Gesicht einer Frau, die sich mit einer Hand Nasenspray in die Nase sprĂŒht© dolgachov / iStock / Getty Images Plus
Azelastin gehört zu den H1-Antihistaminika der zweiten Generation und wird in Form von Allergie-Nasensprays gegen Heuschnupfen verwendet. Der Wirkstoff soll laut einer Studie auch vor Virusinfektionen schĂŒtzen.

Azelastin

WIE EIN ALLERGIE-NASENSPRAY VOR EINER CORONA-INFEKTION SCHÜTZEN KÖNNTE

Allergie-Nasensprays dominieren von FrĂŒhjahr bis SpĂ€tsommer die Sichtwahl. Doch dank einer Entdeckung der UniversitĂ€t des Saarlandes könnten Nasensprays mit dem Wirkstoff Azelastin bald ganzjĂ€hrig prĂ€sent sein. Sie sollen nĂ€mlich vor Virusinfektionen schĂŒtzen.

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Azelastin gehört zu den H1-Antihistaminika der zweiten Generation und wird in Form von Allergie-Nasensprays gegen Heuschnupfen verwendet. Da es gut vertrĂ€glich ist, kann es prinzipiell dauerhaft angewendet werden, jedoch nicht lĂ€nger als sechs Monate ohne Ă€rztlichen Rat.

In der Regel werden die Allergie-Nasensprays so lange benutzt, wie Betroffene dem Allergen ausgesetzt sind. Doch das könnte sich bald Ă€ndern – wenden Menschen kĂŒnftig Azelastin vorbeugend an? Und dann gar nicht gegen Heuschnupfen, sondern Viren?

Nasenspray gegen Corona

Genauer gesagt gegen das Corona-Virus SARS-CoV-2. Ein Forschungsteam um Prof. Dr. Dr. Robert Bals von der UniversitÀt des Saarlandes untersuchte in einer Placebo-kontrollierten Studie (CONTAIN) an 450 gesunden Teilnehmenden, ob die Anwendung von Allergie-Nasensprays mit dem Wirkstoff Azelastin das Risiko einer Corona-Infektion beeinflusst.

DafĂŒr erhielten 227 Personen dreimal tĂ€glich Azelastin, 223 Personen sprĂŒhten sich dreimal tĂ€glich Placebo in die Nase. „2,2 Prozent der Azelastin-Gruppe hat sich im Beobachtungszeitraum mit SARS-CoV-2 infiziert, in der Kontrollgruppe, die das Placebo erhielt, war der Anteil mit 6,7 Prozent infizierter Personen dreimal so hoch“, fasst Robert Bals zusammen.

Weniger Corona-Infektionen, milderer Verlauf

In der Studie fiel nicht nur auf, dass ein Allergie-Nasenspray das Risiko fĂŒr eine Corona-Infektion sinken lĂ€sst, sondern dass es bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 zu weniger symptomatischen VerlĂ€ufen kommt. Die Azelastin-Gruppe zeigte zudem insgesamt weniger nachgewiesene Atemwegsinfektionen, auch eine niedrigere Rate an Infektionen mit dem Rhinovirus.

Das Rhinovirus gehört zu dem am meisten verbreitenden Viren beim Menschen. Jede zweite ErkĂ€ltung geht auf das Konto dieser Viren. In der Gruppe, die ein Allergie-Nasenspray mit Azelastin erhielten, entwickelten nur 1,8 Prozent eine Rhinovirus-Infektion, in der Kontrollgruppe waren es 6,3 Prozent.

Allergie-Nasenspray fĂŒr Risikopatienten

Die Forschungsgruppe sieht großes Potenzial in der Anwendung von Azelastin, nicht nur zur Vorbeugung von Corona-Infektionen, sondern generell als „On-Demand“-Prophylaxe gegenĂŒber Atemwegserregern. Folgestudien sollen folgen. Bals sieht eine kĂŒnftige praktische medizinische Nutzung vor allem fĂŒr Risikopatienten:

„Insbesondere fĂŒr Risikogruppen, in Hochinzidenzphasen oder bei bevorstehenden Reisen könnte das Nasenspray eine einfach zugĂ€ngliche ErgĂ€nzung zu bestehenden Schutzmaßnahmen darstellen.“

 

Quelle:

www.uni-saarland.de/aktuell/nasenspray-azelastin-wirkung-corona-39343.html.

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