3D-Illustration: gerissene Kette vor Sonnenuntergang © Fotomek / iStock / Getty Images Plus
Fehlendes Vertrauen im Team kann sich auf Dauer negativ auf Leistung und Gesundheit auswirken.

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WENN MISSTRAUEN IM TEAM WÄCHST – WAS JETZT HILFT

Misstrauen im Job? Heimliche GesprÀche, Kontrollwahn und Neid sind oft erste Warnsignale. Eine Teamentwicklerin erklÀrt im Interview, was hilft, damit der Team-Spirit nicht komplett verloren geht.

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Die Chefin möchte plötzlich alle Budgets ganz genau kontrollieren, viel wird hinter verschlossenen TĂŒren besprochen und jeder ist darauf bedacht, zuallererst den eigenen Hals zu retten: Misstrauen im Team kann anstrengend sein – und sich auf Dauer negativ auf Leistung und Gesundheit auswirken.

Evelyn Wurster, systemische Coachin und Organisationsberaterin, erklÀrt im Interview, wie Misstrauen entsteht, wie sich wirtschaftlicher Druck auf die Zusammenarbeit im Team auswirkt und wie sich verloren gegangenes Vertrauen wiederherstellen lÀsst.

Frau Wurster, warum ist Vertrauen im Team wichtig?

Evelyn Wurster: Ganz einfach, weil fehlendes Vertrauen der ProduktivitÀtskiller Nummer Eins ist. Fehlendes Vertrauen im Team kostet Zeit, Geld und InnovationsfÀhigkeit. Fehlt das Vertrauen im Team, trauen sich Leute nicht, Entscheidungen zu treffen. Sie haben Angst, einfach mal eine Idee rauszuhauen oder unkonventionelle Dinge vorzuschlagen.

Und fehlendes Vertrauen stresst. Ich muss im Job stĂ€ndig vorsichtig sein: Was kann ich sagen, was nicht? Wie wird mir das ausgelegt? Im Dauerzustand geht das ans GemĂŒt und an die Gesundheit. Auch die sogenannte psychologische Sicherheit ist wichtig. Es gibt Studien, die besagen, dass selbst ein Team von hochkarĂ€tig ausgebildeten Leuten nicht so erfolgreich zusammenarbeitet, wenn dieses GefĂŒhl fehlt von: Ich kann hier so sein, wie ich bin und sagen, was ich denke – ohne Nachteile befĂŒrchten zu mĂŒssen.

Welche Faktoren begĂŒnstigen Misstrauen am Arbeitsplatz?

Wurster: Oft sind Ver- und Misstrauen eher ein BauchgefĂŒhl. Aber es lĂ€sst sich ganz konkret benennen, was Vertrauen fördert. Das sind GlaubwĂŒrdigkeit, VerlĂ€sslichkeit und NĂ€he. Was Vertrauen hingegen am meisten schadet, ist Selbstbezogenheit. 

GlaubwĂŒrdigkeit heißt: Habe ich Ahnung von dem, was ich sage? Hat das Hand und Fuß? Oder ist das nur Dampfplauderei? VerlĂ€sslichkeit heißt: Halte ich mich an das, was ich verspreche? Kann man sich auf mich verlassen? Und NĂ€he heißt: Wie gut kenne ich eine Person? LĂ€sst die auch mal etwas ĂŒber sich selbst raus? Kann ich einschĂ€tzen, was sie auf die Palme bringt? 

Und dann das Thema Selbstbezogenheit: Wenn jemand nur auf sich selbst und den eigenen Vorteil guckt, wenig empathisch ist oder eine verdeckte Agenda hat, fördert das Misstrauen total.

Erleben wir in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten mehr Misstrauen?

Wurster: Ja, wenn Druck da ist, liegen oft die Nerven blank. Dann wird man schnell fĂŒr einen kleinen Fehler angeblafft, der sonst gar nicht so schlimm gewesen wĂ€re. Und wenn weniger Ressourcen vorhanden sind – also weniger Geld oder weniger Zeit, neigt man dazu, mehr zu kontrollieren. Dann wird plötzlich gefragt: WofĂŒr gibst du eigentlich das Geld aus? Muss das so teuer sein? Was machst du eigentlich den ganzen Tag?

