Galenische Ăbungen
SALBEN HERSTELLEN: SALBENGRUNDLAGEN UND PLAUSIBILITĂTSCHECK
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Salben herstellen bedeutet, eine einphasige, halbfeste Zubereitung so zu konzipieren, dass Wirkstoff, Grundlage, Anwendung und StabilitÀt zusammenpassen. Salben sind wasserfrei oder können Wasser aufnehmen, bleiben jedoch im pharmazeutischen Sinn immer einphasig. Damit unterscheiden sie sich klar von Cremes als Mehrphasensystemen.
FĂŒr die Rezepturpraxis ist beim Herstellen von Salben zuerst zu klĂ€ren, ob der Wirkstoff gelöst oder fein verteilt vorliegen soll. Daraus ergeben sich die beiden Haupttypen Lösungssalben und Suspensionssalben. Parallel dazu ist die Wahl geeigneter Salbengrundlagen beim Salben-Herstellen entscheidend, weil sie Okklusion, Abwaschbarkeit, HautgefĂŒhl, Penetration der Wirkstoffe und StabilitĂ€t steuern. In diesem ersten Teil der Miniserie zu Salben geht es um die Theorie hinter den Salbengrundlagen â und wie sie in der PlausibilitĂ€tsprĂŒfung zur Anwendung kommt.
Salbengrundlagen: Auswahl nach Indikation und Hautbild
Salbengrundlagen sind beim Salben-Herstellen nicht nur reine TrÀgermasse, sondern beeinflussen den therapeutischen Effekt der Rezeptur. Wir unterscheiden hydrophobe, wasseraufnehmende und hydrophile Salbengrundlagen.
Hydrophobe Salbengrundlagen
Hydrophobe Salbengrundlagen sind wasserfrei, nicht abwaschbar und meist okklusiv. Sie eignen sich besonders fĂŒr trockene, schuppige Haut. Typischerweise bestehen sie aus:
- Vaselin
- Paraffinen
- pflanzlichen oder tierischen Lipiden
- Wachsen
- synthetischen Glyceriden
In der Praxis werden hydrophobe Salbengrundlagen unter anderem als Vaselin- oder Triglycerid-basierte Grundlagen gefĂŒhrt. FĂŒr Spezialanwendungen, zum Beispiel am und im Auge, existieren standardisierte und vorsterilisierte Augensalben-Grundlagen.
Wachssalben: Zwischen Salbe und Emulsion
Hydrophobe Salbengrundlagen nehmen in der Regel nur sehr wenig Wasser auf. Wachssalben auf Basis fetter Ăle können dagegen â abhĂ€ngig vom System â spĂŒrbar mehr Wasser aufnehmen. Wenn wir Salben herstellen, nutzen wir sie deshalb hĂ€ufig als âBrĂŒckeâ zwischen einer reinen Fettsalbe und einem Emulgator-haltigen System.
Wasseraufnehmende Salbengrundlagen
Wasseraufnehmende Salbengrundlagen (Absorptionsbasen) sind ebenfalls wasserfrei, enthalten aber Emulgatoren und können relevante Wassermengen aufnehmen. Sie sind hilfreich, wenn nach dem Herstellen der Salbe noch wÀssrige Lösungen oder feuchte Komponenten eingearbeitet werden sollen, ohne direkt eine klassische Creme herzustellen.
Je nach Emulgator kann das System bei Wasseraufnahme in Richtung W/O oder O/W tendieren. Das beeinflusst die Konsistenz und StabilitÀt der Rezeptur.
Hydrophile Salbengrundlagen
Hydrophile Salbengrundlagen bestehen aus wasserlöslichen oder mit Wasser mischbaren Komponenten, zum Beispiel Macrogolen. Sie sind gut abwaschbar, werden aber bei stark irritierter Haut nicht immer als angenehm empfunden. Wichtig fĂŒr das VerstĂ€ndnis beim Herstellen: Auch hydrophile Salben sind einphasig und damit keine Cremes.
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FĂŒr die Entscheidung fĂŒr eine Lösungssalbe oder Suspensionssalbe ist die Löslichkeit der Wirksubstanz in der gewĂ€hlten Grundlage der Leitparameter. Unproblematisch sind FĂ€lle, in denen ein Wirkstoff beim Herstellen entweder vollstĂ€ndig in der Salbe gelöst werden kann oder praktisch unlöslich bleibt.
Kritisch ist der intermediĂ€re Bereich: Hier kann durch ErwĂ€rmung oder durch ein ungeeignetes Anreibemittel zunĂ€chst (teilweise) eine Lösung entstehen, die spĂ€ter Kristallwachstum und InhomogenitĂ€t begĂŒnstigt.
Bei Pulveranteilen ĂŒber 30 Prozent spricht man technologisch von Pasten. Diese erfordern besonders konsequente Homogenisierung; beim Herstellen solcher Salben wird in solchen FĂ€llen hĂ€ufig ein Dreiwalzenstuhl eingesetzt.
Lösungssalben: Wirkstoff gelöst in der Grundlage
Lösungssalben enthalten den Wirkstoff vollstĂ€ndig gelöst in der Grundlage. Sensorisch sind sie sehr gleichmĂ€Ăig, weil beim Verteilen keine groben Partikel ĂŒber die Haut reiben. Beim Salben-Herstellen ist bei Lösungssalben eine mögliche Schmelzpunktdepression zu berĂŒcksichtigen: Gelöste Stoffe können die Grundlage erweichen, sodass die Salbe zu weich wird oder flieĂt. In solchen FĂ€llen kann ein Konsistenzgeber, zum Beispiel Wachs, erforderlich sein.
