Eine Balkenwaage. Davor stehen auf der einen Seite ein Wecker, auf der anderen Seite ein Sparschwein.© Max Zolotukhin/iStock/Getty Images Plus
Zeitlicher Aufwand und VergĂŒtung mĂŒssen sich bei den pharmazeutischen Dienstleistungen die Waage halten, fordert der DAV.

Kassen-Klinsch

PDL: PREISVERHANDLUNGEN LAUFEN

Nicht jede*r ist von den pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) begeistert: Teile der Ärzteschaft rĂŒmpfen die Nase und Krankenkassen wollen nicht zahlen. So ist es kein Wunder, dass der Deutsche Apothekerverband (DAV) und die Kassen sich ĂŒber die kĂŒnftige VergĂŒtung von pDL streiten.

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Nun hat der DAV die Preise fĂŒr pDL zum 31. MĂ€rz gekĂŒndigt. Eine Maßnahme, die die zĂ€hen Verhandlungen mit dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen vorantreiben soll. Doch noch halten die aktuellen Verhandlungen darĂŒber an, wie Apotheken kĂŒnftig pDL abrechnen dĂŒrfen – Vertreter der Branche rechnen erst mit einer Einigung durch eine Schiedsstelle.

Es wĂ€re nicht das erste Mal: Obwohl bereits mit dem Apotheken-StĂ€rkungsgesetz (VOASG) im Oktober 2020 der Grundstein fĂŒr die pDL gelegt wurde, konnten Apotheken erst durch einen Schiedsspruch im Juni 2022 damit beginnen, pDL abzurechnen. Bis dahin stritten sich DAV und GKV – ums Geld.

pDL in Deutschland: Wie ist der aktuelle Stand?

Derzeit werden pDL noch nicht in dem Ausmaß von Kund*innen in Anspruch genommen wie erhofft. Laut Zahlen des Nacht- und Notdienstfonds rechneten im letzten Quartal 2025 mehr als die HĂ€lfte der Apotheken pDL ab; in einem Umfang von 11,3 Millionen Euro.

Zur Erinnerung: Aktuell setzt sich die VergĂŒtung von pDL aus den Mitteln des Nacht- und Notdienstfonds des DAV zusammen. Dieser ergibt sich durch den Notdienstzuschlag von 20 Cent pro abgegebener Rx-Packung.

Dadurch stehen allen Apotheken gemeinsam etwa 150 Millionen Euro zur VerfĂŒgung, um pDL abzurechnen. Jede Apotheke hat eine Garantiezusage von 1000 Euro pro Quartal – aus Mitteln der GKV.

pDL: Apotheken und VergĂŒtung – wo liegt das Problem?

Da die Nachfrage nach pDL deutlich hinter den Erwartungen zurĂŒckbleibt, hat sich mittlerweile ein erhebliches Finanzpolster im Nacht- und Notdienstfonds gebildet: Mehr als 550 Millionen Euro warten darauf, als VergĂŒtung fĂŒr pDL herzuhalten. Rumliegendes Geld können Behörden nur schwer ertragen. Der Verband der Ersatzkassen forderte daher unlĂ€ngst eine Änderung bei der Finanzierung der pDL.
Sprich: Weniger oder jemand anderes soll zahlen.

Gleichzeitig fordern Apotheken, dass sich pDL abrechnen mehr lohnen mĂŒsse – eine angepasste VergĂŒtung fĂŒr pDL soll her. Denn die Sinnhaftigkeit dieser Dienstleistungen, die gerade im lĂ€ndlichen Raum einen Beitrag zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung leiste und Ă€rztliche Praxen entlaste, steht außer Frage. Das betonte auch Brandenburgs Gesundheitsministerin Britta MĂŒller bereits letzten Sommer gegenĂŒber der Pharmazeutischen Zeitung (PZ). Es bestehe aber so die Gefahr der Unterfinanzierung.

Aktuelle Regelung
Geplant ist, das Finanzpolster abzuschmelzen, indem die 20 Cent pro Rx-Packung zur Finanzierung der Notdienste umgeleitet wird. Die pDL-VergĂŒtung soll vorerst weiterhin aus dem Topf kommen. KĂŒnftig soll es jedoch möglich sein, pDL direkt abzurechnen mit den Krankenkassen.

In welcher Höhe die pDL-VergĂŒtung im Einzelnen ausfallen soll, wird aktuell erstritten. Doch auch wenn der DAV nun die Preise fĂŒr pDL gekĂŒndigt hat, besitzen sie bis zu einer Einigung oder einem Schiedsspruch GĂŒltigkeit.

pDL abrechnen: VergĂŒtung muss stimmen

Bereits vergangenen Sommer hatte der DAV die gesetzlichen Krankenkassen um Neuverhandlungen gebeten. Auch wenn die Nachfrage aktuell noch hinter den Erwartungen liegt, sollten Dienstleistungen aufwandsgerecht vergĂŒtet werden.

Der Finanzierungsstrom muss passen: pDL abrechnen und anbieten muss sich lohnen.

Das können Sie derzeit fĂŒr pDL abrechnen:

pDL VergĂŒtung in Euro
Standardisierte Risikoerfassung hoher Blutdruck Einzelpreis netto: 11,20
Erweiterte Einweisung in die korrekte Arzneimittelanwendung und Üben der Inhalationstechnik Einzelpreis netto: 20,00
Erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation Einzelpreis netto: 90,00
Pharmazeutische Betreuung von Organtransplantierten Einzelpreis netto: 90,00; Follow-up: 17,55
Pharmazeutische Betreuung bei oraler Antitumortherapie Einzelpreis netto: 90,00; Follow-up: 17,55

Hoher Aufwand

pDL sollen sich also lohnen, vor allem im Hinblick auf die zeitliche Komponente. So können Vorbereitung und DurchfĂŒhrung individuell lĂ€nger dauern, sodass diese pDL-VergĂŒtung im Einzelfall nicht deckend ausfallen kann. Dies gilt vor allem bei der Medikationsanalyse. Hier nehmen eher selten Kund*innen die pDL in Anspruch, die lediglich zwei, drei Medikamente einnehmen.
Die PZ befragte zwei Apothekerinnen aus Hamburg, Dorothee Michel und ihre Kollegin Dorothee Dartsch. Die beiden dokumentierten bei insgesamt 120 FĂ€llen ihre gesamte Beratungszeit.

Das Ergebnis: Bei der Medikationsanalyse nahmen die Kund*innen im Durchschnitt 9,4 PrĂ€parate ein – 11,4 inklusive PrĂ€paraten der Selbstmedikation. Das ist besonders relevant, da gerade OTC-Produkte hĂ€ufig bei der Ă€rztlichen Kontrolle untergehen, vergessen oder verschwiegen werden.

Das Hamburger Apothekenteam benötigte im Mittel 96,3 Minuten fĂŒr eine Analyse. Und der damalige Schiedsspruch? Der geht von 80 Minuten aus.

Gelder sinnvoll verteilen statt kĂŒrzen

Keine Frage, Finanzpolster im Gesundheitswesen mĂŒssen nicht sein. Aber sie sollten auch sinnvoll abgeschmolzen werden. Eine KĂŒrzung bei jeglichen Maßnahmen kann nicht das Ziel sein.

Quellen:
https://www.pharmazeutische-zeitung.de/dav-kuendigt-pdl-preise-162878/
https://www.pharmazeutische-zeitung.de/laender-fordern-bessere-verguetung-von-pdl-156686/
https://www.vdek.com/presse/pressemitteilungen/2024/pharmazeutische-dienstleistungen-pdl-finanzierung.html

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