Eine Frau liegt schlaflos im Bett und hält sich die Hand auf das Gesicht.© kieferpix/iStock/Getty Images Plus
Mit Schmerzen schläft es sich schlecht, und schlechter Schlaf macht schmerzempfindlicher. Doch vielleicht wird Melatonin nicht allein deshalb bei chronischem Schmerz untersucht.

Schlafhormon

MELATONIN KANN GEGEN SCHMERZEN HELFEN

Melatonin als Nahrungsergänzung begegnet einem überall. Das „Schlafhormon“ erfreut sich wachsender Beliebtheit gegen Ein- und Durchschlafstörungen. Untersuchungen zeigen jetzt, dass es vielleicht noch mehr kann.

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Eine große Übersichtsstudie aus Australien untersuchte Daten von 2000 Personen aus insgesamt 23 randomisierten Studien. Melatonin kam dabei in unterschiedlichsten Dosen zum Einsatz bei Personen, die unter chronischen Schmerzen verschiedener Art litten.

Das Team aus Sydney fand positive Effekte von Melatonin, warnt aber vor Selbstversuchen. Werfen wir einen Blick auf die Studie.

Melatonin hilft nicht nur beim Schlafen

Die Wirkung von Melatonin auf chronische Schmerzen untersuchten Kangchao Wu und sein Team von der University of Sydney. Die an der Studie teilnehmenden Personen litten an chronischen Rückenschmerzen, Arthrose, Fibromyalgie oder chronischen Schmerzen nach Operationen.

Auf einer Schmerzskala von 0 bis 100 Punkten senkte die Einnahme von Melatonin die Schmerzempfindung um durchschnittlich neun Punkte. Das klingt unspektakulär, entspricht aber der Wirkung von Paracetamol, NSAR oder sogar leichten Opioiden.

Das Interessante: Eine lineare Dosis-Wirkungs-Beziehung fand das Team nicht. In manchen Studien wirkte eine geringere Dosis Melatonin vergleichbar oder sogar besser als eine höhere. Die Nebenwirkungen hielten sich in engen Grenzen und bestanden in erster Linie aus Übelkeit oder Kopfschmerzen.

Die angewendeten Dosen bewegten sich zwischen einem und zehn Milligramm Melatonin.

Unter Melatonin berichteten zudem mehr Personen über bessere Schlafqualität. Das könnte zusammenhängen mit der verminderten Schmerzintensität, meint Wu: „Bei vielen Patienten treten Schmerzen nicht isoliert auf, sondern stehen in engem Zusammenhang mit schlechtem Schlaf.“

Man kennt es: Wer schlecht geschlafen hat, reagiert mitunter auf viele Reize sensibler. Die Einnahme von Melatonin, die den Schlaf verbessert, könnte so auch positiv auf chronische Schmerzen wirken.

Keine Experimente bei chronischen Schmerzen!

Auch wenn bei chronischen Schmerzen Melatonin helfen könnte, kann das Team keine generelle Empfehlung aussprechen. Im Gegenteil: Wu warnt vor Selbstversuchen. Bei chronischen Schmerzen sollte vor der Anwendung von Melatonin stets ärztlicher Rat in Anspruch genommen werden.

Melatonin sei im Vergleich zu vielen Schmerzmitteln aber gut verträglich. Gerade bei chronischen Schmerzen werden oft Schmerzmittel mit höheren Risiken oder Abhängigkeitspotenzial eingesetzt. Diese ließen sich durch Melatonin möglicherweise reduzieren.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist auf mögliche Neben- und Wechselwirkungen von Melatonin hin. So drohen ein Abfall von Blutdruck und Körpertemperatur sowie Blutzuckerschwankungen. Bei Vorerkrankungen sollte Melatonin nur nach ärztlicher Rücksprache zum Einsatz kommen. Auch Wechselwirkungen kommen vor: Die Antibabypille hemmt beispielsweise den Abbau von Melatonin.

Ob besserer Schlaf durch Melatonin oder sogar eine direkte Wirkung auf chronische Schmerzen: Weitere Studien müssen zeigen, ob sich die Ergebnisse bestätigen.

Quellen:
https://wissenschaft.de/artikel/melatonin-koennte-chronische-schmerzen-lindern
Puterflam, J., Lin, J., Wu, K., Beckenkamp, P. R., Ferreira, M. L., Zhang, H., Ferreira, P., Hall, M., Ho, T. H., Grunstein, R., Bruun, K. D., & Gordon, C.: „Efficacy and effectiveness of melatonin for the management of musculoskeletal pain: a systematic review and meta-analysis of placebo and active controlled trials“, Pain, 30. Juni 2026. https://doi.org/10.1097/j.pain.0000000000004045

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