MukoziliÀre Clearance
WAS IST DAS POSTNASAL-DRIP-SYNDROM UND WAS HILFT WIRKLICH?
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Unter Postnasal-Drip-Syndrom versteht man eine ĂŒbermĂ€Ăige Ansammlung von Schleim in der Nase und den Nebenhöhlen, was zu Problemen im Rachenbereich fĂŒhrt. Es kann ganz viele unterschiedliche Auslöser haben. Diese zu finden, gestaltet sich manchmal auch gar nicht so einfach. Nicht jeder Schnupfen verursacht auch ein Postnasal-Drip-Syndrom.
Bei der Beratung in der Apotheke kommt es darauf an, die richtigen Fragen zu stellen. Nur dann können PTA sicher entscheiden, ob ein Arzt hinzugezogen werden muss. Hier kommen die HintergrĂŒnde, was ein Postnasal-Drip-Syndrom genau ist und was man dagegen tun kann.
Postnasal-Drip-Syndrom: Schnupfen wird zu Husten
Das Postnasal-Drip-Syndrom entsteht durch verĂ€nderte Schleimproduktion in Nase und Nebenhöhlen. Das Sekret staut sich und tropft in den Rachenraum. Viele Betroffene berichten ĂŒber nĂ€chtlichen Hustenreiz oder Halsschmerzen, ein dauerndes KloĂgefĂŒhl im Hals, RĂ€usperzwang, Heiserkeit und auch Mundgeruch. Oft bestehen die Beschwerden eines Postnasal-Drip-Syndroms ĂŒber Wochen oder Monate. Ursachen fĂŒr das Problem gibt es reichlich, was die Diagnose und Behandlung nicht einfacher macht.
Ein weiteres Problem: die Dauerbelastung der Schleimhaut in den Atemwegen begĂŒnstigt Infektionen der Bronchien. So kann sich der Schnupfen in einen ausgewachsenen Husten verwandeln, der sogar chronisch werden kann. Das wiederum erhöht das Risiko fĂŒr einen sogenannten Etagenwechsel: ein unbehandeltes Postnasal-Drip-Syndrom kann zu Asthma werden.
Berichten Betroffene in der Apotheke also ĂŒber Symptome, die ĂŒber Wochen anhalten, sollte ein Arzt sich die Sache ansehen. Die Ursachen fĂŒr die verĂ€nderte Schleimproduktion und den gestörten Sekretabtransport können aber sehr unterschiedlich sein.
Befreit die Atemwege:
Das alles kann das Postnasal-Drip-Syndrom auslösen
Die vermehrte Schleimbildung stellt lediglich ein Symptom dar. Das Postnasal-Drip-Syndrom ist kein eigenstÀndiges Krankheitsbild, sondern Folge einer gestörten Selbstreinigung der Schleimhaut in den Atemwegen. Dahinter können zahlreiche Ursachen stecken:
- Allergien
- Infekte
- Hormonelle VerÀnderungen, zB. Schwangerschaft
- Reflux von MagensÀure
- Trockenheit durch KĂ€lte, Heizungsluft oder Klimaanlagen
- Reizungen durch Chemikalien oder Lebensmittel wie Chili und Co
Dass sich das Postnasal-Drip-Syndrom entwickeln kann, hĂ€ngt mit dem Aufbau unserer Atemwege zusammen. Auch wenn wir sprachlich zwischen âoberenâ und âunterenâ Atemwegen unterscheiden, trifft das fĂŒr die Schleimhaut nicht zu. Diese kleidet unsere kompletten Atemwege einheitlich aus, und zwar von den Nebenhöhlen bis hinunter in die Bronchien. Lediglich die Dicke der Zellschicht nimmt in den kleinen VerĂ€stelungen der Bronchien ab.
FĂŒr den Schutz unserer Atemwege besitzen wir ein ausgeklĂŒgeltes System, das sich selbst reinigen kann. Es transportiert Fremdstoffe wie Krankheitserreger, Staub und Schadstoffe zuverlĂ€ssig nach drauĂen.
MukoziliĂ€re Clearance: das Förderband nach drauĂen
Die mukoziliĂ€re Clearance unserer Atemwege funktioniert wie eine Art Förderband. Bei Postnasal-Drip-Syndrom ist sie gestört, und das spĂŒren Betroffene deutlich. Aber wie genau funktioniert die Selbstreinigung der Atemwege?
