Soziale Unterschiede
NEUE DATEN: WENIG GESUNDHEITSKOMPETENZ IN DEUTSCHLAND
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Mit Gesundheitskompetenz ist die Fähigkeit gemeint, Krankheitssymptome richtig zu deuten, Gesundheitsinformationen aus den sozialen Medien richtig einzuordnen, Impfentscheidungen zu treffen und mehr. In Zeiten von TikTok, Instagram, ChatGPT und Co. ist das alles gar nicht so einfach, denn schnell schickt der Algorithmus Informationssuchende in die Irre. Vermeintliche Expertenmeinungen, die nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft wurden, verbreiten sich teils rasant.
Aus den Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) geht klar hervor: Zu wenig Deutsche besitzen genügend Gesundheitskompetenz, und vor allem soziale Faktoren spielen hier eine Rolle. Anderswo in Europa ist man schon weiter.
Gesundheitskompetenz fehlt bei den meisten Deutschen
Dass vier von fünf Deutschen eine geringe sogenannte „allgemeine Gesundheitskompetenz“ besitzen, fand das RKI in der Längsschnittstudie „Gesundheit in Deutschland“ heraus. Diese Umfrage umfasst rund 40000 registrierte Personen ab 16 Jahren, die aus Daten der Einwohnermeldebehörden zufällig ermittelt wurden. Damit bildet die Studie einen guten Querschnitt der deutschen Bevölkerung ab. So erlaubt sie genaue Aussagen, auch aufgeschlüsselt nach Wohnsituation, Einkommen, Bildung und Co.
Susanne Jordan, Gesundheitswissenschaftlerin vom RKI, warnt: Auch Menschen mit mittlerem und einige mit hohem Bildungsniveau besitzen eine geringe Gesundheitskompetenz. Zusätzlich gebe es gezielte Falschinformationen. Und Deutschland besitzt ein sehr komplexes Gesundheitssystem. Selbst die Grundlagen einer gesunden Ernährung sind über der Hälfte aller Männer und mehr als einem Drittel aller Frauen nicht ausreichend bekannt.
Gründe dafür sind einerseits mangelnde Gesundheitsinformation. Aber:
„ich muss es mir auch leisten können“,
betont Ingrid Fuchs vom Fachgebiet „Körperliche Gesundheit“ am RKI. Gemüse, meint sie, sei „mittlerweile durchaus eine Investition“.
Gesund ernähren:
Soziales Gefälle bei Gesundheitsinformation
Gesundheitsinformation ist in Deutschland ungleich verteilt. Das hat sich in den letzten Jahren sogar noch verstärkt. Wenig Verdienst, ein schlechteres Wohnumfeld oder niedriger Bildungsstatus gehen oft einher mit schlechterer körperlicher und psychischer Gesundheit.
Niedrige Bildung bedeutet eine fast doppelt so hohe Häufigkeit von Diabetes. Auch Depressionen und Angstsymptome, chronische Erkrankungen und andere körperliche Einschränkungen betreffen diese Menschen häufiger. Die Gesundheitsinformation muss dringend besser werden, fordern Experten.
Aber nicht nur Gesundheitskompetenz ist wichtig: Auch soziale Probleme müssen angepackt werden. So schätzen nur rund 50 Prozent aller geringer Gebildeten ihre eigene Gesundheit als „gut“ ein. Insgesamt gilt das aber für mehr als zwei Drittel.
Menschen mit gleichem Einkommen und Bildungsniveau sind übrigens laut den Daten häufiger in einem schlechteren Gesundheitszustand, wenn sie in stark benachteiligten Wohnsituationen leben. Hier könnten städteplanerische Maßnahmen helfen, Lärm und Luftverschmutzung zu verringern, während gezielte Angebote den Zugang zu Gesundheitsinformation erleichtern.
Mehr Gesundheitswissen durch gezielte Angebote
Um das Gesundheitswissen besser in der Bevölkerung zu verteilen, können verschiedene Maßnahmen helfen, so das RKI. Bessere Informations- und Bildungsangebote sollen die Gesundheitskompetenz gezielt steigern. Das führt dann dazu, dass Patienten stärker eingebunden werden.
Denn um gezielt nachfragen zu können, wenn man zum Beispiel im Arztgespräch etwas nicht verstanden hat, braucht es Gesundheitswissen. Und da liegt laut Judith Fuchs vieles im Argen. Neben mehr Gesundheitskompetenz könnten seien aber auch Maßnahmen wie eine Zuckersteuer oder die Erhöhung der Tabaksteuer „noch nicht ganz ausgereizt“, meint sie.
Andere Länder in Europa haben längst erkannt, dass Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung wichtig ist, und haben Deutschland überholt. In Österreich beispielsweise steht seit mehreren Jahren das „Gesundheitsziel Gesundheitskompetenz“ auf der politischen Agenda. Und das zeigt Wirkung: Bereits 2019 hat unser Nachbarland uns in diesem Bereich überholt.
In Bezug auf Gesundheitswissen zu Alkohol, Tabak und Ernährung rangiert Deutschland laut Public Health Index der AOK übrigens auf den hinteren Rängen in Europa. In Sachen Gesundheitskompetenz besteht in Deutschland also dringend Nachholbedarf.
Quellen:
https://www.tagesschau.de/wissen/gesundheit/rki-gesundheitspanel-100.html
https://www.aok.de/pp/public-health/index
https://www.rki.de/DE/Themen/Forschung-und-Forschungsdaten/Sentinels-Surveillance-Panel/Panel/faktenblaetter.html?nn=16776990