Ein zentrales StabilitĂ€tsrisiko beim Salben-Herstellen ist die Rekristallisation. Wird die Rezeptur beim Herstellen zu stark erwĂ€rmt, löst sich der Wirkstoff zwar leichter in der Salbe, kann beim AbkĂŒhlen aber wieder ausfallen. Die Folge sind Körnchen, InhomogenitĂ€t und im ungĂŒnstigen Fall eine verĂ€nderte Wirkstoffverteilung.
Daher gilt fĂŒr Lösungssalben, dass die Temperatur so niedrig wie möglich gehalten und nur sehr kontrolliert erwĂ€rmt werden sollte. Liegt die Wirkstoffmenge nahe an der Löslichkeitsgrenze, ist eine Umstellung auf eine Suspensionssalbe hĂ€ufig die robustere Option.
Suspensionssalben: Wirkstoff fein dispergiert
Suspensionssalben sind die hĂ€ufigste Form halbfester Dermatika-Zubereitungen, weil viele Wirkstoffe in den Salbengrundlagen nur gering löslich sind. Der Wirkstoff liegt beim Herstellen als fein verteilte Feststoffphase in der Salbe vor. FĂŒr gute VertrĂ€glichkeit und gleichmĂ€Ăige Freisetzung ist eine geeignete TeilchengröĂe entscheidend. Zu grobe Partikel fĂŒhren zu einem sandigen GefĂŒhl auf der Haut der Kundinnen und Kunden. Die Zubereitung lĂ€sst sich auĂerdem schlechter verteilen.
Technologisch kritisch sind zudem Kristallwachstum und Agglomeration, insbesondere wenn ein Wirkstoff beim Herstellen teilweise in der Salbe gelöst wird und spĂ€ter wieder auskristallisiert. Die Auswahl eines passenden Anreibemittels und eine konsequente ProzessfĂŒhrung sind daher bereits in der Planung relevant.
Salbengrundlagen: Vorbereitung und PlausibilitĂ€tsprĂŒfung
Vor dem Herstellen von Salben sind die Ausgangsstoffe auf valide PrĂŒfzertifikate und Freigabestatus zu prĂŒfen. Es folgt die PlausibilitĂ€tsprĂŒfung:
- Indikation
- Dosierung
- KompatibilitÀt
- Grundlage (Salbengrundlagen-Typ)
- Wirkstoffzustand (Lösungssalben versus Suspensionssalben)
- StabilitÀtsrisiken (WÀrme, Rekristallisation, Kristallwachstum)
- Anwendungsgebiet (Haut, Auge, Ohr)
Bei Suspensionssalben gehört vor dem Herstellen der Salbe auĂerdem die Wahl des Anreibemittels zur PlausibilitĂ€tsprĂŒfung. Als Anreibemittel eignet sich idealerweise ein toxikologisch unbedenklicher Bestandteil der Rezeptur, der den Wirkstoff gut benetzt, aber nicht nennenswert löst, wenn ein Suspensionssystem angestrebt ist. Anreibemittel mit hohem Lösevermögen können zu latenter ĂbersĂ€ttigung fĂŒhren und spĂ€ter Rekristallisation auslösen. Die Auswahl sollte beim Salben-Herstellen deshalb zu den Salbengrundlagen passen (hydrophob zu hydrophob, hydrophil zu hydrophil) und eine Sichtkontrolle des Anreibens erlauben.
Ebenso sind Packmittel, Kennzeichnung und Aufbrauchfrist vor dem Herstellen von Salben festzulegen. Tube oder Spenderdose sind meist vorzuziehen, da sie eine hygienische Entnahme ermöglichen; Schraubdeckeldosen sind eher AusnahmefÀlle. Sie werden genutzt, wenn die Salbe sehr fest ist und sich eine Tube nur schwer entleeren lÀsst.
Die Aufbrauchfrist ist darreichungsformspezifisch aus chemischer und physikalischer StabilitĂ€t abzuleiten und in der Herstellungsanweisung zu dokumentieren. ArbeitsschutzmaĂnahmen nach Gefahrstoffrecht und interne QMS-Vorgaben sind vor dem Herstellen von Salben zu definieren.
Kurzcheck vor dem Ansatz: Was ist vor dem Herstellen der Salbe wichtig?
- Verordnung prĂŒfen und PlausibilitĂ€tsprĂŒfung vor dem Salben-Herstellen durchfĂŒhren
- Salbengrundlagen festlegen: hydrophob, wasseraufnehmend oder hydrophil?
- Entscheidung Lösungssalben oder Suspensionssalben treffen (Löslichkeit/TeilchengröĂe/TemperaturfĂŒhrung)
- Packmittel, Kennzeichnung und Aufbrauchfrist festlegen
- Herstellungsanweisung, Inprozesskontrollen und Dokumentation nach QMS vorbereiten
Quellen:
https://www.abda.de/aktuelles-und-presse/pressemitteilungen/detail/bei-medikamenten-zwischen-creme-und-salbe-unterscheiden/
Bundesapothekerkammer (BAK): âStandards fĂŒr die Rezepturherstellung in der Apothekeâ
https://www.abda.de/fuer-apotheker/arbeitsschutz/arbeitsschutzmassnahmen/
https://dacnrf.pharmazeutische-zeitung.de/tools/tabellen-fuer-die-rezeptur/empfehlungen-zur-festlegung-der-aufbrauchsfrist
https://dacnrf.pharmazeutische-zeitung.de/dac/nrf-wissen/rezepturenfinder/offen/einzelansicht/583
Iris Cutt: âWurm: Galenische Ăbungenâ, Govi, 20. ĂŒberarbeitete Auflage 2019.
Claus Garbe, Holger Reimann: âDermatologische Rezepturen. SchlĂŒssel zur individualisierten topischen Therapieâ, Thieme/Govi, 2. Auflage 2005.












