Rote Zahlen
BIONTECH MACHT VERLUST – WENIGER IMPFSTOFF-NACHFRAGE
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Der Corona-Impfstoff hat Biontech einst groß gemacht – nun sorgt er für rote Zahlen. Die weltweit geringere Nachfrage hat dem Mainzer Unternehmen im ersten Halbjahr 2026 einen Verlust in Milliardenhöhe eingebrockt. Unter dem Strich stand in den ersten sechs Monaten ein Minus von 1,35 Milliarden Euro, im Vorjahr waren es 802,4 Millionen Euro. Damit fällt der Verlust mehr als eineinhalbmal so hoch aus wie im Vorjahreszeitraum von Biontech.
Allein im zweiten Quartal belief sich das Minus auf 820,8 Millionen Euro, nach 386,6 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Der Umsatz lag in diesem Zeitraum bei 105,6 Millionen Euro und damit deutlich unter dem Wert von 260,8 Millionen Euro aus dem Vorjahr. Hinter dem Verlust steht vor allem die schwächere Nachfrage nach dem Corona-Impfstoff von Biontech.
Nachfrage nach Corona-Impfstoff sinkt weltweit
Weil die Nachfrage nach Corona-Impfstoff weltweit zurückgeht, rechnet Biontech auch für das Gesamtjahr 2026 mit weniger Umsatz. Biontech geht nunmehr von Erlösen zwischen 1,6 und 1,9 Milliarden Euro aus. Noch im März hatte das Unternehmen von 2 bis 2,3 Milliarden Euro gesprochen. Der Verlust und die gesenkte Prognose hängen damit direkt am Impfstoffgeschäft.
Wie stark die Nachfrage nach dem Corona-Impfstoff nachlässt, zeigt der Blick auf die Quartalszahlen: Der Umsatz hat sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum mehr als halbiert.
Biontech Verlust: Kostendisziplin und Standort-Aus
Mit der Vorlage der Zahlen haben sich auch die angepeilten Ausgaben für Forschung und Entwicklung im Gesamtjahr verändert. Biontech spricht nun von 2 bis 2,3 Milliarden Euro, weniger als die zuvor genannten 2,2 bis 2,5 Milliarden Euro. Es werde bei der Entwicklung neuer Produkte priorisiert, erklärte das Unternehmen und sprach von verstärkter Kostendisziplin. Der Verlust zwingt Biontech also zu klaren Schwerpunkten.
Bereits im Mai hatte Biontech angekündigt, die Standorte in Idar-Oberstein, Marburg und Tübingen bis Ende 2027 zu schließen. Der Betrieb in Singapur soll voraussichtlich im ersten Quartal 2027 eingestellt werden. Auch diese Schritte zeigen, wie stark die sinkende Nachfrage nach Corona-Impfstoff das Geschäft verändern.
Wichtiges Know-How zu Impfungen:
Onkologie: Hoffnung trotz Biontech Verlust
Ungeachtet dieser Zahlen sieht sich Biontech auf gutem Wege bei der Entwicklung neuer Produkte, vor allem in der Onkologie. In dem Bereich sei die Pipeline deutlich vorangebracht worden, sagte Unternehmenschef Ugur Sahin. Ein Hoffnungsträger ist etwa ein Wirkstoffkandidat namens Pumitamig, früher BNT327, zu dem späte Studien etwa für Lungen- und Brustkrebs laufen. Der Verlust im Impfstoffgeschäft steht damit einer wachsenden Krebsforschung gegenüber.
Außerdem setzt Biontech auf Immuntherapien auf mRNA-Basis sowie auf Antikörper-Wirkstoff-Konjugate. Dabei sollen Wirkstoffe einer Chemotherapie mithilfe von Antikörpern gezielter an Krebszellen gebracht werden.
Neuer Chef: Guido Oelkers löst Ugur Sahin ab
Seit Montag ist bekannt, dass Mitgründer Sahin an der Biontech-Spitze spätestens Anfang Februar kommenden Jahres von Guido Oelkers abgelöst wird. Der Manager wechselt vom schwedischen Biopharma-Unternehmen Swedish Orphan Biovitrum (Sobi), an dessen Spitze er seit 2017 stand, nach Mainz. Für Biontech wird das ein echter Einschnitt werden. Der Führungswechsel fällt damit in eine Phase, in der der Verlust die Bilanz bestimmt.
Sahin betonte, Oelkers werde gemeinsam mit dem Vorstand die Erfolgsgeschichte von Biontech weiterschreiben. Er selbst möchte sich in Zukunft gemeinsam mit seiner Frau Özlem Türeci der Gründung eines neuen Unternehmens widmen. Anteilseigner bei Biontech wollen die beiden aber bleiben.
Quelle: dpa












