Kunststoffverpackungen von Zäpfchen, ein Hartfett-Zäpfchen steht aufrecht.© AtlasStudio/iStock/Getty Images Plus
Zäpfchen können Sie entweder in Metallformen oder direkt in Kunststoffgießfolien gießen – beides hat Vor- und Nachteile.

Galenische Übungen

ZÄPFCHEN HERSTELLEN: GRUNDLAGEN UND MÜNZEL-VERFAHREN

Zäpfchen herstellen gehört in der Rezeptur zu den klassischen galenischen Tätigkeiten. Zäpfchen, fachsprachlich Suppositorien, sind feste, einzeldosierte Arzneiformen zur rektalen Anwendung. Sie können lokal wirken oder nach Resorption über die Rektalschleimhaut systemische Effekte entfalten. Im Rezepturalltag stehen vor allem rektal angewendete Zäpfchen im Mittelpunkt.

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Das Herstellen von Zäpfchen wird besonders dann relevant, wenn orale Arzneiformen nicht geeignet sind, etwa bei Schluckbeschwerden, Erbrechen oder in der Pädiatrie. Für Erwachsene liegt die benötigte Masse an Hartfett meist bei zwei Gramm, für Kinder meist bei einem Gramm.

Vor jeder Herstellung sind Wirkstoff, Grundlage, Gießform, Aufbrauchfrist, Kennzeichnung und Arbeitsschutz im Rahmen der Plausibilitätsprüfung festzulegen. Erst danach wird entschieden, welche Zäpfchengrundlagen und welche Herstellung zur jeweiligen Rezeptur passen.

Zäpfchengrundlagen richtig wählen

Wer Zäpfchen herstellen will, muss zuerst die geeigneten Grundlagen auswählen. Es kommen sowohl lipophile als auch hydrophile Zäpfchengrundlagen in Betracht. Zu den lipophilen Grundlagen zählen vor allem Hartfett und, heute nur noch selten benutzt, Kakaobutter. Zu den hydrophilen Grundlagen gehören Macrogolmassen sowie Glycerol-Gelatine-Grundlagen, die vor allem für vaginale Zubereitungen relevant sind.

Welche Grundlagen geeignet sind, hängt vom Wirkstoff, vom gewünschten Freisetzungsverhalten und von der praktischen Verarbeitung ab. Lipophile Stoffe geben den Wirkstoff durch Schmelzen bei Körpertemperatur frei. Hydrophile Zäpfchengrundlagen lösen sich dagegen in der Rektalflüssigkeit. Wer Zäpfchen herstellen will, muss außerdem prüfen, ob der Wirkstoff gelöst oder suspendiert vorliegt und ob Wechselwirkungen mit der Grundlage möglich sind.

Kakaobutter spielt heute nur noch eine untergeordnete Rolle. Sie ist oxidationsempfindlich, temperaturkritisch in der Verarbeitung und besitzt nur ein geringes Emulgiervermögen. Macrogolmassen haben als Zäpfchengrundlagen ein gutes Lösevermögen für viele Wirkstoffe und sind formstabiler. Sie können aber hygroskopisch sein, lokal reizen und zeigen zahlreiche Unverträglichkeiten. Beim Herstellen in der Praxis ist Hartfett deshalb die Standardgrundlage für rektale Zäpfchen.

Hartfett: Standardgrundlage für Zäpfchen

Hartfett ist in der Praxis die Standardgrundlage, wenn Apotheken Zäpfchen herstellen. Das synthetische Gemisch aus Mono-, Di- und Triglyceriden gesättigter Fettsäuren ist oxidationsstabil, gut lagerfähig und technologisch robust. Zugleich liegt der Schmelzbereich so, dass Hartfett im Rektum schmilzt und den Wirkstoff freisetzen kann. Deshalb werden viele Rezepturen als Zäpfchen auf Hartfettbasis ausgeführt.

Für die Plausibilitätsprüfung ist entscheidend, dass sich Hartfett je nach Hydroxylzahl unterschiedlich verhält.

  • Hartfette mit höherer Hydroxylzahl benetzen Feststoffe besser und nehmen hydrophile Flüssigkeiten besser auf, können aber mit bestimmten Wirkstoffen reaktiver sein.
  • Hartfette mit niedriger Hydroxylzahl sind chemisch oft günstiger, zeigen jedoch schwächere Emulgatoreigenschaften.

Wer Zäpfchen herstellen will, muss deshalb prüfen, ob Feststoffanteil, lipophile Zusätze oder empfindliche Wirkstoffe die Wahl von Hartfett beeinflussen.

Auch bei bei dieser Grundlage entscheidet die Teilchengröße suspendierter Wirkstoffe über die Qualität. Die Wirkstoffe sollten fein gepulvert oder mikronisiert vorliegen, damit sich Hartfett und Arzneistoff beim Herstellen von Zäpfchen gleichmäßig verarbeiten lassen. Im fertigen Zäpfchen dürfen weder Pulvernester noch Luftblasen oder Kristallnester sichtbar sein.

Zäpfchen herstellen heißt bei Hartfett deshalb immer auch, Sedimentation in die Spitze konsequent zu vermeiden.

