Mikroskopische Ansicht von Bakterien Mycobacterium tuberculosis Erreger der Tuberkulose © Gilnature / iStock / Getty Images Plus
Tuberkulose ist eine weltweit verbreitete, durch Mykobakterien verursachte Infektionskrankheit, die meist die Lunge betrifft.

Welt-Tuberkulose-Tag

TUBERKULOSE IN EUROPA: MEHR RESISTENZEN DURCH SPÄTE DIAGNOSE

Jeder fĂŒnfte Fall von Tuberkulose in Europa bleibt unerkannt – mit Folgen fĂŒr die Ausbreitung und Resistenzentwicklung. Warum vor allem Rifampicin resistente Tuberkulose zunimmt und welche Rolle Tuberkulose Symptome fĂŒr die FrĂŒherkennung spielen, lesen Sie hier.

Seite 1/1 3 Minuten

Seite 1/1 3 Minuten

Jede fĂŒnfte Tuberkulose Erkrankung in Europa bleibt nach SchĂ€tzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unerkannt oder wird nicht gemeldet. 2024 seien knapp 162000 FĂ€lle gemeldet worden, heißt es in einem aktuellen Bericht. TatsĂ€chlich sei von etwa 204000 Erkrankungen auszugehen.

Damit bleibt Tuberkulose in Europa ein zentrales Problem fĂŒr die öffentliche Gesundheit.

Rifampicin resistente Tuberkulose: Gefahr durch Therapieversagen

Zudem trĂ€ten Rifampicin resistente Tuberkulose-Bakterien in Europa in 23 Prozent der FĂ€lle und damit rund siebenmal hĂ€ufiger auf als im weltweiten Durchschnitt (3,2 Prozent). Das Antibiotikum Rifampicin gehört zu den Standard-Wirkstoffen gegen Tuberkulose. „Arzneimittel-resistente StĂ€mme sind wesentlich schwieriger zu behandeln, erfordern lĂ€ngere und komplexere Therapien und sind fĂŒr eine deutlich höhere Sterblichkeit verantwortlich.“ Gerade Rifampicin resistente Tuberkulose stellt Behandelnde vor große Herausforderungen.

Arzneimittel-resistente StĂ€mme sind wesentlich schwieriger zu behandeln, erfordern lĂ€ngere und komplexere Therapien und sind fĂŒr eine deutlich höhere Sterblichkeit verantwortlich.

StĂ€rkere Übertragung – mehr Resistenzen bei Tuberkulose in Europa

Beides hĂ€nge zusammen, so die WHO: „Menschen, bei denen die Diagnose erst spĂ€t gestellt wird, haben ein höheres Risiko, Tuberkulose in Europa auf andere zu ĂŒbertragen, und sind schwerer zu behandeln.“ Eine stĂ€rkere Übertragung wiederum könne zu einer höheren Zahl an Menschen fĂŒhren, bei denen die Behandlung nicht anschlage – „was ein Hauptgrund fĂŒr die Entstehung von Resistenzen ist“. Dadurch verstĂ€rkt sich die Problematik rund um Rifampicin resistente Tuberkulose weiter.

Zwar sind die Fallzahlen bei Tuberkulose in Europa seit 2015 deutlich gesunken. Doch Europa verfehle weiterhin wichtige Ziele in Bezug auf FrĂŒherkennung, Behandlung und Nachverfolgung – und damit die EindĂ€mmung der Krankheit. Zur EuropĂ€ischen Region zĂ€hlt die WHO 53 LĂ€nder, darunter neben den Staaten der EU und des EuropĂ€ischen Wirtschaftsraums (EWR) auch Großbritannien, die Ukraine, Russland und mehrere zentralasiatische LĂ€nder.

Mehr als 4000 erfasste FĂ€lle in Deutschland zeigen, dass Tuberkulose in Deutschland weiterhin relevant ist. In Deutschland gab es laut Robert Koch-Institut (RKI) im vergangenen Jahr 4070 Meldungen neu diagnostizierter Tuberkulose-Erkrankungen.

