Hormontherapie
PROSTATAKREBS: ESTROGENPFLASTER ALS NEUE BEHANDLUNG?
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Die Standardbehandlung von Prostatakrebs besteht meist in der Injektion von Stoffen, die die Hormonproduktion lahmlegen. Der Begriff „chemische Kastration“ beschreibt die drastischen Einflüsse auf den Körper. Die Wirkstoffe Leuprorelin, Triptorelin und Buserelin sind Analoga des Gonadotropin-Releasing-Hormons (GnRH) , welches in der Hypophyse die Produktion von Testosteron steuert.
Nach einer anfänglichen Überstimulation sinken die Testosteronspiegel so auf niedrige Niveaus. Der Tumor wächst nicht weiter. Ähnlich wirkt ein Überangebot an Estrogen. Die Nebenwirkungen der Behandlung sind jedoch oft sehr belastend und umfassen Hitzewallungen, verminderte Knochendichte und starkes Schwitzen. Könnten Estrogenpflaster die Lösung sein?
Prostatakrebs braucht Hormone
Prostatakrebs wächst hormonabhängig, seine Zellen besitzen Bindungsstellen für Androgene. Um den Tumor zu behandeln, senkt man die Testosteronspiegel medikamentös ab. Ein Team des University College London um Professor Dr. Ruth E. Langley zeigt in einer Studie jetzt eine mögliche Alternative zu den schlecht verträglichen GnRH-Analoga.
Die Forschenden untersuchten insgesamt 1360 Probanden mit Prostatakrebs aus dem Vereinigten Königreich. Bei 85 Prozent der Betroffenen war der Tumor bereits über das Organ hinausgewachsen, bei 35 Prozent bestanden Lymphknotenmetastasen.
721 Teilnehmer erhielten gegen ihren Prostatakrebs eine Therapie mit transdermalem Estrogen. DafĂĽr wurden jeweils 4 Pflaster verwendet, die jeweils 100 Mikrogramm Estradiol in 24 Stunden freisetzten, also eine Tagesdosis von 400 Mikrogramm. Sanken die Testosteronspiegel nach 4 Wochen auf unter 1,7 Nanomol pro Liter (was auch als Kastrationsniveau bezeichnet wird), senkten die Forschenden die Estrogendosis auf 300 Mikrogramm pro Tag ab.
693 Männer erhielten ein GnRH-Analogon. Wegen der Überstimulation zu Beginn kamen in den ersten acht Wochen hier noch Antiandrogene wie Bicalutamid dazu.
Beide Hormontherapien wirken
Beide Hormontherapien zeigten gute Wirksamkeit gegen Prostatakrebs.
- Nach drei Jahren ĂĽberlebten in der Estrogengruppe 87,1 % der Probanden metastasenfrei,
- in der Kontrollgruppe 85,9%.
- Das GesamtĂĽberleben unterschied sich ebenfalls kaum (81,1 % zu 79,2 %).
- In beiden Gruppen lagen die Testosteronspiegel bei 85 % der Behandelten nach einem Jahr bei unter 1,7 Nanomol pro Liter.
Männergesundheit im Fokus:
Vergleich der Nebenwirkungen
Aber: Während beide Behandlungen vergleichbar gut gegen Prostatakrebs wirkten, traten in der Estrogengruppe nur bei 44 Prozent der Probanden Hitzewallungen auf. In der GnRH-Gruppe waren es 89 Prozent.
In der Estrogengruppe trat bei doppelt so vielen Probanden eine gutartige Vergrößerung des Brustdrüsengewebes auf. Knochenbrüche dagegen ließen sich reduzieren. Das liegt daran, dass bei Männern das knochenschützende Estrogen aus Testosteron gebildet wird.
Fällt dessen Produktion durch die Behandlung von Prostatakrebs aus, steigt das Osteoporoserisiko – auch bei Männern.
Therapieschema anpassen?
Estrogenpflaster sind bisher nicht zur Hormontherapie bei Prostatakrebs zugelassen. Die Behandlung ließe sich aber einfach zu Hause durchführen, während für die regelmäßige Injektion der GnRH-Analoga ein Arztbesuch nötig ist.
Außerdem schützt die Estrogengabe die Knochen. Langley und ihr Team hoffen, dass Männer bald die Therapie gegen Prostatakrebs wählen können, die besser zu ihnen passt.
Quellen:
https://www.pharmazeutische-zeitung.de/estradiolpflaster-genauso-wirksam-wie-gnrh-analoga-164541/
Ruth E. Langley et al.: „Transdermal Estradiol Patches in Locally Advanced Prostate Cancer“, The News England Journal of Medicine, 25. März 2026. https://www.nejm.org/doi/10.1056/NEJMoa2511781
https://www.ucl.ac.uk/news/2026/mar/hormone-patches-effective-locally-advanced-prostate-cancer












