Gehirn als Europaflagge: Ein Gehirn ist blau und hat gelbe Sterne in einem Kreis angeordnet.© Talaj/iStock/Getty Images Plus
Der zweite Antikörper gegen Alzheimer steht in der EU kurz vor der Zulassung.

Antikörper

EMA EMPFIEHLT DONANEMAB – DURCHBRUCH BEI ALZHEIMER IM FRÜHSTADIUM

Die EMA empfiehlt die Zulassung von Donanemab – ein neues Medikament gegen Alzheimer, das den Verlauf der Erkrankung verlangsamen kann. FĂŒr bestimmte Patient*innengruppen könnte diese Therapie ein wichtiger Fortschritt im FrĂŒhstadium sein.

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Die europĂ€ische Arzneimittelbehörde EMA hat den Weg fĂŒr ein weiteres Medikament gegen Alzheimer frei gemacht. Nach einer erneuten PrĂŒfung wird eine EU-Marktzulassung fĂŒr den Antikörper Donanemab zur Behandlung der Krankheit in der FrĂŒhphase empfohlen, teilte der EMA-Ausschuss fĂŒr Humanarzneimittel (CHMP) in Amsterdam mit. Nach Lecanemab wĂ€re es das zweite hierzulande zugelassene Medikament gegen Alzheimer.

Allein in Deutschland leiden schĂ€tzungsweise 1,2 Millionen Menschen an Alzheimer, allerdings kommt das neue Medikament SchĂ€tzungen zufolge nur fĂŒr etwa zehn Prozent von ihnen infrage. Das PrĂ€parat kann Alzheimer weder stoppen noch heilen – sondern nur den Verlauf der Krankheit im FrĂŒhstadium etwas verlangsamen.

Donanemab als zweite Alzheimer-Therapie in der EU

Ob und wann Donanemab in der EuropĂ€ischen Union verwendet werden darf, entscheidet nun die EU-Kommission in BrĂŒssel. In den USA, Japan, China und Großbritannien ist der Wirkstoff unter dem Produktnamen KisunlaTM bereits zugelassen.

Sollte BrĂŒssel der EMA-Empfehlung folgen, wĂ€re Donanemab der zweite in der EuropĂ€ischen Union zugelassene Antikörper-Wirkstoff zur Alzheimer-Therapie. Erst im April hatte die EU-Kommission das Ă€hnliche Medikament Lecanemab (Handelsnamen LeqembiÂź) unter strengen Auflagen zugelassen.

Wie Donanemab den Alzheimer-Verlauf beeinflusst

Beide PrĂ€parate arbeiten im Grunde Ă€hnlich: Der Antikörper richtet sich gegen Amyloid-Ablagerungen im Gehirn und soll dadurch den Verlauf von Alzheimer im frĂŒhen Stadium verlangsamen. Donanemab entfernt diese Ablagerungen sogar noch etwas deutlicher als Lecanemab, sagte der GeneralsekretĂ€r der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Neurologie (DGN), Peter Berlit. Der Antikörper könne das Fortschreiten der Alzheimer-Erkrankung um bis ein halbes Jahr verlangsamen. „Das ist natĂŒrlich fĂŒr Personen, die eine ganz frĂŒh beginnende Alzheimer-Demenz haben, ein wichtiger Zeitraum.“

„Das ist natĂŒrlich fĂŒr Personen, die eine ganz frĂŒh beginnende Alzheimer-Demenz haben, ein wichtiger Zeitraum.“

Allerdings nĂŒtzt diese Therapie lediglich zu Beginn der Alzheimer-Erkrankung: „Wir wissen, dass diese Antikörper nur in den ganz, ganz frĂŒhen Stadien der Erkrankungen helfen, wenn es nur leichte kognitive EinschrĂ€nkungen gibt“, erlĂ€utert der Experte. Sprich: Zu diesem frĂŒhen Zeitpunkt mĂŒsse bereits klar sein, dass es sich um Alzheimer handelt – und nicht etwa um eine vaskulĂ€re Demenz oder eine beginnende Parkinson-Krankheit.

Wer fĂŒr die Alzheimer-Therapie infrage kommt

Ähnlich wie Lecanemab kommt auch Donanemab nach Angaben der EMA-Expert*innen nur fĂŒr einen bestimmten Personenkreis infrage: Die Betroffenen dĂŒrfen höchstens eine Kopie des ApoE4-Gens haben, das die Informationen zum Bau des Proteins Apolipoprotein E trĂ€gt. Dieser genetische Marker kommt bei Alzheimer-Betroffenen gehĂ€uft vor, erlĂ€utert Berlit.

Studien zeigten, dass als Nebenwirkungen der Antikörper Schwellungen oder Blutungen im Gehirn entstehen können – „vor allem Menschen, die bei diesem ApoE-Gen eine oder zwei Kopien haben“, sagt Berlit. „Wenn man gar keine Kopie hat, ist das Risiko der Komplikationen bei solchen Therapien verschwindend gering.“ Mit einer Kopie des Gens sei das Risiko noch vertretbar, mit zwei Kopien jedoch nicht mehr.

EMA verschĂ€rft Kriterien fĂŒr Alzheimer-Medikament

Donanemab erhielt nach einer anfĂ€nglichen Ablehnung nun doch die Empfehlung zur Zulassung. „Bei der ersten Bewertung durch die EMA waren die Fachleute zum Schluss gekommen, dass das Risiko von diesen Ödem-Bildungen und Blutungen im Gehirn zu hoch sei“ im Vergleich zum Nutzen, ordnet Berlit ein.

Nun wurde die Zulassungsregelung verschĂ€rft – unter anderem mit dem Ausschluss doppelter ApoE4-TrĂ€ger*innen und der Nachweispflicht, dass bei einer Magnetresonanztomographie (MRT) etwa keine GefĂ€ĂŸverengungen gefunden wurden. Nach DGN-SchĂ€tzungen dĂŒrften nur rund zehn Prozent der 1,2 Millionen Betroffenen in Deutschland fĂŒr diese Alzheimer-Therapie infrage kommen.

Eine Behandlung mit dem Alzheimer-Medikament KisunlaTM sollte von Ärzt*innen durchgefĂŒhrt werden, die Erfahrung in der Diagnose und Therapie von Alzheimer haben und stets Zugang zu einer MRT haben, erlĂ€utert die EMA. Zudem sollte das Mittel unter Aufsicht eines multidisziplinĂ€ren Teams verabreicht werden. Dieses solle in der Erkennung, Überwachung und Behandlung von Anomalien im Gehirn geschult sein.

Quelle: dpa

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