Mann hĂ€lt Handy in der Hand. DarĂŒber rotes Warnzeichen.© Kenstocker / iStock / Getty Images Plus
Wenn Kinder etwas verschlucken, das potenziell giftig ist, sollte möglichst schnell zum Handy gegriffen werden. Aber nicht, um bei ChatGPT oder Google zu erfragen, ob eine Vergiftung möglich ist, sondern um den Giftnotruf zu kontaktieren.

Vergiftung

GIFTNOTRUF STATT KI: WARUM IM ERNSTFALL JEDE MINUTE ZÄHLT

Wenn ein Kind etwas verschluckt, zĂ€hlt jede Minute. Warum Eltern bei einer möglichen Vergiftung bei Kindern nicht erst die KI fragen, sondern sofort den Giftnotruf wĂ€hlen sollten – und welche Rolle grĂŒne Erbsen dabei spielen.

Seite 1/1 2 Minuten

Seite 1/1 2 Minuten

Die Leiterin des gemeinsamen Giftnotrufzentrums (GGIZ) mehrerer LĂ€nder rĂ€t dringend davon ab, in akuten Situationen Zeit mit kĂŒnstlicher Intelligenz (KI) und eigener Internetrecherche zu verschwenden. „Uns fĂ€llt vermehrt auf, dass jetzt verstĂ€rkt auf KI gesetzt wird, wenn etwas passiert – selbst wenn es um Kinder geht“, sagt Dagmar Prasa.

„Wenn das Kind etwas schluckt, dann wird erst einmal die KI gefragt, ob eine Vergiftung möglich ist – das hören wir immer wieder und davor möchten wir warnen“, so die Humantoxikologin weiter. Auch die KI habe nur die Kenntnisse zur VerfĂŒgung, die es im Internet gebe.

Vergiftung bei Kindern: Warum KI-Antworten gefÀhrlich sein können

Aus diesen könne die KI auch unrichtige Angaben ableiten. „Da heißt es etwa öfter, dass grĂŒne Erbsen giftig sind, oder die Informationen werden nicht richtig gelesen, oder die falschen SchlĂŒsse daraus gezogen“, erklĂ€rt Prasa. Auch selbststĂ€ndig im Netz nach Angaben zu suchen, könne im Notfall kostbare Zeit kosten. „Da macht sich mancher erst einmal eine Viertelstunde im Internet kundig.“

Gerade bei einer möglichen Vergiftung bei Kindern ist schnelle Hilfe entscheidend. Auch wenn die Lage unklar sei, empfiehlt Prasa, direkt den Giftnotruf anzurufen, wenn etwas passiert. „In den meisten FĂ€llen geht es glimpflich aus, es kann ja auch etwas Ernsthaftes sein – dann verliert man durchs Googeln Zeit. Wir können entscheiden, ob sofort etwas unternommen werden muss.“

Kind hat etwas verschluckt – was nun?

Im Notfall sollten Eltern nicht zögern: Wenn das Kind etwas verschluckt hat, ist ein Anruf beim Giftnotruf oft der schnellste und sicherste Weg zur EinschÀtzung der Lage. Der Kontakt zu Fachpersonen kann im Zweifel Leben retten.

Durchaus sinnvoll sei es dagegen, wenn sich Eltern allgemein auf seriösen Websites darĂŒber informierten, welche Haushaltsmittel etwa gerade fĂŒr Kinder gefĂ€hrlich sein und zu Vergiftungen fĂŒhren könnten. Eine gute Vorbereitung kann helfen – doch im Akutfall zĂ€hlt jede Minute.

Vergiftungszentrale in Erfurt stark ausgelastet

Von den mehr als 25200 Beratungen, die der Giftnotruf 2025 bis in die ersten Dezembertage durchgefĂŒhrt hat, ging es den GGIZ-Angaben zufolge in 27 Prozent um Vergiftungen bei Kindern.

Das Giftnotfallzentrum mit Sitz in Erfurt wurde von den LĂ€ndern ThĂŒringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 1994 gegrĂŒndet. Es ist unter dem Giftnotruf 0361-730730 erreichbar. Vor allem Privatleute wĂ€hlen die Giftnotrufnummer, aber auch Kliniken. In der Regel gebe es an normalen Kliniken keine auf Vergiftungen spezialisierten Ärzt*innen, erklĂ€rt Prasa.

Am hĂ€ufigsten klingelte bei der Vergiftungszentrale in 2025 bis Anfang Dezember wegen rund 7680 Anrufen aus Sachsen das Telefon. Knapp 3680 Mal berieten die Fachleute Anrufer aus ThĂŒringen sowie rund 3180 aus Sachsen-Anhalt und knapp 2600 aus Mecklenburg-Vorpommern. Aber auch aus anderen BundeslĂ€ndern kommen Anrufe.

Quelle: dpa

×