Eine Hand hält einen gerollten aber noch nicht angezündeten Joint. Auf dem Tisch steht ein Grinder, in dem sich noch Cannabiskrümel befinden.© tavan amonratanasareegul/iStock/Getty Images Plus
Bei welchen Arten von Schmerzen hilft Cannabis erwiesenermaßen? Und warum haben die wenigsten Anwender*innen kein Rezept?

Neue Daten

CANNABIS BEI RHEUMATOIDER ARTHRITIS: WER ES ANWENDET UND WEM ES HILFT

Cannabis kommt bei Betroffenen von Rheumatoider Arthritis und anderen Autoimmunerkrankungen gelegentlich zum Einsatz. Das zeigen aktuelle Daten einer Umfrage der Uniklinik Erlangen in Zusammenarbeit mit der Berliner Charité. Die Zahlen zeigen aber auch: Die wenigsten Anwendenden haben ein Rezept.

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In der Umfrage zu Cannabis unter 651 Betroffenen zeigte sich: Nicht nur bei Rheumatoider Arthritis kann es helfen. Auch sogenannte Spondyloarthritiden, also entzündliche Erkrankungen der Wirbelsäule und der Gelenke, gehen oft mit chronischen Schmerzen einher. Ebenso Kollagenosen, bei denen das Bindegewebe betroffen ist. Cannabis kann diese Schmerzen lindern.

Vor allem jüngere Männer und Betroffene von Spondyloarthritiden greifen häufiger auf Cannabis zurück. Das hat Gründe, die möglicherweise in der Schmerzstärke liegen.

Cannabis: vor allem gegen Schmerzen bei Rheumatoider Arthritis und Co.

Die Umfrage zum Gebrauch von Cannabis bei Rheumatoider Arthritis und anderen Autoimmunerkrankungen führte Filippo Fagni vom Universitätsklinikum Erlangen durch. Über 75 Prozent der Befragten litten an chronischen Schmerzen. Lediglich drei Prozent gaben an, aktiv Cannabis anzuwenden, 12,4 Prozent hatten es bereits früher probiert.
Auffällig: Bei aktiven Nutzern lag das mittlere Schmerzlevel höher als bei Nichtkonsumenten.

Befragte, die aktiv Cannabis bei Rheumatoider Arthritis und Co. nutzten, wandten auch öfter Schmerzmittel an wie Paracetamol, NSAR, Metamizol oder sogar Opioide. Außerdem zeigten sie häufiger Risikoverhalten wie Rauchen oder den Konsum illegaler Drogen.

Von den aktiven Konsument*innen berichteten 53,9 Prozent, dass sie Cannabis ausschließlich in der Freizeit anwendeten. 28,4 Prozent nutzten Cannabis nur für medizinische Zwecke, 17,6 Prozent gaben beide Zwecke an.

Erfahrung: Medizinisches Cannabis hilft gegen Schmerzen

Medizinisches Cannabis wird von Befragten hauptsächlich gegen ihre Schmerzen eingesetzt. Gegen diese zeigt es auch eine hohe Wirksamkeit. Nur 17 Prozent der Anwender*innen hatten aber jemals ein Rezept für Cannabis bei Rheumatoider Arthritis oder anderen Erkrankungen erhalten. Und: Rund 97 Prozent der Konsument*innen lehnten ärztliche Beratung zu dem Thema ab.

Insgesamt zeigten sich die Teilnehmenden aber dem Thema medizinisches Cannabis gegen Schmerzen aufgeschlossen gegenüber: 62 Prozent befürworteten den Einsatz. Von den 127 befragten Ärzt*innen sahen das 54 Prozent genauso.

Das haben Studien gezeigt

Von den Befragten litten viele an chronischen Schmerzen, und Konsumenten von Cannabis bei Rheumatoider Arthritis und Co. half die Anwendung. Forschungsergebnisse zum Einsatz von Cannabis bei diesen Erkrankungen sind bisher aber nicht aussagekräftig genug. Es gibt jedoch Hinweise auf eine immunsuppressive und antiarthritische Wirkung von Cannabidiol (CBD).

Was sicher ist: Medizinisches Cannabis kann gegen Schmerzen helfen. Allerdings muss immer das Nebenwirkungs- und Abhängigkeitspotenzial im Blick behalten werden. Auch Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln sind gerade bei Älteren nicht selten.

Ob Cannabis sich also bei Rheumatoider Arthritis oder anderen Autoimmunerkrankungen etabliert, bleibt fraglich. 

Quellen:
https://www.apotheke-adhoc.de/rubriken/detail/medizinisches-cannabis/rheuma-juengere-maenner-greifen-haeufiger-zu-cannabis/
https://dgrh.de/Start/Publikationen/Empfehlungen/Komplement%C3%A4re-Methoden/Cannabis-sativa-und-ihr-Einsatz-bei-entz%C3%BCndlich-rheumatischen-Erkrankungen.html

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