Schadet Serotonin?
TINNITUS DURCH ANTIDEPRESSIVA: DAS STECKT DAHINTER
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Serotonin gilt bekanntlich als Glückshormon. Zu niedrige Spiegel im Gehirn führen zu Depressionen, weshalb Serotonin-Wiederaufnahmehemmer zu den gängigsten Antidepressiva zählen. Sie erhöhen die Konzentration des Botenstoffes im synaptischen Spalt und bekämpfen die Beschwerden meist rasch.
Als bekannte Nebenwirkung kann aber ein Tinnitus (also lästige bis quälende Ohrgeräusche) auftreten oder ein bestehender sich verstärken. Forschende aus China und den USA fanden jetzt heraus, wie genau Serotonin Tinnitus verschlimmern kann.
Tinnitus durch Serotonin
Tinnitus als Nebenwirkung von Antidepressiva, die in den Serotonin-Stoffwechsel eingreifen, ist bekannt. Forschende um Meng-Ting Yu von der Anhui Universität in China und Laurence Tussel von der Oregon Health and Science University in Portland, USA, fanden Genaueres heraus.
Sie lösten in Mäusen künstlich einen Tinnitus aus und wiesen nach, dass bei ihnen das Serotonin-System gestört war. Wichtige auditorische Hirnregionen, die für die Weiterleitung von Hörsignalen zuständig sind, waren überaktiv und wiesen ähnliche Muster auf wie bei Menschen mit Tinnitus. Durch ein komplexes gentechnisches Verfahren, die Optogenetik, aktivierten die Forschenden gezielt serotonerge Nervenzellen in diesen Hirnregionen und analysierten die Veränderungen im Gehirn und im Verhalten der betroffenen Mäuse.
Dabei zeigte sich: Serotonin verstärkte die Hyperaktivität der Hirnregionen, die bei Tinnitus ursächlich zu sein scheint, weiter. In Tests hörten die Mäuse zwar Außengeräusche, nahmen Stille aber nicht mehr als solche wahr: Symptome, die bei Menschen als Tinnitus eingestuft würden. Eine Hemmung der Serotonin-Signalwege in auditorischen Hirnbereichen verringerte die Anzeichen für Ohrgeräusche.
Antidepressiva bei Tinnitus sorgfältig wählen
Weil die häufig als Antidepressiva eingesetzten Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) die Konzentration von Serotonin im synaptischen Spalt erhöhen, können sie einen Tinnitus auslösen oder verstärken, so die Forschenden. Denn die Antidepressiva unterscheiden nicht, in welche neuronalen Schaltkreisen sie gebraucht werden und in welchen nicht. Während in den für die Verarbeitung von Emotionen zuständigen Bereichen zu wenig Serotonin zu Depressionen führt, kann ein Überschuss in auditorischen Bereichen Tinnitus begünstigen.
Die Studie unterstreicht also, wie wichtig die Wahl des passenden Wirkstoffes bei Antidepressiva ist. Besteht ein Tinnitus, sollten Betroffene bei der Einnahme von SSRI besonders auf Veränderungen achten und Ärzte diese Berichte ernster nehmen, meint das Team. Tritt Tinnitus als Nebenwirkung der verordneten Antidepressiva auf, sollten Betroffene das unbedingt ansprechen.
Serotonin: Wirkung bald steuerbar?
Die Forschenden sind sich einig: Serotonin als Glückshormon kann in den auditorischen Hirnbereichen auch ungünstig wirken und Tinnitus auslösen oder verschlimmern. Sie hoffen, dass vielleicht in Zukunft eine Trennung der positiven Wirkungen von Antidepressiva von den negativen Einflüssen auf das Gehirn stattfindet. So könnten zell- oder hirnregionsspezifische Medikamente entwickelt werden, die Serotonin gezielt an die Stellen bringen, wo es gebraucht wird.
Quelle: Bild der Wissenschaft












