Antibiotikaresistenz
RESERVEANTIBIOTIKA: DAS STEHT IN DER NEUEN LEITLINIE
Seite 1/1 2 Minuten
15 Familien umfasst die aktuelle, von der Weltgesundheitsorganisation WHO veröffentlichte Liste der bedrohlichsten multiresistenten Keime. Dazu zählen Arten von Salmonellen, Shigellen und Mykoplasmen. Aber auch bekannte Problemkeime wie multiresistenter Staphylococcus aureus (MRSA) und Pseudomonas aeruginosa.
Sie verursachen oft schwere Infektionen und weisen teils mehrere Antibiotikaresistenzen auf. Damit die wenigen verfügbaren Reserveantibiotika nicht auch bald unwirksam werden, enthält die nun veröffentlichte neue Leitlinie genaue Empfehlungen für ihre Anwendung.
Reserveantibiotika nur nach genauen Tests
Um Resistenzen gegen die wenigen Reserveantibiotika zu vermeiden, steht am Anfang jeder Therapie laut Leitlinie die genaue Erregerdiagnostik. Besteht der Verdacht auf eine Infektion durch einen resistenten Keim, sollen mindestens zwei verschiedene diagnostische Verfahren den Erreger identifizieren und vorhandene Antibiotikaresistenzen ermitteln.
Weil besonders gramnegative Bakterien oft schlechter auf Antibiotika ansprechen, soll hier auch der genaue Resistenzmechanismus nachgewiesen werden.
Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang der Test auf sogenannte Metallo-Ăź-Lactamasen. Diese besonderen Typen von Bakterienenzymen inaktivieren nicht nur Beta-Lactam-Antibiotika wie Penicilline und Cephalosporine, sondern auch Reserveantibiotika aus der Gruppe der Carbapeneme.
Fällt der Test positiv aus, muss auf andere Therapieoptionen ausgewichen werden.
Welche Behandlung bei Antibiotikaresistenz?
Wird eine oder werden mehrere Antibiotikaresistenzen nachgewiesen, richtet sich die Behandlung gemäß der neuen Leitlinie nach einem strengen Schema. Schwere Infektionen mit gramnegativen multiresistenten Enterobakterien ohne vorhandene Metallo-ß-Lactamasen erfolgen in der Regel mit folgenden Reserveantibiotika:
- Ceftazidim-Avibactam, einem Cephalosporin in Kombination mit einem Beta-Lactamasehemmer
- Meropenem-Vaborbactam, ein Carbapenem mit Lactamasehemmer, oder Imipenem plus Relebactam.
Stämme von Pseudomonas aeruginosa, bei denen Antibiotikaresistenzen nachgewiesen wurden, behandelt man mit den gleichen Reserveantibiotika. Bei Vorhandensein von Metallo-ß-Lactamasen kann das Cephalosporin Cefiderocol helfen. Es besitzt an seinem Beta-Lactamring spezielle eisenbindende Strukturen, die es unempfindlich gegen Metallo-ß-Lactamasen machen.
Gegen Blutstrominfektionen und schwere Pneumonien durch MRSA helfen Vancomycin und Daptomycin. Wegen zunehmender Antibiotikaresistenzen auch gegen Vancomycin weicht man immer öfter auf das Reserveantibiotikum Linezolid aus.
Reserveantibiotika: Evidenz schwierig
Was die Leitlinie zu Reserveantibiotika besonders macht, ist der hohe Anteil an evidenzbasierten Empfehlungen. Verfügbare Studien sind nämlich nur begrenzt aussagekräftig. Wegen der schweren Krankheitsverläufe, um die es geht, lassen sich kontrollierte, randomisierte Studien ethisch schlecht vertreten. Daher mangelt es oft an methodisch hochwertigen Daten.
In Zeiten zunehmender Antibiotikaresistenzen und mangelnder Innovationen im Bereich neuer Antibiotika wird es also zunächst darauf ankommen, mit den vorhandenen Reserveantibiotika verantwortungsvoll umzugehen. Sie sollten nur zum Einsatz kommen, wenn der Erreger und seine Resistenzmechanismen genau bekannt sind.
Quellen:
https://www.pharmazeutische-zeitung.de/neue-leitlinie-zur-antibiotikatherapie-163242/
https://www.who.int/publications/i/item/9789240093461












