Ein Arzt hält ein Notizbuch in der Hand. Über der offenen Handfläche schwebt ein illustriertes Gehirn, weitere Symbole im medizinischen Kontext sind daneben abgebildet. BU: Alzheimer-Bluttests sind erst zugelassen, wenn schon © Kalawin/iStock/Getty Images Plus
Alzheimer-Bluttests sind erst zugelassen, wenn schon erste Anzeichen bestehen. Dabei zeigen Forschende: Die Erkrankung könnten wir schon viel früher erkennen.

Biomarker

ALZHEIMER ZEIGT SICH FRÜHER IM BLUT ALS GEDACHT

Morbus Alzheimer, wohl die bekannteste Form der Demenz, beruht auf Ablagerungen fehlgefalteter Proteine im Gehirn. So weit, so bekannt. Auch dass die entsprechenden Biomarker im Blut nachweisbar sind, ist nicht neu. Jetzt hat aber eine Studie gezeigt, dass bereits in der Lebensmitte erste Anzeichen auftreten.

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Weil bei Alzheimer bisher keine Heilung möglich ist, kommt es auf eine frühzeitige Diagnose an. Nur so lassen sich die Nervenschäden, die durch Ablagerungen fehlgefalteter Beta-Amyloid- und Tau-Proteine entstehen und zu den typischen Symptomen führen, verlangsamen. Im Blut erkrankter Personen kann man die fehlerhaften Eiweiße zwar als Biomarker für Alzheimer nachweisen. Aber bisher führen Ärzte die Tests erst bei den ersten Symptomen durch.

Ein Team aus Kalifornien will das ändern und zeigt: Bereits vor dem Rentenalter finden sich bei Menschen mit positiven Biomarkern auch die ersten subtilen Anzeichen für Alzheimer.

Alzheimer früh nachweisbar

Ob man Alzheimer auch schon in mittleren Lebensjahren erkennen kann und ob dann bereits weitere Hinweise bestehen, wollte ein Team um Xiaqing Jiang von der University of California in San Francisco wissen. In den USA gibt es schon jetzt Bluttests, die als Biomarker fehlgefaltetes Beta-Amyloid- und Tau-Protein nachweisen können. Allerdings kommen diese Bluttests ihrer Zulassung gemäß erst in höherem Alter zum Einsatz und wenn erste Symptome der Alzheimer-Erkrankung bestehen.

Jiang und sein Team untersuchten 1350 gesunde Teilnehmende einer großen US-Langzeitstudie zum Thema Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die zwischen 53 und 69 Jahren alt waren. Es erfolgten Bluttests im Abstand von fünf Jahren, bei denen der Gehalt von fehlgefaltetem Beta-Amyloid- und Tau-Protein im Blutplasma ermittelt wurde, und gleichzeitig standardisierte Tests zum Nachweis der kognitiven Fähigkeiten.

Bei rund sechs Prozent der Testpersonen fanden die Forschenden auffällig erhöhte Werte und schlossen daraus: „Die Neuropathologie von Alzheimer ist demnach in der Lebensmitte selten, aber schon nachweisbar.“

Biomarker: Zusammenhang mit kognitiven Einbußen

Noch wichtiger als die erhöhten Werte der Biomarker findet das Team aber etwas anderes. So zeigen Tests, dass die molekularen Frühzeichen für Alzheimer in mittleren Lebensjahren mit subtilen geistigen Einbußen verknüpft sind. Betroffene scheinen gesund, aber in zwei Kernbereichen der kognitiven Leistung schneiden sie deutlich schwächer ab als Menschen ohne erhöhte Biomarker.

In Tests zeigen die Betroffenen keine klassischen Alzheimer-Symptome wie Vergesslichkeit. Vielmehr schwächeln die Personen mit erhöhten Blutwerten vor allem bei der Verarbeitungsgeschwindigkeit und den exekutiven Funktionen des Gehirns. Das bedeutet:

  • Sie können weniger schnell auf sich ändernde Situationen oder neue Informationen reagieren, wie etwa plötzliche Wendungen in Gesprächen oder eine umspringende Verkehrsampel.
  • Auch erste Defizite bei der Planung und Organisation von Handlungen treten auf.
  • Die Konzentrationsfähigkeit leidet ebenfalls.

Folgetests nach fünf Jahren fielen ebenfalls deutlich aus: Das verbale Gedächtnis ließ bei Personen mit positiven Biomarkern für Alzheimer zweieinhalb- bis viermal so schnell nach und die Verarbeitungsgeschwindigkeit drei- bis viermal so schnell wie bei Kontrollpersonen.

Alzheimer am besten früh erkennen

Bei Alzheimer sollte das Ziel sein, die Erkrankung früh zu erkennen. Dabei können die Biomarker helfen. Bisher kommen die Tests aber erst zum Einsatz, wenn bereits Symptome bestehen und der Untergang der Nervenzellen bereits fortgeschritten ist. Das Team um Jiang hofft, dass die Biomarker zukünftig aber auch zur Früherkennung von Alzheimer genutzt werden können. Bei Personen, die eine genetische Disposition für die Erkrankung besitzen, könnte man mit diesen Tests bereits in jüngeren Jahren Alzheimer sicher erkennen und so Zeit gewinnen, meint das Team.

Wenn man Alzheimer früh erkennen würde, so die Forschenden, könnten Betroffene gezielt beeinflussbare Risikofaktoren ändern. Das sind Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel und zu wenig geistige Anregung, aber auch Schwerhörigkeit, Depressionen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Seniorautorin Kristine Yaffe glaubt: 40 Prozent aller Fälle von Alzheimer ließen sich durch gezielte Änderung oder Behandlung dieser Faktoren hinauszögern oder verhindern.

Quelle: Bild der Wissenschaft

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