Hartfett: Gießformen und Cremeschmelze

Das Herstellen von Zäpfchen erfolgt in der Apotheke in der Regel im Gießverfahren. Gegossen wird entweder in Metallgießformen oder in Kunststoffgießfolien.

  • Metallformen erlauben eine gute Sichtkontrolle und eine rasche Erstarrung,
  • Kunststoffgießfolien verbinden Gießform und Primärpackmittel.

Gerade bei Hartfett ist die Wahl der Form für Abkühlung, Entformung und Endkontrolle bedeutsam.

Meist wird mit dem Cremeschmelzverfahren gearbeitet. Dabei wird Hartfett zunächst auf dem Wasserbad bei etwa 40 Grad Celsius geschmolzen und vor dem Ausgießen wieder bis in den cremigen Bereich abgekühlt. Diese Vorgehensweise ist schonender als das Klarschmelzverfahren und verringert die Gefahr, dass suspendierte Wirkstoffe zu schnell sedimentieren. Wer Zäpfchen herstellen will, sollte außerdem Luftblasen, Gießkanäle und Trichterbildung vermeiden, da sonst Dosiergenauigkeit und Qualität leiden. Das Aufschmelzen von Hartfett bei höheren Temperaturen bringt außer einer leichten Zeitersparnis beim Aufschmelzen keine Vorteile, da die Abkühlphase dann nur um so länger dauert.

Vor Beginn der Herstellung müssen freigegebene Ausgangsstoffe, Gießform, Kennzeichnung, Aufbrauchfrist und Arbeitsschutz festgelegt sein. Die BAK-Standards unterscheiden beim Herstellen von Zäpfchen zwischen Tätigkeiten mit und ohne CMR-Stoffe. Je nach Gefährdung sind persönliche Schutzausrüstung, Beschäftigungsverbote und organisatorische Schutzmaßnahmen zu beachten. Auch diese Punkte gehören zur Vorbereitung, wenn Apotheken Zäpfchen herstellen.

Zäpfchen herstellen mit dem Münzel-Verfahren

Das Münzel-Verfahren wird dann relevant, wenn Zäpfchen mit löslichen, teilweise löslichen oder flüssigen Stoffen hergestellt werden oder wenn Verdrängungsfaktor und Eichwert nicht sicher vorliegen.

  1. Beim Münzel-Verfahren wird die gesamte benötigte Wirkstoffmenge zunächst mit nur so viel geschmolzenem Hartfett verarbeitet, dass eine gut gießfähige Masse entsteht.
  2. Diese Masse wird so auf die Bohrungen verteilt, dass keine Bohrung vollständig gefüllt ist, der Wirkstoff aber bereits auf die vorgesehenen Zäpfchen verteilt wird.
  3. Beim Herstellen von Zäpfchen nach dem Münzel-Verfahren werden die Bohrungen anschließend mit reiner Grundlage aufgefüllt.
  4. Nach dem Erstarren der Zäpfchen wird die Gießschwarte entfernt.
  5. Die erhaltenen Zäpfchen werden entnommen, erneut eingeschmolzen, homogenisiert
  6. und erst dann endgültig ausgegossen.

Beim Münzel-Verfahren wird ein sogenanntes Verlust- oder Überschuss- Zäpfchen beim Herstellen mitberechnet, weil die Herstellung nicht verlustfrei abläuft. Das zusätzliche Zäpfchen dient dazu, die unvermeidbaren Herstellungsverluste an Hartfett und Wirkstoff auszugleichen.

Dazu zählen vor allem:

  • Masse, die in der Gießschale oder am Rührgerät zurückbleibt,
  • Verluste beim Umfüllen und erneuten Einschmelzen,
  • und vor allem die Gießschwarte, die nach dem ersten Guss entfernt und verworfen wird.

Gerade beim Zäpfchen herstellen nach dem Münzel-Verfahren ist dieses zusätzliche Zäpfchen wichtig, weil der Ansatz zweimal verarbeitet wird. Ohne ein zusätzlich berechnetes Zäpfchen würde die Masse am Ende häufig nicht ausreichen, um die verordnete Stückzahl vollständig und korrekt dosiert herzustellen.

Wichtig ist dabei auch die galenische Idee hinter dem Verfahren: Die erste Gießschwarte soll aus Hartfett bestehen und möglichst keinen Wirkstoff enthalten, weil der wirkstoffhaltige Anteil anfangs nur so dosiert eingebracht wird, dass die Bohrungen noch nicht vollständig gefüllt sind. Man benötigt das Verlustzäpfchen, damit nach Entfernen der Gießschwarte aus Hartfett, erneutem Einschmelzen und erneutem Ausgießen noch genügend Gesamtmasse für die gewünschte Zahl an Endzäpfchen vorhanden ist.

Das Verfahren ist aufwendig, kann aber hilfreich sein, wenn sich Zäpfchen beim Herstellen sonst nicht sicher dosieren lassen. Für thermolabile Wirkstoffe ist das Münzel-Verfahren jedoch ungünstig, weil Hartfett und Wirkstoff zweimal erwärmt werden.

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