Kassen-Klinsch
PDL: PREISVERHANDLUNGEN LAUFEN
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Nun hat der DAV die Preise für pDL zum 31. März gekündigt. Eine Maßnahme, die die zähen Verhandlungen mit dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen vorantreiben soll. Doch noch halten die aktuellen Verhandlungen darüber an, wie Apotheken künftig pDL abrechnen dürfen – Vertreter der Branche rechnen erst mit einer Einigung durch eine Schiedsstelle.
Es wäre nicht das erste Mal: Obwohl bereits mit dem Apotheken-Stärkungsgesetz (VOASG) im Oktober 2020 der Grundstein für die pDL gelegt wurde, konnten Apotheken erst durch einen Schiedsspruch im Juni 2022 damit beginnen, pDL abzurechnen. Bis dahin stritten sich DAV und GKV – ums Geld.
pDL in Deutschland: Wie ist der aktuelle Stand?
Derzeit werden pDL noch nicht in dem Ausmaß von Kund*innen in Anspruch genommen wie erhofft. Laut Zahlen des Nacht- und Notdienstfonds rechneten im letzten Quartal 2025 mehr als die Hälfte der Apotheken pDL ab; in einem Umfang von 11,3 Millionen Euro.
Zur Erinnerung: Aktuell setzt sich die VergĂĽtung von pDL aus den Mitteln des Nacht- und Notdienstfonds des DAV zusammen. Dieser ergibt sich durch den Notdienstzuschlag von 20 Cent pro abgegebener Rx-Packung.
Dadurch stehen allen Apotheken gemeinsam etwa 150 Millionen Euro zur Verfügung, um pDL abzurechnen. Jede Apotheke hat eine Garantiezusage von 1000 Euro pro Quartal – aus Mitteln der GKV.
pDL: Apotheken und Vergütung – wo liegt das Problem?
Da die Nachfrage nach pDL deutlich hinter den Erwartungen zurückbleibt, hat sich mittlerweile ein erhebliches Finanzpolster im Nacht- und Notdienstfonds gebildet: Mehr als 550 Millionen Euro warten darauf, als Vergütung für pDL herzuhalten. Rumliegendes Geld können Behörden nur schwer ertragen. Der Verband der Ersatzkassen forderte daher unlängst eine Änderung bei der Finanzierung der pDL.
Sprich: Weniger oder jemand anderes soll zahlen.
Gleichzeitig fordern Apotheken, dass sich pDL abrechnen mehr lohnen müsse – eine angepasste Vergütung für pDL soll her. Denn die Sinnhaftigkeit dieser Dienstleistungen, die gerade im ländlichen Raum einen Beitrag zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung leiste und ärztliche Praxen entlaste, steht außer Frage. Das betonte auch Brandenburgs Gesundheitsministerin Britta Müller bereits letzten Sommer gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung (PZ). Es bestehe aber so die Gefahr der Unterfinanzierung.
Aktuelle Regelung
Geplant ist, das Finanzpolster abzuschmelzen, indem die 20 Cent pro Rx-Packung zur Finanzierung der Notdienste umgeleitet wird. Die pDL-Vergütung soll vorerst weiterhin aus dem Topf kommen. Künftig soll es jedoch möglich sein, pDL direkt abzurechnen mit den Krankenkassen.
In welcher Höhe die pDL-Vergütung im Einzelnen ausfallen soll, wird aktuell erstritten. Doch auch wenn der DAV nun die Preise für pDL gekündigt hat, besitzen sie bis zu einer Einigung oder einem Schiedsspruch Gültigkeit.
pDL abrechnen: VergĂĽtung muss stimmen
Bereits vergangenen Sommer hatte der DAV die gesetzlichen Krankenkassen um Neuverhandlungen gebeten. Auch wenn die Nachfrage aktuell noch hinter den Erwartungen liegt, sollten Dienstleistungen aufwandsgerecht vergĂĽtet werden.
Der Finanzierungsstrom muss passen: pDL abrechnen und anbieten muss sich lohnen.
Das können Sie derzeit für pDL abrechnen:
| pDL | VergĂĽtung in Euro |
|---|---|
| Standardisierte Risikoerfassung hoher Blutdruck | Einzelpreis netto: 11,20 |
| Erweiterte Einweisung in die korrekte Arzneimittelanwendung und Ăśben der Inhalationstechnik | Einzelpreis netto: 20,00 |
| Erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation | Einzelpreis netto: 90,00 |
| Pharmazeutische Betreuung von Organtransplantierten | Einzelpreis netto: 90,00; Follow-up: 17,55 |
| Pharmazeutische Betreuung bei oraler Antitumortherapie | Einzelpreis netto: 90,00; Follow-up: 17,55 |
Hoher Aufwand
pDL sollen sich also lohnen, vor allem im Hinblick auf die zeitliche Komponente. So können Vorbereitung und Durchführung individuell länger dauern, sodass diese pDL-Vergütung im Einzelfall nicht deckend ausfallen kann. Dies gilt vor allem bei der Medikationsanalyse. Hier nehmen eher selten Kund*innen die pDL in Anspruch, die lediglich zwei, drei Medikamente einnehmen.
Die PZ befragte zwei Apothekerinnen aus Hamburg, Dorothee Michel und ihre Kollegin Dorothee Dartsch. Die beiden dokumentierten bei insgesamt 120 Fällen ihre gesamte Beratungszeit.
Das Ergebnis: Bei der Medikationsanalyse nahmen die Kund*innen im Durchschnitt 9,4 Präparate ein – 11,4 inklusive Präparaten der Selbstmedikation. Das ist besonders relevant, da gerade OTC-Produkte häufig bei der ärztlichen Kontrolle untergehen, vergessen oder verschwiegen werden.
Das Hamburger Apothekenteam benötigte im Mittel 96,3 Minuten für eine Analyse. Und der damalige Schiedsspruch? Der geht von 80 Minuten aus.
Gelder sinnvoll verteilen statt kĂĽrzen
Keine Frage, Finanzpolster im Gesundheitswesen mĂĽssen nicht sein. Aber sie sollten auch sinnvoll abgeschmolzen werden. Eine KĂĽrzung bei jeglichen MaĂźnahmen kann nicht das Ziel sein.
Quellen:
https://www.pharmazeutische-zeitung.de/dav-kuendigt-pdl-preise-162878/
https://www.pharmazeutische-zeitung.de/laender-fordern-bessere-verguetung-von-pdl-156686/
https://www.vdek.com/presse/pressemitteilungen/2024/pharmazeutische-dienstleistungen-pdl-finanzierung.html