In unserer Schleimhaut befinden sich unterschiedliche Zelltypen. Zum einen sind das zilientragende Zellen, die, wie der Name sagt, Zilien besitzen. Das sind kleine FlimmerhĂ€rchen, die stets Richtung Ausgang fĂ€chern. Die Becherzellen produzieren den Schleim, der unsere Atemwege lĂŒckenlos auskleidet. AuĂerdem besitzen wir noch andere Typen von Zellen, zum Beispiel Nervenzellen, die Husten- oder Niesreflex auslösen, und sogenannte neuroendrokrine Zellen, die Botenstoffe abgeben, wenn sie chemisch oder mechanisch gereizt werden. Im unteren Bereich der Atemwege sitzen noch Keulenzellen, die ein glycoproteinreiches Sekret abgeben.
Um die mukoziliĂ€re Clearance zu verstehen, muss man wissen, dass der Schleim in den Atemwegen aus zwei Schichten besteht. Die untere Solphase, in der die Zilien sich bewegen, ist flĂŒssig. DarĂŒber liegt die Gelphase, welche fester ist und wie ein klebriger FliegenfĂ€nger alles anzieht, was uns stören könnte: Fremdkörper, Viren, Bakterien und Schadstoffe. Ein Stoff namens Surfactant ermöglicht ein Gleiten der Gelphase auf der Solphase und setzt die OberflĂ€chenspannung der Gelphase herab. Das sorgt fĂŒr die besondere âKlebrigkeitâ. Die Zilien bewegen die Solphase. Das befördert die Gelphase mitsamt den gebundenen Störenfrieden in Richtung Ausgang, also zu den Nasenlöchern oder zum Rachenraum, wo sie geschluckt, abgehustet oder in ein Taschentuch geschneuzt wird. Die mukoziliĂ€re Clearance ist also ein sehr ausgefeiltes System. Bringt sie etwas aus dem Gleichgewicht, gibt es Probleme, und zum Beispiel das Postnasal-Drip-Syndrom kann entstehen.
Was stört die mukoziliÀre Clearance und was kann man tun?
Eine intakte mukoziliÀre Clearance ist unsere erste Verteidigungslinie der unspezifischen Immunabwehr. Durch einen Infekt, Trockenheit oder Reizungen steigt zunÀchst die ViskositÀt der Gelphase. Die Bewegung der Zilien in der Solphase reicht dann nicht mehr aus, um das zÀhe Sekret zu bewegen. Es staut sich, und sein Gewicht reizt unter der Schleimhaut liegende Rezeptoren. Es ist also gar nicht unbedingt die Menge, sondern die ZÀhigkeit des Sekrets bei gestörter mukoziliÀrer Clearance, die Husten verursacht und bei Dauerreizung auch das Postnasal-Drip-Syndrom.
Hustenrezeptoren besitzen wir ĂŒbrigens auf der gesamten Schleimhaut, auch in der Nase, den Nebenhöhlen, der Luftröhre, sogar im Innenohr und im Herzbeutel! Besonders dicht sitzen sie aber in Rachen und Kehlkopf. Sie leiten ihr Signal an den Vagus- und Trigeminusnerv weiter, was das Hustenzentrum im Hirnstamm stimuliert. Eine koordinierte Bewegung von Zwerchfell, Stimmritze, Bauch-, Atmungs- und Kehlkopfmuskeln lĂ€sst Luft explosionsartig entweichen: ein HustenstoĂ, der den zĂ€hen Schleim aus den Atemwegen schleudert.
Das Problem: jeder HustenstoĂ reizt die Schleimhaut und stört die mukoziliĂ€re Clearance weiter. Bildet sich also dauerhaft zu viel zĂ€hes Sekret, kann das anhaltenden Hustenreiz auslösen: das Postnasal-Drip-Syndrom. Bestehen die Probleme ĂŒber mehr als zwei Wochen, sollte der Arzt sich das ansehen.
Wann muss das Postnasal-Drip-Syndrom behandelt werden?
Das Postnasal-Drip-Syndrom kann ĂŒber Wochen bestehen. Je nach Schweregrad der Beschwerden und nach Alter und Konstitution der betroffenen Person gibt es ein paar wichtige Fragen im BeratungsgesprĂ€ch. GrundsĂ€tzlich gilt: ein akuter Husten sollte generell nicht lĂ€nger als zwei Wochen unbehandelt bleiben. Hohes Fieber, Atemnot, NachtschweiĂ, Gewichtsverlust sowie Blut oder Schaum im Auswurf sind Warnzeichen, die unbedingt Ă€rztlich abgeklĂ€rt gehören. Auch SĂ€uglinge und Ă€ltere Personen sowie Schwangere gehören in Ă€rztliche Behandlung. Ăltere Menschen besitzen weniger Zilien, SĂ€uglinge sehr kleine Atemwegsdurchmesser. Beides kann schneller Probleme verursachen, weshalb ein Arztbesuch empfohlen ist. Gleiches gilt bei Verdacht auf einen Fremdkörper oder auf schwerere Infekte wie Influenza oder LungenentzĂŒndung. Die Einnahme potenziell lungentoxischer (Amiodaron, Methotrexat) oder Husten verstĂ€rkender (ACE-Hemmer, Betablocker) Medikamente spricht ebenfalls fĂŒr einen Arztbesuch.
