Bakterienkultur in einer Petrischale; im Hintergrund liegen weitere Petrischalen und Blutproben für Antibiogramme.© jarun011/iStock/Getty Images Plus
Eine Bakterienkultur anzuzüchten kostet Zeit, die Menschen mit schweren Infektionen oft nicht haben.

Schnell und günstig

BAKTERIEN UND CO: NACHWEIS IM BLUT DURCH NEUE METHODE

Wenn Bakterien schwere Infektionen verursachen, zählt beim Nachweis des Erregers jede Stunde. Nur so wissen Ärzte, welchen Keim sie bekämpfen müssen und können das geeignete Antibiotikum auswählen. Eine neue Methode soll helfen, Zeit und Geld zu sparen.

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Bei schweren Infektionen muss möglichst schnell festgestellt werden, welche Bakterien, Pilze oder Viren vorliegen. Ein Nachweis findet meist über eine Kultur statt, bei der die Keime angezüchtet werden müssen. Das kostet wertvolle Zeit.

Oft beginnen Ärzte daher vorher schon eine Behandlung mit Antibiotika. Diese aber erschwert den Nachweis. Eine neue Methode zeigt: Im Blut lassen sich DNA-Bestandteile der Erreger binnen Stunden nachweisen. Und das auch, wenn schon eine Antibiose läuft.

Bakterien-Nachweis durch DNA-Fragmente

Um Bakterien und andere Mikroorganismen sicher nachzuweisen und zu bestimmen, nutzt man bisher zeitaufwendige Kulturverfahren. Forschende der Uniklinik Jena um Dr. Micha Banz vom Institut für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene wollen das ändern. Sie haben ein Verfahren entwickelt, das mikrobielle zellfreie DNA aus Blutplasma nutzt, um Bakterien und andere Erreger nachzuweisen, und das schnell und günstig.

Für den Nachweis werden kleinste Erbgutfragmente aus dem Blut Erkrankter isoliert und durch Anbringen spezifischer Adapter in eine Sequenzierbibliothek überführt. Mit Hilfe von Nanopore-Sequenzierung lassen sich dann Bakterien und Co. direkt nachweisen.

Testdaten stützen das Verfahren

Banz und sein Team führten eine Pilotstudie an 18 Patienten mit Blutstrominfektionen oder dem Verdacht auf infektiöse Herzklappenentzündung durch. In 16 Fällen war das Ergebnis des neuen Verfahrens identisch mit der klinischen Diagnose. Und mehr noch: In zwei Fällen konnte die neue Technik gefährliche Bakterien vom Typ Staphylococcus aureus nachweisen, obwohl die Blutkultur keinen Befund ergab.

Bei den Betroffenen hatte sich eine Herzklappe entzündet. Das kann lebensgefährliche Folgen haben und erfordert deshalb schnellstens die richtige Behandlung.

Diagnose von Infekten bald sicherer und schneller?

Die schnelle Diagnose von Infekten kann für Betroffene entscheidend sein. Bei schweren Infektionen zählt jede Stunde, weil sich die Erreger exponentiell vermehren. Eine Blutkultur benötigt mehrere Tage im Brutschrank, bis man das Bakterium sicher nachweisen kann. Erst dann ist sicher, welches Antibiotikum optimal wirkt.

Ärzte verabreichen aber meist schon sofort eines, von dem sie eine gewisse Wirkung erwarten, und dieses kann wiederum die Ergebnisse der Kultur verfälschen. Das neue Verfahren soll die Diagnose von Infekten beschleunigen. Denn es vergehen nur rund zwölf Stunden bis zum Ergebnis.

Verlaufskontrolle möglich

Aber nicht nur für die Diagnose von Infekten, auch für die Verlaufskontrolle eignet sich die Technik. So lassen sich Bakterien noch bis zu 16 Tage nach Beginn einer Antibiose nachweisen. Das Verfahren eignet sich also, um Antibiotikatherapien sinnvoller zu steuern und die Behandlung zu beenden, sobald der Infekt ausgeheilt ist. So lassen sich Antibiotika sparen, glaubt das Team.

Kosten senken

Derzeit kostet ein Bakterien-Nachweis mit dem neuen Verfahren noch rund 100 bis 120 Euro für Material und liegt über dem Preis einer Blutkultur. Andere DNA-Spezialverfahren sind aber deutlich teurer.  Banz und sein Team machen ihre Methode mit Absicht öffentlich einsehbar. So sollen andere Forschende dazu beitragen, das Verfahren zu verbessern. Möglicherweise hilft das, Bakterien und Co. schneller nachweisen zu können.

Quellen:
https://idw-online.de/de/news873544
Banz, M., Hagel, S., Freiburger, S. et al.: „Microbial cell-free DNA for rapid pathogen identification in clinical diagnostics: a proof of concept study”, Genome Medicine, 19. Juni 2026. https://doi.org/10.1186/s13073-026-01700-3

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