Neurodiversität
TOURETTE-SYNDROM: SELTENE UND AUSSERGEWÖHNLICHE SYMPTOME
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Das Tourette-Syndrom ist eine neuropsychiatrische Störung, bei der das Gehirn der Betroffenen anders funktioniert als bei neurotypischen Menschen. Die sogenannten Tics werden durch eine gestörte Signalübertragung bestimmter Neurotransmitter im Gehirn ausgelöst. Die Symptome sind vielseitig und können die betroffenen Kinder und Erwachsenen in ihrer Lebensqualität stark einschränken. Ist das der Fall, nimmt die Störung einen Krankheitscharakter an.
Etwa ein Prozent der Weltbevölkerung ist vom Tourette-Syndrom betroffen. Die ersten Symptome treten bereits bei Kindern auf und bleiben oft unbemerkt. Typisch ist der schwankende Verlauf der Tics, manchmal verschwinden sie sogar ganz, doch meistens persistieren sie bis ins Erwachsenenalter. Das Tourette-Syndrom ist gekennzeichnet durch außergewöhnliche Symptome. Ein Überblick über das Krankheitsbild.
Welche Ursachen gibt es?
Die Ursachen des Tourette-Syndroms sind nicht abschließend geklärt. Es wird eine Dysregulation des Dopamin- und Serotoninstoffwechsels diskutiert. Auch die Genetik kann eine Rolle spielen. Es werden verschiedene Gene in Betracht gezogen, die an der Entstehung des Störungsbildes und der Symptome beteiligt sein könnten.
Tourette-Syndrom-Symptome im Verlauf – Kinder und Erwachsene
Die ersten Symptome treten bei Kindern im Alter von etwa sechs bis acht Jahren auf. Dabei treten die Tics schleichend auf, zuerst die motorischen, zwei bis drei Jahre Später die vokalen Tics. Zwischen dem zehnten und zwölften Lebensjahr sind sie am stärksten ausgeprägt.
Typisch für das Tourette-Syndrom ist die schwankende Intensität der Symptome in ihrem Verlauf.
Das Tourette-Syndrom und seine außergewöhnlichen Symptome
Die Symptome des Tourette-Syndroms werden als Tics bezeichnet. Das sind schnelle, sich wiederholende Bewegungen oder Laute. Meistens treten sie wie aus dem Nichts auf und können von denbetroffenen Kindern und Erwachsenen als unangenehm empfunden werden.
Auch wenn die Symptome plötzlich und unwillkürlich auftreten, gibt es eine Art Vorgefühl. Menschen mit Tourette-Syndrom spüren dabei kurz vorher, wenn bestimmte Tics eintreten werden. Manchmal ist es sogar möglich, die Symptome des Tourette-Syndroms zu unterdrücken. Allerdings kann es dann sein, dass die unterdrückten Tics sich später umso heftiger entladen.
Typische Symptome für das Tourette-Syndrom: die Tics
- Es liegen sowohl motorische als auch vokale Tics vor.
- Sie können einfach oder komplex ausgeprägt sein.
- Die Tics treten einzeln oder in Serie auf und
- sind vorrübergehend oder chronisch.
- Die Symptome müssen nicht automatisch als beeinträchtigend empfunden werden.
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Motorische und vokale Tics beim Tourette-Syndrom
Diese Symptome sind charakteristisch für das Syndrom. Es liegen immer sowohl motorische als auch vokale Tics bei den betroffenen Kindern und Erwachsenen vor.
Motorische Tics haben immer etwas mit einer Bewegung zu tun. Meistens betreffen sie Muskelgruppen im Kopfbereich, zum Beispiel die Augen oder das ganze Gesicht. Je nachdem wie viele Muskelgruppen beteiligt sind, unterscheidet man in einfache und komplexe Tics.
Vokale Tics sind Geräusche oder Lautproduktionen. Beispiele hierfür sind Schniefen, Räuspern, Schnalzen oder Husten. Schreie und Ausrufe ganzer Wörter oder Sätze kommen eher selten vor.
Da die Symptome bei Kindern zunächst eher schwach ausgeprägt sind und dadurch nicht als krankhaft interpretiert werden, können sie vor allem bei Kindern leicht übersehen werden.
Besonderheit Koprolalie
Obwohl das Tourette-Syndrom durch eine Vielzahl an Tics gekennzeichnet ist, ist in der Öffentlichkeit vor allem die Koprolalie bekannt. Dabei tritt sie eher bei schweren Verläufen, also bei etwa 20 bis 30 Prozent der Betroffenen auf.
