalls erhöhen.
Desogestrel und Etonorgestrel kommen zur langfristigen Verhütung zum Einsatz. Desogestrel wird oral eingenommen, während Etonorgestrel allein in Implantaten oder kombiniert mit Ethinylestradiol in Vaginalringen enthalten ist. Bei beiden Gestagenen muss als neue mögliche Nebenwirkung auf Meningeome hingewiesen werden. Die Häufigkeitsangabe setzt die EMA zunächst mit „unbekannt“ an.
Sie bittet Angehörige der Heilberufe zudem, auf mögliche Symptome eines Meningeoms zu achten. Dies können plötzliche Seh- oder Hörstörungen sein, aber auch Geruchsverlust, Krampfanfälle, Gedächtnisstörungen, zunehmende Kopfschmerzen oder Schwäche in Armen und Beinen. Hier sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
Wenn verunsicherte Anwenderinnen von Desogestrel oder Etonorgestrel mit Angst vor einem Hirntumor in die Apotheke kommen, sollten PTA Ruhe bewahren. Panik ist in keinem Fall angebracht, denn es handelt sich um eine sehr geringfügige Erhöhung des Risikos. Wer sich trotzdem Sorgen macht, sollte sich ärztlich beraten lassen. In den allermeisten Fällen besteht kein Grund, die Behandlung abzubrechen.
Quellen:
https://www.pharmazeutische-zeitung.de/meningeom-risiko-bei-desogestrel-und-etonogestrel-166730/
https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2026/08/06/rote-hand-brief-meningeomrisiko-unter-desogestrel-leicht-erhoeht












