Frau hält Händy mit Brustkrebs-Schleife auf Display hoch© wichayada suwanachun / iStock / Getty Images Plus
Per Brustkrebs-App melden Betroffene ihre Symptome direkt an das Behandlungsteam – Rückruf innerhalb von 48 Stunden.

Charité-Studie

BRUSTKREBS-APP IDA CARE: MONITORING PER HANDY

Eine Brustkrebs-App kann die Lebensqualität von Frauen mit Metastasen deutlich verbessern. Das zeigt eine Studie der Charité und der Deutschen Krebsgesellschaft. Wie das digitale Monitoring funktioniert, warum Betroffene weniger Fatigue berichten – und wann die App in die Versorgung geht.

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Rund 68000 Frauen in Deutschland leben nach Angaben der Charité mit Brustkrebs, der Metastasen gebildet hat. In diesem Stadium ist der Krebs nicht mehr heilbar. Durch moderne Therapien lässt die Erkrankung sich den Angaben zufolge aber zumindest vorübergehend kontrollieren und die Lebenserwartung um mehrere Jahre verlängern. Genau hier setzt eine Brustkrebs-App an, die Forschende der Berliner Charité und der Deutschen Krebsgesellschaft untersucht haben.

„Hatten Sie Schmerzen? Waren Sie selbst für Ihre gewohnten Tätigkeiten zu müde?“ Mit Fragen zu Symptomen, Alltag und emotionaler Verfassung kann einer Studie zufolge die Lebensqualität von Brustkrebspatientinnen gesteigert werden. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift „JAMA Oncology“ erschienen. Für Ihre Beratung in der Apotheke ist das Konzept hinter der Brustkrebs-App interessant: Kundinnen mit metastasierter Erkrankung sprechen dort häufig zuerst über Beschwerden wie Übelkeit oder Erschöpfung.

Brustkrebs-App ida care: So läuft das Monitoring

Kern des Projekts namens PRO B (Patient Reported Outcomes bei Brustkrebs) ist eine Brustkrebs-App mit dem Namen „ida care“. Im Rahmen des Projekts wurden Patientinnen mit Brustkrebs, der Metastasen gebildet hat, in der App einmal pro Woche strukturiert bis zu 52 Fragen zu ihren Symptomen, zum Alltag und zum Gemütszustand gestellt.

Ein Algorithmus wertete die Antworten aus und meldete relevante Veränderungen umgehend an das Behandlungsteam. Dieses rief die Patientin innerhalb von 48 Stunden zurück, um zu klären, ob gegebenenfalls Maßnahmen zu ergreifen waren. Die Brustkrebs-App ida care ersetzt den Kontakt zur Klinik also nicht, sondern stellt ihn schneller her.

Brustkrebs-App schließt Lücken in der Betreuung

Die App erlaube eine kontinuierliche Betreuung und Beurteilung der Symptome infolge der Erkrankung oder der Therapie, erklärte Studienleiterin Maria Karsten, Leitende Oberärztin am Brustzentrum der Charité. Das Betreuungsteam wurde über Symptome informiert, ohne dass die jeweilige Patientin selbst vor Ort war. Eine Patientin habe ihr gesagt, es sei „wie eine Ärztin in der Handtasche, die guckt, wie es mir geht“, sagte Karsten der Deutschen Presse-Agentur.

Die Abstände, zwischen denen Patientinnen während ihrer Therapie in der Klinik seien, könnten bis zu acht Wochen oder drei Monate betragen, sagte Karsten. Der medizinische Blick sei dadurch lückenhaft geworden. Diese Lücke werde durch das Konzept geschlossen – und damit durch die Brustkrebs-App im Alltag der Frauen.

Brustkrebs-App reduziert Fatigue: die Studie

Durch das Monitoring würden Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö, Atemnot oder Schmerzen eher gesehen, möglicherweise auch von den Patientinnen ernster genommen, aber auch das Behandlungsteam sensibilisiert, sich Symptome genauer anzuschauen. Es habe – auch durch umgestellte Therapien – eine signifikante Verbesserung der Symptome gegeben, sagte Karsten. „Es führt dazu, dass man im Alltag besser zurechtkommt.“ Bestärken Sie Ihre Kundinnen deshalb darin, Beschwerden nicht zu bagatellisieren, sondern konsequent zu dokumentieren – ob mit einer Brustkrebs-App oder im Gespräch.

Insgesamt wurden 909 Patientinnen im Alter von 19 bis 81 Jahren in 52 beteiligten Brustkrebszentren über ein Jahr lang begleitet. Rund die Hälfte der Frauen sei neben der medikamentösen Tumortherapie mit dem PRO-B-Konzept betreut worden. Diese Patientinnen berichteten demnach über signifikant weniger Fatigue, also physische, emotionale oder mentale Erschöpfungszustände, die den Alltag stark einschränken können.

Brustkrebs-App bald für alle Versicherten?

Studienleiterin Karsten geht davon aus, dass das Monitoring Patientinnen bald zugutekommt. „Wir planen im letzten Quartal dieses Jahres in die Versorgung zu gehen.“ Das Innovationsfonds-Projekt PRO B wurde gemeinsam mit den Krankenkassen Barmer, DAK-Gesundheit und mkk umgesetzt. Man sei mit weiteren Krankenkassen im Gespräch, sagte Karsten.

Auch der Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses sieht das App-basierte Monitoring als guten Weg, eine Verschlechterung des Allgemeinzustands schnell zu erkennen, und gleichzeitig Kosten zu sparen. Er hat empfohlen, das Behandlungskonzept für alle gesetzlich Versicherten verfügbar zu machen, wie eine Sprecherin des G-BA bestätigte. Die Brustkrebs-App ida care könnte damit vom Studienprojekt zur Regelversorgung werden.

Quelle: dpa

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