Sie ist eine Sonderform der Symptome, bei der kurze und meist obszöne Schimpfworte ausgerufen werden.
Diagnose
Für die Diagnostik des Tourette-Syndroms findet eine ausführliche Anamnese statt, eine Bewertung der Symptome sowie eine intensive neurologische und psychologische Untersuchung.
Allein die Diagnose ist für die betroffenen Kinder, Erwachsene und Angehörige wichtig, weil die Symptome plötzlich einen Namen haben und eine geeignete Therapie möglich wird.
Diagnosekriterien für das Tourette-Syndrom
- Die Symptome treten erstmalig im Kindesalter auf.
- Sie müssen mindestens ein Jahr lang bestehen.
- Die Tics schwanken im Verlauf der Erkrankung (in ihrer Anzahl, Frequenz, Intensität und Komplexität).
- Es liegen mindestens zwei motorische und mindestens ein vokaler Tic vor.
Therapie des Tourette-Syndroms
Die Abklärung der Symptome ist für die betroffenen Kinder und deren Familien der erste Schritt in Richtung Therapie. Wenn die Tics dem Tourette-Syndrom zugeordnet werden können, kann eine Diagnose gestellt und somit eine passende Therapie in Betracht gezogen werden.
Wichtig: Mit der Diagnose ist das Tourette-Syndrom nicht automatisch behandlungsbedürftig. Eine Therapie wird erst notwendig, wenn die Symptome die betroffenen Kinder und Erwachsenen in ihrer Lebensqualität stark einschränken.
Mithilfe der Therapie soll einerseits gelernt werden, gesund mit dem Tourette-Syndrom umzugehen und andererseits können (insbesondere starke) Symptome medikamentös behandelt werden. Psychotherapeutische Maßnahmen können außerdem bei psychischen Begleiterkrankungen wie ADHS (vor allem bei Kindern), Depressionen oder Angststörungen unterstützen.
Die Tics sind nicht heilbar. Das heißt, sie werden nie gänzlich verschwinden, weil ihre Ursache sich nicht behandeln lässt.
Psychoedukation im Rahmen der Therapie
Das Tourette-Syndrom ist eine seltene Störung, deren Symptome schon bei Kindern auftreten. Um die Tics richtig einzuordnen und Ausgrenzung der betroffenen Kinder zu vermeiden, kommt der Psychoedukation eine besondere Bedeutung zu.
Dabei wird wissenschaftlich fundiertes Wissen rund um das Tourette-Syndrom und dessen Symptome an Bezugspersonen (zum Beispiel Eltern und Lehrkräfte) der betroffenen Kinder vermittelt.
Auch soziale Angelegenheiten, zum Beispiel ein möglicher Nachteilsausgleich oder das Stellen von Anträgen, können im Rahmen der Psychoedukation besprochen werden.
Medikamentöse Therapie der Tics
Das Tourette-Syndrom kann bei schweren Verläufen der Tics medikamentös behandelt werden. Dazu kommen hauptsächlich Neuroleptika zum Einsatz – aufgrund des hohen Nebenwirkungspotenzials unter sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung.
Verhaltenstherapie beim Tourette-Syndrom: Umgang mit Symptomen
Mithilfe der Verhaltenstherapie sollen ungünstige Reaktionsmuster entdeckt und durch gesündere ersetzt werden. Neu erlerntes Verhalten soll Menschen mit Tourette-Syndrom helfen, das Auftreten von Symptomen wie Tics zu verringern beziehungsweise zu akzeptieren.
Außerdem können die Betroffenen – sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen – lernen, dass den Vorgefühlen nicht immer Tics folgen müssen.
Neurodivers oder krank?
Auch wenn das Tourette-Syndrom dem Neurodiversitätsspektrum zugeordnet werden kann, besitzt es auch einen Krankheitscharakter.
Nämlich dann, wenn die Symptome aufgrund ihrer Seltenheit und Andersartigkeit die Lebensqualität der betroffenen Kinder und Erwachsenen erheblich einschränken.
Quellen:
https://www.mhh.de/kliniken-und-spezialzentren/klinik-fuer-psychiatrie-sozialpsychiatrie-und-psychotherapie/ambulante-behandlungsangebote/tic-stoerung/was-ist-das-tourette-syndrom-1
https://www.aerzteblatt.de/fachgebiete/neurologie/tourette-syndrom-und-andere-tic-stoerungen-in-kindheit-jugend-und-erwachsenenalter-38b7c5f0-b4a9-4502-81c4-ee0e72207dff












