Schlafende Frau bei Nacht im Bett© Tero Vesalainen / iStock / Getty Images Plus
Zahlreiche Medikamente greifen in den zentralen Neurotransmitter- und Hormonhaushalt ein und verÀndern so die Schlafarchitektur, die TraumintensitÀt oder rufen AlbtrÀume hervor.

Artikelserie TrÀume

UNTERSCHIEDLICHE TRAUM-ARTEN UND DER EINFLUSS VON MEDIKAMENTEN AUF DEN SCHLAF

Wir trĂ€umen jede Nacht, auch wenn wir uns nicht immer erinnern. Ob Albtraum oder Klartraum – TrĂ€umen wird nachgesagt, dass wir in ihnen unser Erlebtes verarbeiten. Stimmt das? Und was geschieht, wenn sich TrĂ€ume mit Medikamenten mischen?

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TrĂ€ume haben seit jeher viele Bedeutungen, die sich je nach Kultur, PrĂ€gung und Zeitalter unterscheiden. FrĂŒher oft als Botschaften der Götter oder Zukunftsvision des Schamanen gedeutet, bestimmten TrĂ€ume die Handlungen. Auch in der Neuzeit werden den unterschiedlichen Traum Arten spirituelle Bedeutungen zugeschrieben wie der Spiegel ins Unterbewusstsein oder der SchlĂŒssel zu anderen Dimensionen.

Heute weiß man, dass TrĂ€ume die Verarbeitung oder die Entwicklung des Selbst unterstĂŒtzen. Doch wie verhĂ€lt sich das, wenn man Arzneimittel einnimmt? Welchen Einfluss haben Medikamente auf den Schlaf und somit auf das Erlebnis der TrĂ€ume?

Traum-Arten

Bevor wir uns dem Einfluss von Medikamenten auf den Schlaf widmen, durchleuchten wir die unterschiedlichen Traum-Arten:

  1. Luzider Tarum: Diese Traum-Art wird auch Klartraum genannt: TrĂ€umende sind sich des TrĂ€umens bewusst. Anstatt ein passives Erleben steuert man in dieser Traum-Art aktiv die Handlung, wischt den Albtraum vielleicht fĂŒr eine schönere Geschichte beiseite. Bei KlartrĂ€umen ist der prĂ€frontale Kortex viel aktiver als bei anderen Traum-Arten in der REM-Phase. Dadurch kann ein Klartraum fĂŒnf bis zehn Minuten andauern.
  2. PrĂ€monitorischer Traum: Bei dieser n eine Prophezeiung erinnernden Traum-Art glauben Betroffene im Schlaf zukĂŒnftige Situationen oder Ereignisse wahrzunehmen. Wissenschaftlich sind solche Vorhersagen nicht anerkannt; sie lassen sich meist durch kognitive Verzerrungen, unbewusste SchlĂŒsse unter BerĂŒcksichtigung der wahrscheinlichsten Informationen erklĂ€ren.
  3. Albtraum: Diese Traum-Art kennt jeder. Hierbei handelt es sich um einen intensiv negativen Traum, der starke GefĂŒhle wie Angst, Panik, Trauer oder Ekel auslöst und oft zum direkten Erwachen fĂŒhrt. Betroffene einer PTBS, Angststörungen oder Phobie berichten von einem hohen Leidensdruck durch regelmĂ€ĂŸiges Auftreten extremer AlbtrĂ€ume.
  4. Pavor nocturnus: besser bekannt als Nachtschreck oder Nachtangst. Hierbei handelt es sich streng genommen nicht um eine weitere Traum-Art, sondern um eine harmlose Schlafstörung – meist bei Kindern zwischen drei und zwölf Jahren. Betroffene schrecken in der ersten NachthĂ€lfte mit Paniksymptomen wie Herzrasen und Kaltschweiß aus dem Tiefschlaf auf. Sie sind nicht ansprechbar und erinnern sich am nĂ€chsten Tag nicht daran.

Medikamente und ihr Einfluss auf den Schlaf

Psychoaktiver Substanzen oder Medikamente haben Einfluss auf den Schlaf. Sie greifen in den natĂŒrlichen Schlaf-Wach-Rhythmus ein und können Ein- sowie Durchschlafstörungen verursachen, den Tiefschlaf unterdrĂŒcken oder auch das Traum-Verhalten (z. B. durch lebhafte TrĂ€ume oder AlbtrĂ€ume) und die Traum-QualitĂ€t stark verĂ€ndern. Die Art und IntensitĂ€t hĂ€ngen dabei vom jeweiligen Wirkstoff ab.

  • Antidepressiva: Vor allem Medikamente aus der Gruppe der SSRI beeinflussen den REM-Schlaf (die Phase der intensivsten TrĂ€ume). Sie unterdrĂŒcken ihn, was oft zu lebhaften TrĂ€umen fĂŒhrt. Beim Absetzen mancher Antidepressiva kann es zu einem REM-Rebound kommen, bei dem das Gehirn die verpasste Traumphase aufholt, was zu sehr intensiven, teils unruhigen TrĂ€umen fĂŒhrt.
  • Benzodiazepine haben einen vergleichbaren Einfluss auf den Schlaf wie SSRI. Sie verkĂŒrzen die Einschlafzeit und verlĂ€ngern die Schlafdauer, verĂ€ndern aber die Schlafarchitektur (REM-Schlaf) maßgeblich. Sie unterdrĂŒcken den Tiefschlaf sowie die REM-Phasen (Traumphasen), was auf Dauer die Erholung mindert. Nach dem Absetzen kommt es oft auch hierbei zu Rebound-Effekten mit lebhaften TrĂ€umen oder AlbtrĂ€umen. Dopaminagonisten beeinflussen den Schlaf-Wach-Rhythmus stark. Sie fördern anfangs oft den Tiefschlaf und lindern schlafraubende Beschwerden, können jedoch zu TagesmĂŒdigkeit, Schlaflosigkeit und lebhaften, intensiven TrĂ€umen (bis hin zu AlbtrĂ€umen und realistischen Halluzinationen) fĂŒhren, da sie die REM-Schlafphase stimulieren.
  • Asthma- und AllergieprĂ€parate: Wirkstoffe wie Theophyllin oder Kortikosteroide wirken aufputschend auf das zentrale Nervensystem und stören die SchlafqualitĂ€t.
  • Opioide können den Tiefschlaf und die natĂŒrliche Traumarchitektur negativ beeintrĂ€chtigen. Dies stört die mentale und körperliche Erholung.
  • Betablocker können die Produktion des natĂŒrlichen Schlafhormons Melatonin hemmen. Dies fĂŒhrt hĂ€ufig zu Schlafstörungen, intensivem TrĂ€umen und AlbtrĂ€umen.

Quellen:
Lenz et al.: Nebenwirkungen der neuen Antidepressiva in: PSYCH up2date. Band: 11, Nummer: 06, 2017, doi: 10.1055/s-0043-109207p.493-504
Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie 2012
https://somnorium.com/de/articles/do_medications_change_the_way_we_dream
https://gedankenwelt.de/haeufige-traumarten/
https://www.esanum.de/fachbereichsseite-hausaerzte/feeds/hausaerzte/posts/betablocker-metformin-co-wie-medikamente-den-schlaf-beeinflussen
https://www.doccheck.com/de/detail/articles/35226-betablocker-die-albtraum-pille
https://www.schmerzgesellschaft.de/patienteninformationen/besonderheiten-bei-schmerz/schmerz-und-schlaf
https://www.dpv-bundesverband.de/morbus-parkinson-die-krankheit/schlafstoerungen
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5124287/

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