In 237 FĂ€llen waren Kinder unter 15 Jahren betroffen. Drei von vier Menschen, bei denen in Deutschland eine Tuberkulose diagnostiziert wird, sind in einem anderen Land geboren, wie es im Bericht des RKI zum Welt-Tuberkulose-Tag am heutigen Dienstag heißt. Damit bleibt Tuberkulose in Deutschland auch fĂŒr das Gesundheitswesen ein wichtiges Thema.

Tuberkulose Symptome frĂŒh erkennen

Tuberkulose Symptome spielen eine zentrale Rolle fĂŒr die FrĂŒherkennung. Tuberkulose ist nach WHO-Daten die weltweit tödlichste Infektionskrankheit in Bezug auf die Zahl jĂ€hrlicher TodesfĂ€lle.
Weltweit erkrankten 2024 etwa elf Millionen Menschen. Mehr als 1,2 Millionen Menschen starben, vor allem in ressourcenschwachen LĂ€ndern. Besonders betroffen sind LĂ€nder wie Indien, Indonesien, China, Pakistan und die Philippinen.

Tuberkulose Symptome umfassen unter anderem
- Husten,
- Brustschmerzen und
- Appetitverlust.

Die Bakterien können neben der Lunge auch andere Organe befallen. Werden Tuberkulose Symptome nicht rechtzeitig erkannt, kann die Erkrankung unbehandelt bei etwa jedem zweiten Betroffenen zum Tod fĂŒhren.

Tuberkulose ist nach WHO-Daten die weltweit tödlichste Infektionskrankheit in Bezug auf die Zahl jÀhrlicher TodesfÀlle.

Experten befĂŒrchten mehr TodesfĂ€lle durch Tuberkulose in Europa

Die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) befĂŒrchtet, dass die Zahl der TodesfĂ€lle kĂŒnftig steigen könnte. Im vergangenen Jahr sei mit den USA ein zentraler Geldgeber weggebrochen, seither könnten sich viele LĂ€nder Labortests, Röntgenuntersuchungen und spezielle Therapien nur noch eingeschrĂ€nkt leisten. Laut WHO machten die US-Gelder die HĂ€lfte der internationalen Finanzmittel in diesem Bereich aus. Studien prognostizieren, dass ihr Fehlen in den kommenden fĂŒnf Jahren bis zu elf Millionen mehr Neuerkrankungen und bis zu zwei Millionen mehr TodesfĂ€llen bedeuten könnten.

„Tuberkulose wird oft als Krankheit der Vergangenheit wahrgenommen – das Gegenteil ist richtig“, sagte DAHW-Vorstand Patrick Georga. „Wenn TB-Programme ausreichend finanziert werden, sinken die Infektionszahlen. Wenn Mittel fehlen, sterben Menschen. Es liegt am politischen Willen.“ Gerade im Kontext von Tuberkulose in Europa gewinnt diese Aussage an Bedeutung.

WHO-Ziele zu Tuberkulose Europa werden verfehlt

Tendenziell befindet sich die Tuberkulose Europa-BekĂ€mpfung auf gutem Weg: Die Neuerkrankungen sind laut WHO seit 2015 um zwölf Prozent zurĂŒckgegangen, die TodesfĂ€lle um 29 Prozent. Angestrebt waren allerdings 50 Prozent weniger Neuerkrankungen und 75 Prozent weniger TodesfĂ€lle bis 2025. Damit bleibt Tuberkulose in Europa eine der grĂ¶ĂŸten Herausforderungen im Infektionsschutz.

Der Tuberkulose-Gedenktag fÀllt auf den 24. MÀrz, weil das Bakterium am 24. MÀrz 1882 entdeckt wurde, vom Mikrobiologen Robert Koch.

Quelle: dpa

×