Wenn das plötzlich kommt – und vorher offensichtlich alles okay war –, fördert das Misstrauen. Dann haben Mitarbeitende das GefĂŒhl: Wie jetzt? Warum ist das jetzt nicht mehr gut genug?

Droht sogar Arbeitsplatzabbau, werden zudem schnell die Ellbogen ausgefahren. Jeder guckt auf seinen eigenen Arbeitsplatz und versucht, sich im besten Licht darzustellen, um sich selbst zu retten. Da werden Informationen oder Wissen zurĂŒckgehalten, was natĂŒrlich ebenfalls ein Klima des Misstrauens fördert.

Was hilft im Team gegen einmal entstandenes Misstrauen? 

Wurster: Wichtig ist, das Thema ĂŒberhaupt anzusprechen. Viele spĂŒren es, aber wenn es keiner anspricht, ist es wie ein Elefant im Raum. Entscheidend ist dann allerdings auch, konkretes Verhalten zu beschreiben. Nicht nur „Du vertraust mir nicht“ als pauschaler Vorwurf. Sondern wirklich: Was hat das Misstrauen genau ausgelöst?

Etwa, dass man sagt: Du hast etwas versprochen und nicht eingehalten – das wirkt auf mich unzuverlĂ€ssig. 

Voraussetzung fĂŒr eine Verbesserung ist aber, dass die andere Person in einem solchen Fall ein Interesse daran hat, Vertrauen wiederherzustellen. Vielleicht gehört sogar eine ernst gemeinte Entschuldigung dazu. Und dann geht es darum, kĂŒnftig VerlĂ€sslichkeit zu beweisen. Wenn ich sage, ich mache es anders, muss ich es auch in die Tat umsetzen.

Was können Teams tun, wenn das Misstrauen von der FĂŒhrungsebene ausgeht?

Wurster: Wenn es um die FĂŒhrungskraft selbst geht, macht das MachtgefĂŒge ein offenes GesprĂ€ch oft zur Herausforderung. Dann kann man ĂŒberlegen, ob das Team eine Art Klassensprecher wĂ€hlt, um das Thema anzusprechen. Oder man geht eine Stufe weiter und holt die Personalabteilung dazu. Auch ein externer Coach oder Berater kann helfen. 

Der Königsweg bleibt, es direkt anzusprechen. Ich habe oft erlebt, dass FĂŒhrungskrĂ€fte sich gar nicht bewusst sind, was sie mit ihrem Verhalten im Team bewirken. 

Kann man Vertrauen im Team auch vorbeugend stÀrken?

Wurster: Vertrauen kann man nicht verordnen. Es ist Arbeit – auch zwischen Kolleginnen und Kollegen. Was man aber vorbeugend tun kann: sich immer wieder Zeit nehmen, sich besser kennenzulernen. Zum Beispiel mit einer persönlichen Anekdote im Teammeeting. Was habe ich am Wochenende gemacht? Was hat mich bewegt?

Auch regelmĂ€ĂŸige Feedbackmöglichkeiten – etwa mit der FĂŒhrungskraft – helfen, Unstimmigkeiten frĂŒhzeitig aufzudecken und nicht ewig mitzuschleppen. 

Nicht zuletzt ist Kommunikation wichtig. Es kann zum Beispiel und gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten helfen, bewusst ĂŒberzukommunizieren und Intentionen mitzugeben.

Etwa: Ich weiß, es wirkt ĂŒbergriffig, wenn ich in dein Budget gucke, aber ich stehe selbst unter Druck und muss rechtfertigen, wo wir Geld ausgeben. Gleichzeitig gilt die Ermutigung an alle, die sich durch ĂŒbermĂ€ĂŸige Kontrolle auf den Schlips getreten fĂŒhlen: Bei Unsicherheiten nicht beleidigt sein, und gleich unterstellen, dass der andere das böse gemeint hat – sondern freundlich nachfragen, was der Kontext einer Entscheidung ist.

Zur Person: Evelyn Wurster ist Teamentwicklerin und Beraterin fĂŒr FĂŒhrungskrĂ€fte. Auf ihrem Blog schreibt sie ĂŒber FĂŒhrung und wie gute Zusammenarbeit im Team gelingt.

Quelle: dpa

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