Bakteriophagen-Virus greift ein Bakterium an© iLexx / iStock / Getty Images Plus
Es gibt einen neuen Ansatz bei der Behandlung von Morbus Crohn. Was Phagen damit zu tun haben.

Gezielte Hilfe

NEUER THERAPIE-ANSATZ: PHAGEN GEGEN MORBUS CROHN

Eine mögliche neue Therapie gegen Morbus Crohn könnte die Erkrankung gleich an mehreren Wurzeln packen. Das hoffen zumindest Forschende aus Kanada und setzen dabei auf mikroskopisch kleine Helfer: Phagen, die gezielt schädliche Bakterien bekämpfen.

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Bakteriophagen, wie sie vollständig heißen, sind Viren, die sich gegen Bakterien richten. Sie funktionieren nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip, also sehr zielgenau gegen einzelne Bakterienstämme. Genau diese Eigenschaft nutzt ein neuer Therapieansatz gegen Morbus Crohn. Bei der Erkrankung spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, wie etwa genetische Einflüsse, eine fehlgeleitete Immunantwort und auch ein gestörtes Darm-Mikrobiom. Weil sich die letzten beiden Probleme gegenseitig verstärken, sucht die Forschung nach umfassenden Lösungen.

Vor allem schädliche Escherichia coli-Bakterien lassen sich durch Phagen unschädlich machen. Das verbessert die Wirksamkeit einer Standardbehandlung bei Morbus Crohn. Die Forschung muss aber noch Hürden überwinden.

Neue Therapie beeinflusst zentrales Problem bei Morbus Crohn

Eine mögliche neue Therapie bei Morbus Crohn mit den Phagen könnte gleich mehrere Probleme lösen. Aber beginnen wir am Anfang. Forschende um Kyle Jackson von der McMaster University in Kanada untersuchte einen Phagen namens ER259. Dieser Virus richtet sich gegen schädlichen Stamm von Escherichia coli, der sich bei Morbus Crohn im Darm Betroffener findet. Der Phage tötet das Bakterium aber nicht, sondern tut etwas viel Besseres.

HER259 deaktiviert in den Bakterien ein Gen, welches ihnen die Haftung auf der Schleimhaut und das Eindringen in die Zellen ermöglicht. Die Bakterien verlieren dadurch ihre entzündungsfördernden Eigenschaften, überleben aber. So entsteht keine Lücke im Darm-Mikrobiom, wie das bei Antibiotikabehandlungen der Fall wäre. Hier droht stets die Gefahr einer Fehlbesiedlung, die das Gleichgewicht weiter stört. Die neue Therapie hilft im Mausmodell, die bei Morbus Crohn bestehende chronische Entzündung zu reduzieren und lindert die Symptome.

Mehr noch: die neue Therapie verbesserte die Wirkung von Budesonid, einem Standardwirkstoff gegen Morbus Crohn. Bei Betroffenen könnten die notwendigen Dosen also gegebenenfalls reduziert und so mögliche unerwünschte Effekte vermindert werden. Allerdings bestehen die positiven Wirkungen bei den Mäusen nur während der Behandlung. Nach dem Absetzen der Phagen reaktivieren sich die stillgelegten Genabschnitte in den Bakterien wieder.

Punktgenaue Behandlung von Morbus Crohn

Die Behandlung von Menschen, die an Morbus Crohn leiden, besteht meist aus mehreren Komponenten. Oft kommen Glucocorticoide wie Budesonid vor, aber auch Immunsuppressiva. Vielfach leiden Betroffene stark und können sich nur symptombezogen mit Krampflösern, Schmerzmitteln oder darmwirksamen Wirkstoffen helfen.

Durch die neue Therapie mit Phagen könnte sich ein Schlüsselproblem lösen lassen, das nicht nur bei Morbus Crohn besteht. Auch zahlreiche weitere chronische Darmerkrankungen gehen mit einem gestörten Darm-Mikrobiom einher. Der Einsatz der Phagen ermöglicht hier präzise Eingriffe, ohne nützliche Bakterien zu schädigen. Bis die Behandlung bei Menschen mit Morbus Crohn zum Einsatz kommt, kann es aber noch dauern. Bisher liegen nur Ergebnisse für Versuche an Mäusen vor und klinische Studien stehen aus.

Das Team plant für die Zukunft weitere Studien zu anderen schädlichen Darmkeimen und den gegen sie gerichteten Phagen. Wer die entsprechenden Keime in sich trägt, lässt sich leicht per Stuhlanalyse ermitteln. Die neue Therapie mit Phagen soll aber nicht nur bei Morbus Crohn das Ansprechen auf Standardbehandlungen verbessern. Die Forschenden sehen in Zukunft personalisierte Medizin, bei der die Behandlung genau auf die individuellen Besonderheiten der Betroffenen zugeschnitten wird.

Quelle: https://wissenschaft.de/artikel/phagen-koennten-morbus-crohn-symptome-lindern

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