GrundsĂ€tzlich sollte das Postnasal-Drip-Syndrom immer ernst genommen und möglichst schnell wirksam behandelt werden. Sonst besteht die Gefahr, dass die gestörte mukoziliĂ€re Clearance die Atemwege empfindlich gegen Infektionen macht. Das zĂ€he Sekret und die mechanische Belastung der Schleimhaut durch den Husten erhöhen zudem die Gefahr fĂŒr Bronchitis und sogar Asthma. Gerade Ă€ltere oder immungeschwĂ€chte Personen sind hier gefĂ€hrdet. Zudem stört der Husten den Schlaf und beeintrĂ€chtigt die LebensqualitĂ€t deutlich.
Was tun gegen Postnasal-Drip-Syndrom?
Nicht jede Störung der mukoziliĂ€ren Clearance löst gleich ein Postnasal-Drip-Syndrom aus. Ist es aber diagnostiziert, richtet sich die Behandlung nach der gefundenen Ursache. Ein Infekt heilt oft folgenlos aus, und dann verschwinden auch die nervigen Beschwerden wieder. Kurzfristig kann der Sekretabfluss durch abschwellende Nasensprays verbessert werden, bis der Infekt abgeklungen ist. Produkte mit Myrtol oder Cineol zur Schleimlösung unterstĂŒtzen die mukoziliĂ€re Clearance und wirken antibakteriell.
Das Ziel jeder Therapie eines Postnasal-Drip-Syndroms ist, den Hustenreiz zu stoppen. Durch einen Allergietest lassen sich potenzielle Auslöser fĂŒr die gestörte mukoziliĂ€re Clearance finden, ein Antihistaminikum oder gegebenenfalls ein Cortison-Nasenspray hilft dann meist schnell. Nasenduschen spĂŒlen Allergene aus. Luftbefeuchter und eine Erhöhung der Trinkmenge unterstĂŒtzen die mukoziliĂ€re Clearance und senken die ViskositĂ€t der Gelphase.
Steckt ein Reflux von MagensÀure hinter dem Postnasal-Drip-Syndrom, helfen Antacida und gegebenenfalls kurzzeitig Protonenpumpenhemmer. Eine Hochlagerung des Kopfes beim Schlafen kann den Reflux und die Ansammlung von Sekret im Rachen verringern und so Erleichterung bringen.
Bei Schwangeren steckt oft eine hormonell bedingte Durchblutungssteigerung der Nasenschleimhaut hinter verstopfter Nase und gestörter mukoziliÀrer Clearance. Wenn die Probleme lÀnger bestehen, kann sich so auch ein Postnasal-Drip-Syndrom bilden. Hier helfen Nasenduschen, Luftbefeuchtung und nach Absprache mit dem GynÀkologen gegebenenfalls kurzzeitig abschwellende Wirkstoffe.
Wir fassen also zusammen: das Postnasal-Drip-Syndrom entsteht durch gestörte mukoziliĂ€re Clearance der Atemwege und einen gestörten Sekretabfluss. WĂ€hrend es zum einen ganz schön nerven kann, kann es zum anderen auch das Infektionsrisiko erhöhen und Asthma begĂŒnstigen. Die Behandlung richtet sich nach der gefundenen Ursache. Im BeratungsgesprĂ€ch können PTA mit Betroffenen von Postnasal-Drip-Syndrom klĂ€ren, ob ein Arztbesuch nötig ist.
Quellen:
pharmazeutische-zeitung.de/quaelend-laestig-mit-vielen-ursachen-145472/seite/alle/?cHash=892e26fea911faf7e4fb729a4a1aa0a4
flexikon.doccheck.com/de/Postnasal-Drip-Syndrom
flexikon.doccheck.com/de/Respiratorisches_Epithel
health.harvard.edu/staying-healthy/treatments-for-post-nasal-drip












