Eine Jugendliche nutzt ihr Smartphone nachts unter der Bettdecke.© Halfpoint/iStock/Getty Images Plus
Bei Teenies stimmt der Biorhythmus nicht mit dem vorgegebenen Tagesablauf überein.

Sozialer Jetlag

ANGST BEI JUGENDLICHEN WIRD DURCH SCHLAFMANGEL BEGÜNSTIGT

Angststörungen bei Jugendlichen sind die am häufigsten vorkommende psychische Erkrankung in diesem Alter. Teenies, deren sozialer Jetlag besonders ausgeprägt ist, spüren auch häufiger starke Angst. Schlaf scheint hier eine wichtige Rolle zu spielen.

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Eine Übersichtsarbeit aus England hat untersucht, wie Angst bei Jugendlichen mit deren Schlafgewohnheiten zusammenhängt. Die morgendlichen Startschwierigkeiten vieler Teenies gekoppelt mit einem verschobenen Biorhythmus und dadurch späteren Schlafenszeiten führen zu sozialem Jetlag. Dabei wird fehlender Schlaf am Wochenende nachgeholt und die innere Uhr kann sich dauerhaft verstellen.

Um Angst bei Jugendlichen nicht noch durch Schlafmangel zu begünstigen, empfehlen die Forschenden gezielte Maßnahmen.

Angst bei Jugendlichen auf dem Vormarsch

Angststörungen betreffen schon heute viele Jugendliche. Je nach Altersgruppe schätzt die WHO, dass zwischen vier und fünf Prozent der Teenies darunter leiden. Das macht Angst zum bei Jugendlichen am häufigsten vorkommenden psychischen Problem. Forschende der University of Southampton in England um Hannah Ravenhall und Sarah Chellappa erstellten eine Übersichtsarbeit, die zwölf Studien mit insgesamt über 23000 Teilnehmenden umfasste. Dabei fanden sie heraus: Angst bei Jugendlichen hängt mit sozialem Jetlag zusammen.

Unter Angststörungen, nicht nur bei Jugendlichen, versteht man intensive, anhaltende Angst oder Nervosität, die sich kaum kontrollieren lässt.

Die meist späten Schlafenszeiten von Teenies stehen im Widerspruch zu ihren früh startenden Schultagen. Am Wochenende wird dann der unter der Woche fehlende Schlaf nachgeholt.

Stärkere Angstzustände traten in der Untersuchung bei den Jugendlichen auf, die einen besonders starken sozialen Jetlag aufwiesen, also eine besonders große Differenz zwischen eigenem Biorhythmus und dem Tagesablauf. Eine Art Teufelskreis entsteht, denn bei hohem Angstscore bei Jugendlichen wird wiederum mehr sozialer Jetlag vorausgesagt. Den Zusammenhang erkennen die Forschenden, es handle sich aber nicht um eine Ursache-Wirkungs-Beziehung.

Sozialer Jetlag durch Pubertät

Der soziale Jetlag bei Teenies kommt durch die hormonelle Umstellung zustande. Weil aber psychische Probleme wie Angststörungen bei Jugendlichen Nachwirkungen bis ins Erwachsenenalter haben können, sollte man sie früh erkennen und entsprechend gegensteuern.

Menschen besitzen eine innere Uhr und sind je nach Typ Morgen- oder Abendmenschen. Bei Jugendlichen verschiebt sich unabhängig vom Chronotyp der gesamte Biorhythmus um mehrere Stunden nach hinten, aber durch den frühen Schulstart können sie nicht länger schlafen.

Abends stehen die Teenies zudem unter sozialem Druck, auch durch Online-Socializing. Sozialer Jetlag durch mehr Schlaf am Wochenende entsteht. Das wiederum hängt mit Angstzuständen bei den Jugendlichen eng zusammen.

Wie sich Angststörungen durch Schlafmangel verringern ließen

Angst und schlechter Schlaf hängen nicht nur bei Jugendlichen zusammen. Bei ihnen kommt es aber durch die hormonell bedingte Störung der inneren Uhr zu besonders heftigen Kollisionen zwischen Schlafvorlieben und den von der Schule vorgegebenen Aufstehzeiten. Die Forschenden merken an, dass Angststörungen bei Jugendlichen sich durch späteren Schulbeginn und weniger sozialen Jetlag reduzieren lassen könnten.

Eltern sollten zudem auf die Bildschirmnutzung ihrer Teenies achten, denn wer vor dem Schlafengehen in sein Handy schaut, tut sich mit dem Einschlafen bekanntermaßen eher schwer.

Weil Angst bei Jugendlichen ein zunehmendes Problem ist und genug Schlaf eine Rolle zu spielen scheint, kommt der Gesellschaft eine gewisse Verantwortung zu, finden die Forschenden. Sie empfehlen, über spätere Startzeiten an weiterführenden Schulen nachzudenken.

Quellen:
https://de.euronews.com/gesundheit/2026/09/03/sozialer-jetlag-wie-unregelmassiger-schlaf-teenagern-mehr-angst-macht
Hannah Ravenhall, Alessio Bellato, Sarah Laxhmi Chellappa, Matthew Garner: „“Out of sync and overlooked” – Relationship between social jetlag and anxiety in adolescents: Systematic review and meta-analysis“, Sleep Medicine Reviews, Oktober 2026. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1087079226001176?via%253Dihub

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