Körperliche Folgen
PSYCHISCHE ERKRANKUNGEN SENKEN DIE LEBENSERWARTUNG: SO KÖNNEN APOTHEKEN HELFEN
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Psychische Erkrankungen wie Depressionen, Schizophrenie oder zahlreiche andere senken die Lebenserwartung deutlich. Aber nicht, wie man denken könnte, durch eine erhöhte Anzahl an unnatürlichen Todesfällen wie etwa Unfälle oder Suizide. Körperliche Probleme wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Gefäß- oder Lungenerkrankungen treten bei Menschen mit diagnostizierten psychischen Störungen deutlich häufiger auf.
Aber warum ist das so? Eine umfangreiche Untersuchung fördert viele unterschiedliche Gründe dafür zutage, warum psychische Erkrankungen einen solchen Einfluss auf die Lebenserwartung haben. Zu einer Lösung könnten die Apotheken beitragen.
Psychische Erkrankungen: Lebenserwartung sinkt
Psychische Erkrankungen führen dazu, dass Betroffene eine deutlich geringere Lebenserwartung haben als die Allgemeinbevölkerung. Studien schätzen, dass psychische Erkrankungen die Lebenserwartung um 12, möglicherweise aber auch 15 bis 20 Jahre senken.
Nur 14 Prozent der frühzeitigen Todesfälle lassen sich dabei auf unnatürliche Ursachen zurückführen, während 86 Prozent auf körperliche Erkrankungen vor allem des Herz-Kreislaus-Systems beruhen.
Weitere Untersuchungen zeigen: Betroffene mit psychischen Problemen erhalten seltener eine Behandlung für eine körperliche Erkrankung, selbst bei häufigen und schweren Leiden wie Herz-Kreislauf-Beschwerden, Diabetes oder Brustkrebs. Viele verschiedene Faktoren tragen also dazu bei, dass eine psychische Erkrankung die Lebenserwartung senkt.
PSY-KOMO
Weil bekannt ist, dass körperliche Folgen psychischer Erkrankungen drohen, empfehlen zahlreiche Leitlinien bereits ein Screening von Betroffenen. Das allein reicht aber nicht. Eine vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses finanziertes Projekt namens PSY-KOMO soll aufzeigen, wie psychische Erkrankungen genau zu einer verminderten Lebenserwartung führen.
Körperliche Folgen psychischer Erkrankungen
Zum einen treten bei Schizophrenie Bluthochdruck, Diabetes Typ 2 sowie Asthma und COPD häufiger auf. Ein weiterer Faktor könnte das sogenannte Overshadowing sein. Das Wort beschreibt, dass die Symptome der psychischen Erkrankung andere gesundheitliche Probleme überlagern können. Bei betroffenen Personen tolerieren Behandelnde höhere Blutzucker- und Blutdruckwerte, ohne eine Behandlung einzuleiten. Das Resultat: Bei Betroffenen psychischer Erkrankungen sinkt die Lebenserwartung durch Diabetes oder Herz-Kreislauferkrankungen.
Körperliche Folgen psychischer Erkrankungen können auch durch Medikamente ausgelöst werden. So erhöhen zahlreiche Psychopharmaka das Gewicht oder Puls und Blutdruck beziehungsweise verlängern das QT-Intervall am Herzen. Vielfach nehmen Betroffene auch mehrere Medikamente ein, was zu Wechsel- und stärkeren Nebenwirkungen führt.
Ein problematischer Lebensstil kann dazukommen, weil psychisch Erkrankte häufiger Tabak und Alkohol konsumieren oder sich zu wenig bewegen. Der Grund sind hier meist Antriebsstörungen und Motivationsprobleme.
Diese Faktoren führen auch dazu, dass körperliche Folgen psychischer Erkrankungen oft lange unerkannt bleiben. Viele Betroffene nehmen Vorsorgeuntersuchungen nur selten bis gar nicht wahr und besuchen oft auch keinen anderen Arzt als den behandelnden Psychiater. Das liegt mit an der Tatsache, dass psychische Erkrankungen immer noch stark stigmatisiert werden.
Die Lebenserwartung sinkt demnach auch, weil sich die Menschen nicht trauen, mit einem Arzt über ihre Beschwerden zu sprechen. Körperliche Folgen psychischer Erkrankungen resultieren also oft aus Schamgefühl. Hier ist einfühlsame Begleitung wichtig.
Psychische Erkrankungen: Begleitung für mehr Lebenserwartung
Um Betroffenen zu helfen, kann die Apotheke wertvolle Beiträge leisten. Hier haben Menschen ohne Termin Zugang zu Heilberuflern, die unkompliziert Blutdruck, Blutzucker und Blutfettwerte messen. Eine telefonisch schlecht erreichbare, weit entfernt gelegene oder überfüllte Arztpraxis hemmt Betroffene, diese einfachen Überprüfungen durchführen zu lassen.
Auch pharmazeutische Betreuung leistet die Apotheke. Hier ist Fingerspitzengefühl und sensible Beratung das A und O. Wenn Betroffene sich gut aufgehoben fühlen, werden Probleme schneller erkannt. Der Einfluss, den psychische Erkrankungen auf die Lebenserwartung haben, kann durch Maßnahmen wie diese möglicherweise reduziert werden.
Quelle: Pharmazeutische Zeitung












