Mann, der einen Joint mit Cannabis dreht © Francisco Javier Mares Guardiola / iStock / Getty Images Plus
Eine neue Studie zeigt: Je kommerzieller der Cannabis-Markt, desto höher sind die gesundheitlichen Risiken.

Gesundheitliche Folgen

KOMMERZIELLE MÄRKTE BERGEN HOHE CANNABIS-RISIKEN

Zwischen hartem Verbot und freiem Verkauf: Forscher*innen haben die Cannabis-Politik verschiedener Länder analysiert. Für die Risiken scheint vor allem die Art der Legalisierung entscheidend zu sein.

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Was hat es für gesundheitliche Auswirkungen, wenn Cannabis legal konsumiert werden kann? Diese Frage zu den Risiken wurde heftig diskutiert, bevor vor gut zwei Jahren Cannabis in Deutschland teilweise legalisiert wurde. Nun hat sich ein Forschungsteam der britischen Universität Bath gemeinsam mit internationalen Kolleg*innen dieser Frage gewidmet. Sie haben Forschungsergebnisse der vergangenen Jahre dazu gebündelt und systematisch ausgewertet.

Aus den im Fachjournal „The Lancet Psychiatry“ veröffentlichten Ergebnissen lassen sich einige Tendenzen ableiten. Ein Hauptbefund der Studie: Eine gewisse Legalisierung geht nicht zwangsläufig mit erhöhtem Konsum einher. Dennoch steigen die Risiken von Cannabis für einen problematischen Konsum, wenn die Legalisierung einen stark kommerzialisierten Markt hervorbringt. Die USA und Kanada gelten dem Team zufolge als Beispiele für solche Märkte mit speziellen Shops, was die Cannabis-Risiken deutlich erhöht.

Mehr Probleme durch kommerzialisierte Märkte

Ob Länder den Besitz, Konsum und Verkauf von Cannabis verbieten oder erlauben, variiert weltweit sehr stark und entwickelt sich stetig weiter. Das Team schaute sich an, wie sich Änderungen in der Cannabis-Politik zwischen 2000 und 2025 ausgewirkt haben. Hauptautor Tom Freeman hält fest: „Wir haben kaum Anhaltspunkte für Veränderungen im Konsum nach der Entkriminalisierung oder einer streng kontrollierten Legalisierung gefunden.“ Anders sei dies im Fall von Kanada und den USA, wo man weitreichendere Veränderungen und damit verbundene Cannabis-Risiken festgestellt habe.

Problematischer Konsum von Cannabis nahm in den USA und Kanada besonders zu, wenn sich der Verkauf im Einzelhandel ausweitete. In diesen Ländern mit gewinnorientierten Märkten habe der Konsum zugenommen, stellt das Team fest, wodurch auch die Risiken durch Cannabis wachsen. Auch der Wirkstoffgehalt des konsumierten Cannabis habe sich seit der Legalisierung erhöht. Das gilt auch für den Anteil der Erwachsenen mit einer Cannabis-Sucht.

Keine Effekte bei begrenzter Legalisierung

In Europa, Afrika und Ozeanien konnten die Forscher*innen keine direkten Zusammenhänge zwischen Schritten in Richtung Legalisierung und einer Veränderung des Konsums belegen. Das Team führt dies darauf zurück, dass dortige Änderungen in der Cannabis-Politik deutlich kleiner und begrenzter ausfielen, was die Risiken offenbar eindämmt. Im April 2024 wurde Cannabis in Deutschland teilweise legalisiert. Erlaubt ist der Anbau von bis zu drei Pflanzen in Privatwohnungen.

Zuhause dürfen Erwachsene bis zu 50 Gramm (g) Cannabis haben, unterwegs sind 25 g erlaubt. Studienautor Freeman erklärt, man habe für Deutschland mit Stand 2025 keine signifikanten Veränderungen im Cannabis-Konsum seit der Legalisierung feststellen können. Wegen der kurzen Zeitspanne sei jedoch eine weitere Bewertung der Risiken notwendig. Der geringe Grad der Kommerzialisierung könnte jedoch Veränderungen des Konsums auch begrenzen.

Cannabis birgt Gefahren besonders fĂĽr JĂĽngere

„Angesichts der sich rasch wandelnden globalen Cannabis-Politik ist es zunehmend wichtiger, sich zu fragen, wie sich die Politik ändern wird, anstatt ob sie sich überhaupt ändern wird“, so Freeman. Die Cannabis-Risiken betreffen besonders jüngere Altersgruppen in erheblichem Maß. So warnt etwa das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, der Konsum könne die Entwicklung des Gehirns beeinträchtigen. Dies kann zu Konzentrations- und Gedächtnisproblemen führen und die Gesundheit langfristig gefährden.

Studien belegen einen Zusammenhang zwischen Cannabis-Konsum von Jugendlichen und psychotischen Störungen, was zu den schwerwiegendsten Risiken von Cannabis zählt. Laut einer 2024 im Fachjournal „Psychological Medicine“ vorgestellten Studie haben die meisten betroffenen Jugendlichen eine Vorgeschichte mit Cannabiskonsum. Der Zusammenhang zwischen Cannabis im Jugendalter und psychotischen Störungen könnte demnach sogar noch stärker sein als zuvor angenommen, weshalb die Cannabis-Risiken nicht unterschätzt werden dürfen.

Quelle: dpa

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