Weltkugel und rechts daneben eine rosa Schleife, Symbol Weltkrebstag© nicoletaionescu / iStock / Getty Images Plus
Die Ergebnisse einer neuen Studie zeigen, dass von jährlich rund 19 Millionen Krebserkrankungen weltweit rund sieben Millionen vermeidbar wären.

Weltkrebstag

VERMEIDBARE KREBSFÄLLE IM FOKUS: WAS NEUE STUDIENDATEN FÜR DEUTSCHLAND ZEIGEN

Mehr als ein Drittel aller Krebserkrankungen weltweit zählt zu den vermeidbaren Krebsfällen. Eine große Analyse zeigt, welche Rolle Krebsprävention und Risikofaktoren wie Rauchen dabei spielen – und warum Deutschland besonders betroffen ist.

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Fast 40 Prozent aller Krebserkrankungen weltweit gehen auf vermeidbare Krebsfälle zurück. Das ergibt eine aufwendige Analyse globaler Daten zu Krebsfällen und Risikofaktoren. Demnach waren Rauchen, Alkoholkonsum und Infektionen 2022 die häufigsten solchen Ursachen. Bei Frauen sind global etwa 30 Prozent aller Krebserkrankungen vermeidbar, bei Männern sogar gut 45 Prozent. Insgesamt sind es rund 38 Prozent, wie eine Gruppe um Isabelle Soerjomataram von der Internationalen Agentur für Krebsforschung in Lyon im Fachmagazin „Nature Medicine“ berichtet. Damit rücken vermeidbare Krebsfälle weltweit stärker in den Fokus der Forschung.

„Dies ist die erste globale Analyse, die aufzeigt, wie hoch das Krebsrisiko durch vermeidbare Ursachen ist“, sagt Co-Autor André Ilbawi, Leiter des Teams der Weltgesundheitsorganisation für Krebsbekämpfung. Neu im Vergleich zu ähnlichen Studien für einzelne Länder und Weltregionen ist zudem die Aufnahme von Infektionen als Krebsursache – ein wichtiger Aspekt bei der Bewertung vermeidbarer Krebsfälle.

Bei Frauen sind global etwa 30 Prozent aller Krebserkrankungen vermeidbar, bei Männern sogar gut 45 Prozent.

Krebsprävention durch Vermeidung von Infektionen

Am bekanntesten sind hier Gebärmutterhalskrebs, der vor allem durch Humane Papillomviren ausgelöst wird, und Magenkrebs, verursacht häufig durch das Bakterium Helicobacter pylori. Diese Beispiele zeigen, welches Potenzial eine gezielte Krebsprävention hat. Die Forscher nutzten weltweite Datenbanken, um die Krebsneuerkrankungen 2022 mit womöglich auslösenden Faktoren in Verbindung zu bringen. Dadurch lassen sich vermeidbare Krebsfälle besser quantifizieren und Strategien zur Krebsprävention gezielter entwickeln.

Die Situation in Deutschland: Risikofaktoren Krebs

In Deutschland gehen demnach bei Frauen 30 Prozent und bei Männern gut 39 Prozent auf vermeidbare Faktoren zurück. Allein auf Rauchen sind hierzulande bei Frauen mehr als 12 Prozent, bei Männern sogar mehr als 23 Prozent der Krebsneuerkrankungen zurückzuführen. Damit gehören diese Belastungen zu den wichtigsten Risikofaktoren für Krebs in Deutschland und erklären einen großen Teil der vermeidbaren Krebsfälle.

Weitere wichtige Ursachen sind Alkoholkonsum (Frauen 3,3 Prozent; Männer 4,9 Prozent), ein hoher Körper-Masse-Index (Frauen 6,4 Prozent; Männer 3,5 Prozent), UV-Strahlung (Frauen 3,2 Prozent; Männer 3,7 Prozent) und Infektionen (Frauen 5,6 Prozent; Männer 4,2 Prozent). Diese Zahlen verdeutlichen, wie breit gefächert die Risikofaktoren für Krebs sind und wie stark sie zu vermeidbaren Krebsfällen beitragen.

