Lärmbelästigung
STRASSENLÄRM UND GESUNDHEIT: STUDIE ZEIGT RISIKO SCHON NACH EINER NACHT
Seite 1/1 3 Minuten
Selbst mäßiger Straßenlärm kann sich einer Studie zufolge schon nach nur einer Nacht auf Herz und Kreislauf auswirken. Damit rückt das Thema Straßenlärm und Gesundheit stärker in den Fokus der Forschung. Folgen seien unter anderem ein schnellerer Herzschlag und eine verminderte Elastizität von Blutgefäßen, schreibt eine Forschungsgruppe um Thomas Münzel von der Universitätsmedizin Mainz in der Fachzeitschrift „Cardiovascular Research“.
Ein unabhängiger Experte mahnt jedoch zu Vorsicht bei der Interpretation der Resultate. Dennoch zeigen die Ergebnisse, dass Straßenlärm die Gesundheit messbar beeinflussen kann.
„Straßenlärm kann zu einem schnelleren Herzschlag und einer verminderten Elastizität der Blutgefäße führen“
Verkehrslärm und Herz-Kreislauf: Studie im Schlafzimmer
Die Forscher hatten bei 74 Teilnehmenden zwischen 18 und 60 Jahren in deren privaten Schlafzimmern unterschiedliche Situationen simuliert. Ziel war es zu untersuchen, wie Verkehrslärm Herz-Kreislauf-Funktionen beeinflussen kann.
Dazu gehörten Nächte ohne zusätzlichen Lärm sowie Nächte, in denen über Lautsprecher Straßenlärm 30 oder 60 Mal für jeweils eine Minute und 15 Sekunden eingespielt wurde. Die Lautstärke lag bei 41 bis 44 Dezibel – das entspricht einer leisen Unterhaltung. Die Teilnehmer wussten vorher nicht, ob und welchen Schallpegeln sie in einer Nacht ausgesetzt wurden.
Die Untersuchung zeigt damit deutlich, dass Verkehrslärm Herz-Kreislauf-Prozesse bereits kurzfristig verändern kann.
Gerade weil Menschen Verkehrslärm häufig als unvermeidbar wahrnehmen, gewinnt der Zusammenhang zwischen Straßenlärm, Gesundheit und Herzfunktion zunehmend an Bedeutung.
Lärmbelastung und Schlaf: Alkohol, Koffein und Nikotin tabu
Um möglichst unverfälschte Ergebnisse zu erhalten, mussten die Teilnehmenden während der Studie auf Alkohol, Koffein und Nikotin verzichten. Besonders im Fokus stand dabei der Zusammenhang zwischen Lärmbelastung, Schlaf und körperlichen Stressreaktionen.
Am folgenden Morgen wurden Herz- und Kreislaufwerte gemessen, und Blutproben wurden auf Entzündungsproteine hin untersucht. Darüber hinaus wurde per Ultraschall überprüft, wie stark sich die Blutgefäße beim Herzschlag ausdehnen und wieder zusammenziehen. Gerade die Kombination aus Lärmbelastung, Schlaf und nächtlichem Verkehrslärm gilt als möglicher Auslöser für gesundheitliche Belastungen.
Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen:
Lärm Risiko bei Herzinfarkt: Frühwarnzeichen im Gefäßsystem
Ein Ergebnis: Die Probandinnen und Probanden reagierten individuell unterschiedlich stark auf Lärm. Dennoch zeigte sich grundsätzlich, dass bereits eine Nacht mit Straßenlärm funktionelle und biologische Veränderungen auslösen kann. Damit rückt auch das Lärm Risiko bei Herzinfarkt stärker in den Fokus der Forschung.
Zu den beobachteten Veränderungen zählten erhöhte Herzfrequenzen, Veränderungen bei Proteinen sowie eine geringere Elastizität der Blutgefäße. Gerade Letzteres gilt als frühes Warnsignal für die Gefäßgesundheit. Eine eingeschränkte Gefäßfunktion kann langfristig mit einem erhöhten Lärm Risiko Herzinfarkt oder Schlaganfall verbunden sein.
Das Umweltbundesamt nennt Straßenverkehr als dominierende Lärmquelle in Deutschland. Daten zufolge sind bundesweit 2,3 Millionen Menschen ganztags Pegeln von mehr als 65 Dezibel ausgesetzt, nachts sind es bei 2,6 Millionen Menschen Pegel von mehr als 55 Dezibel. Angesichts dieser Zahlen gewinnt der Zusammenhang zwischen Straßenlärm, Gesundheit und Herz-Kreislauf-Erkrankungen weiter an Bedeutung.
Angesichts der Ergebnisse plädieren die Autoren für konsequenten Lärmschutz. Maßnahmen wie Tempo-30-Zonen oder Grünflächen als Schallschutzpuffer könnten helfen, die Gesundheit der Bevölkerung durch Straßenlärm zu schützen. „Lärmschutz ist Schallschutz“, sagt Studienleiter Münzel. „Jede Dezibel-Reduktion bedeutet weniger Stress für Gefäße, weniger Entzündung im Blut – und langfristig weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle.“
Daten zufolge sind bundesweit 2,3 Millionen Menschen ganztags Pegeln von mehr als 65 Dezibel ausgesetzt, nachts sind es bei 2,6 Millionen Menschen Pegel von mehr als 55 Dezibel.
Christoph Maack vom Universitätsklinikum Würzburg spricht von einer gut gemachten Studie zu einem wichtigen Thema. „Die Arbeit zeigt, dass es Veränderungen gibt, die ungünstig sind“, sagt der Mediziner, der nicht an der Untersuchung beteiligt war. „Ob das aber ausreicht, um langfristige Schäden zu hinterlassen, kann diese Studie nicht zeigen.“ Gerade bei Lärm könne es durchaus Gewöhnungseffekte geben.
Allerdings gebe es epidemiologische Studien, die darauf hinweisen, dass Lärmbelästigung dem Herz-Kreislauf-System zusetzen kann. Insofern seien Maßnahmen zum Lärmschutz sinnvoll – auch mit Blick auf Straßenlärm und Gesundheit vieler Menschen.
Quelle: dpa












