Blick von oben: Jemand hält eine Kaffeetasse und Untertasse stabilisierend mit beiden Händen, doch viel Kaffee wurde verschüttet.© BeritK/iStock/Getty Images Plus
Händezittern ist wohl das bekannteste Parkinson-Symptom, aber schon Jahre vorher können Schlafstörungen Anzeichen sein.

Mehr als Zittern

PARKINSON-SYMPTOME IM ÜBERBLICK: 7 FAKTEN ZU VERLAUF UND BEHANDLUNG

Parkinson wird oft nur mit Zittern verbunden – doch die Symptome sind vielfältig und beginnen häufig schleichend. Welche Frühsymptome Hinweise auf Parkinson geben und wie Diagnose und Behandlung ablaufen.

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Bei Parkinson-Symptomen denken viele an Hände, die kaum ein Wasserglas halten können. Dabei hat die Erkrankung viele Gesichter. Einen Reißverschluss schließen oder ein Stück Fleisch schneiden: Solche Alltags-Handgriffe fallen mit einer Parkinson-Erkrankung oft deutlich schwerer. Betroffene erleben immer wieder, dass Hände, Arme und Beine nicht so wollen, wie sie selbst – typische Symptome im Alltag.

Rund 400000 Menschen sind nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DGP) in Deutschland betroffen. Die meisten sind bei der Diagnose über 60 Jahre alt, aber auch Jüngere können erkranken. Auch wenn Parkinson bislang nicht heilbar ist: Mit der richtigen Behandlung lässt sich die Erkrankung oft gut bewältigen. 7 Fakten im Überblick.

Fakt 1: Verklumpte Eiweiße im Gehirn als Übeltäter hinter Parkinson

Morbus Parkinson ist eine chronische Erkrankung des Gehirns. „Hierbei verklumpt das körpereigene Eiweiß Alpha-Synuclein im Mittelhirn“, sagt der Neurologe Professor Andrés Ceballos-Baumann. Er ist Chefarzt der Parkinson Fachklinik an der Schön Klinik in München-Schwabing.

Durch diese Verklumpungen funktionieren Nervenzellen des Gehirns nicht richtig und sterben letztlich ab. Die Folge: Es wird weniger Dopamin gebildet – und genau das löst zentralen Parkinson-Symptome aus: Bewegungen sind nicht mehr so möglich, wie man es bislang kannte. Sie sind dann schlechter steuerbar.

Warum die Erkrankung entsteht, ist nicht vollständig geklärt. „Es gibt aber Hinweise darauf, dass neben dem Alter auch andere Erkrankungen, Genetik und Umwelteinflüsse eine Rolle spielen könnten“, erklärt Brit Mollenhauer vom DGP-Vorstand.

Fakt 2: Parkinson-Symptome gehen weit über Zittern hinaus

Zitternde Hände (Tremor) im Ruhestand sind bekannt – aber längst nicht alles. Weitere typische Parkinson-Symptome durch den Dopaminmangel sind außerdem:

  • Muskelsteifheit (Rigor)
  • verlangsamte Bewegungen (Bradykinese)
  • kleiner werdende Bewegungen (Akinese)
  • instabile Körperhaltung

„Die Erkrankung geht teilweise auch mit sogenannten Freezing-Momenten einher, wobei mit Freezing das Einfrieren von Bewegungen gemeint ist“,

ergänzt Mollenhauer. Beispielsweise erstarrt der Körper, wenn die Ampel auf Grün schaltet und man schnell losgehen möchte. Zusätzlich zu Bewegungsstörungen sind weitere Symptome bei Parkinson häufig:

  • Schluck- und Sprechstörungen
  • Riechstörungen
  • Verdauungsprobleme
  • Schlafstörungen
  • Depressionen
  • kognitive Einschränkungen

Fakt 3: Parkinson-Frühsymptome treten oft Jahre vor der Diagnose auf

Parkinson-Frühsymptome können bereits viele Jahre vor den Hauptsymptomen auftreten. „Dazu gehören beispielsweise REM-Schlaf-Verhaltensstörungen“, sagt Neurologe Ceballos-Baumann. Betroffene schreien, schlagen oder treten im Schlaf um sich.