Krebsursachen Rauchen und berufliche Risiken

Bei den berufsbedingten Risiken – etwa Kontakt zu krebserregenden Stoffen – liegen Männer in Deutschland mit 5,8 Prozent deutlich vor Frauen mit 1,6 Prozent. Auch hier zeigen sich deutliche Unterschiede bei den Krebsursachen wie Rauchen und anderen arbeitsbedingten Belastungen. Zu wenig Bewegung und Luftverschmutzung spielen hingegen der Analyse zufolge hierzulande nur eine geringe Rolle. Dennoch bleibt Rauchen eine der zentralen Krebsursachen, die einen erheblichen Anteil vermeidbarer Krebsfälle erklären.

Gut 7 Millionen von 19 Millionen Erkrankungen vermeidbar

Die Studienautoren verwendeten ausschließlich Risikofaktoren mit einem nachgewiesenen ursächlichen Zusammenhang mit Krebs, bei denen es außerdem zuverlässige Daten dazu gibt, wie sehr die Bevölkerung eines Landes ihnen ausgesetzt ist. Neben verhaltensbedingten Risiken wie Rauchen betrachteten sie auch Umweltaspekte wie etwa Luftverschmutzung und berufsbedingte Risiken. Auf dieser Basis kamen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass von den weltweit insgesamt 18,7 Millionen Krebsneuerkrankungen im Jahr 2022 gut sieben Millionen vermeidbare Krebsfälle gewesen wären, wenn Risiken verringert oder beseitigt worden wären. Damit wird das enorme Potenzial globaler Krebsprävention deutlich.

Die Risiken sind nach Weltregion und Geschlecht ungleich verteilt. Bei Frauen sind in Afrika südlich der Sahara 38 Prozent aller Krebsfälle vermeidbar, in Nordafrika und Westasien dagegen nur knapp 25 Prozent. Häufigste Ursache bei den vermeidbaren Krebsfällen sind in großen Teilen Afrikas und Asiens Infektionen, was den Stellenwert der Krebsprävention zusätzlich unterstreicht.

In Europa, Australien, den USA und Kanada herrscht hingegen Rauchen als wichtiger Risikofaktor vor. Bei Männern ist der Anteil vermeidbarer Krebsfälle in Ostasien mit gut 57 Prozent am höchsten und in Lateinamerika und der Karibik mit etwa 28 Prozent am niedrigsten. Besonders deutlich wird hier der Einfluss der Krebsursachen beim Rauchen.

„Wir haben ähnliche Studien für Deutschland durchgeführt“

„Die Bekämpfung dieser vermeidbaren Ursachen stellt eine der wirksamsten Möglichkeiten dar, die globale Krebslast zu reduzieren“, sagt Studienleiterin Soerjomataram. Denn die weltweiten Krebsstatistiken der Weltgesundheitsorganisation deuten darauf hin, dass beim Fortsetzen aktueller Trends die Zahl der Krebsneuerkrankungen bis 2040 um 50 Prozent steigen könnte. „Durch die Untersuchung von Mustern in verschiedenen Ländern und Bevölkerungsgruppen können wir Regierungen und Einzelpersonen präzisere Informationen bereitstellen, um viele vermeidbare Krebsfälle von vornherein zu verhindern“, betont Ilbawi.

Ute Mons vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg bezeichnet das Vorgehen der Forscher als etablierte Methode. „Wir haben ähnliche Studien vor einigen Jahren für Deutschland durchgeführt und vergleichbare Ergebnisse erhalten“, sagt sie. Die Einschränkungen der Schätzmethode hängen ihr zufolge unter anderem damit zusammen, inwieweit sich die verfügbaren Daten vergleichen lassen.

Spannend sei an der neuen Studie, dass man nun regional unterschiedliche Muster bei den Risikofaktoren für Krebs weltweit miteinander vergleichen könne. Zudem seien die Daten zu Krankheitsfällen zugrunde gelegt worden, nicht die zur Mortalität. Dadurch seien auch jene Krebsarten mit geringerer Sterberate stärker berücksichtigt worden – ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Bewertung vermeidbarer Krebsfälle.

Quelle: dpa

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