Mollenhauer, die Chefärztin der Paracelsus-Elena-Klinik in Kassel ist, ergänzt: „Auch teilweise aggressive und wiederkehrende Träume zählen zu REM-Schlaf-Verhaltensstörungen.“ Weitere Parkinson-Frühsymptome sind:

  • verkleinerte Handschrift
  • Riechstörungen
  • Einseitige Schulterschmerzen
  • vermindertes Mitschwingen der Arme beim Gehen
  • Verstopfung
  • leiser werdende Stimme
  • maskenhafter Gesichtsausdruck

Diese frühen Parkinson-Symptome werden oft nicht sofort erkannt.

Fakt 4: Bei Parkinson-Verdacht und für die Diagnose zum Neurologen

Bei Verdacht ist die Neurologie die richtige Anlaufstelle. Die Parkinson-Diagnose basiert auf typischen Parkinson-Symptomen wie Bewegungsarmut, Zittern und Muskelsteifigkeit.

„Ein Parkinson-Syndrom liegt vor, wenn sich mindestens ein Kernsymptom zeigt wie verlangsamte oder kleiner werdende Bewegungen plus ein weiteres Kernsymptom wie Zittern in Ruhe oder Muskelsteifigkeit“, so Ceballos-Baumann. Zur Absicherung der Parkinson Diagnose kommen bildgebende Verfahren wie MRT und CT zum Einsatz.

Eine andere Methode, die Parkinson-Diagnose abzusichern, ist das testweise Einnehmen von L-Dopa.

Fakt 5: Parkinson-Behandlung gleicht Dopaminmangel aus

Die Parkinson-Behandlung setzt am Dopaminmangel an. Goldstandard ist Levodopa (kurz L-Dopa), das im Gehirn in Dopamin umgewandelt wird. Oft kombiniert man es mit den DOPA-Decarboxylasehemmern Benserazid und/oder Carbidopa, um den vorzeitigen Abbau von L-Dopa außerhalb des Gehirns zu hemmen. So kann mehr Levodopa zu Dopamin umgewandelt werden und die nötige Dosis sinkt.

Auch COMT-Hemmer wie Entacapon blockieren den L-Dopa-Abbau und erhöhen die Verfügbarkeit im Gehirn. Deshalb werden sie ebenfalls mit L-Dopa kombiniert. Dopaminagonisten binden an Dopaminrezeptoren, dazu gehören zum Beispiel Pramipexol und Ropinirol. MAO-B-Hemmer wie Rasagilin und Selegilin bremsen den Abbau von Dopamin.

Zur Behandlung von Parkinson können außerdem gehören:

  • Physiotherapie
  • Ergotherapie
  • Logopädie

Wichtig zu wissen: Die Wirkung der Medikamente kann sich mit Fortschreiten der Erkrankung verändern. Die Dosierung muss daher häufig angepasst werden. Außerdem müssen die Medikamente mehrmals täglich zu festen Uhrzeiten eingenommen werden. Mögliche Nebenwirkungen sind Übelkeit, Schwindel oder Halluzinationen.

Neben Medikamenten in Tablettenform gibt es auch andere Formen wie Pflaster oder die Möglichkeit von Medikamentenpumpen. Zudem steht die Tiefe Hirnstimulation (THS) als Möglichkeit vor allem für jüngere Patientinnen und Patienten zur Verfügung, um Medikamente einzusparen.

Spezielle Kliniken bieten Parkinsonpatienten Medikamentenein- und -umstellungen stationär und in Kombination mit anderen Anwendungen an. Multimodale Komplextherapie nennt sich das.

Fakt 6: Hilfsmittel erleichtern den Alltag mit Parkinson

Viele Hilfsmittel zielen darauf ab, Parkinson-Symptome im Alltag auszugleichen. Spezialbesteck mit weich ummantelten Griffen zum Beispiel erleichtert das Greifen. Anziehhilfen sorgen dafür, dass man sich ohne Bücken selbstständig anziehen kann. Tremor-Mäuse gleichen Zittern bei der PC-Arbeit aus.

Fakt 7: Der Name Parkinson geht auf einen Arzt zurück

Benannt ist die Erkrankung nach dem englischen Arzt James Parkinson. Er beschrieb 1817 erstmals die wichtigsten Symptome der damals noch Schüttellähmung genannten Erkrankung. Sein Geburtstag am 11. April ist heute Welt-Parkinson-Tag.

Quellen:
dpa
https://www.usz.ch/fachbereich/neurologie/angebot/parkinson-behandlung/
https://flexikon.doccheck.com/de/COMT-Inhibitor

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