Grünes Gift © ADragan / iStock / Getty Images
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Vergiftungen

JEDE MINUTE ZÄHLT

Mit Vergiftungen können Sie auch in der Apotheke konfrontiert werden. Bei Verdacht auf eine Intoxikation muss schnell, aber auf keinen Fall unbedacht gehandelt werden. Wertvolle Hilfe geben die Giftinformationszentren. 

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Zu Vergiftungen kommt es immer häufiger. Die Giftinformationszentren melden seit Jahren eine stetig zunehmende Anzahl an Anfragen. Giftstoffe gelangen auf unterschiedliche Weise in den Körper. Die Aufnahme kann über den Verdauungskanal, die Atmungsorgane, unverletzte Haut, durch Wunden oder mittels Injektion erfolgen. Am häufigsten werden Vergiftungen gemeldet, die auf einer oralen Einnahme beruhen, danach folgen inhalative Intoxikationen und selten werden giftige Substanzen dermal resorbiert. Bei fast jeder zweiten Meldung geht es um einen Vergiftungsfall bei Kindern.

Vor allem die Kleinen zwischen circa sieben Monaten und etwa vier Jahren verschlucken aus reiner Neugierde die unterschiedlichsten Dinge. In dieser Altersgruppe liegen Vergiftungen an zweiter Stelle der häufigsten Unfallarten. Während es im Sommer häufiger zu Vergiftungen mit Beeren und anderen Pflanzenteilen kommt, gehen im Winter Intoxikationen vorwiegend auf chemische Produkte zurück. Dabei spielen nicht nur Haushaltsreiniger und Pflegemittel eine Rolle, auch nicht vorschriftsmäßig eingenommene Arzneimittel machen regelmäßig eine Beratung durch die Giftinformationszentren notwendig.

Aber auch Senioren nehmen häufig irrtümlich schädliche Substanzen auf. Oftmals sind es sogar größere Mengen, da altersbedingt oder aufgrund bestimmter Erkrankungen der Geschmackssinn beeinträchtigt ist. Bei Jugendlichen und Erwachsenen spielen weniger versehentliche Vergiftungen eine Rolle. Neben Unfällen mit psychogenen Substanzen beruhen in dieser Altersgruppe Vergiftungen vor allem auf Suizidversuchen.

Gefahren im Haushalt Die häufigste Gefahrenquelle stellen Chemikalien aus Bad, Küche, Bastelkeller oder Gartenschuppen dar. Diese Produkte scheinen es Kindern angetan zu haben. Sie rangieren an erster Stelle der häufigsten Vergiftungsfälle im Kindesalter. Der kindliche Forschergeist wird durch die bunten Flaschen und den verlockenden Duft, der ihnen oftmals entströmt, geweckt. Manchmal werden aber auch irrtümlicherweise chemische Haushaltsprodukte von Personen aller Altersgruppen getrunken, da sie zuvor in Getränkeflaschen abgefüllt worden sind.

Entgiftung

+ 1. Primäre Giftelimination
Maßnahmen, die toxische Substanzen noch vor deren Resorption aus dem Körper entfernen, werden als primäre Verfahren zur Giftelimination bezeichnet. Dazu zählen beispielsweise nach oraler Giftaufnahme induziertes Erbrechen (z. B. mit Apomorphin, Sirupus Ipecacuanhae), eine Magenspülung oder die Gabe von medizinischer Kohle. Bei perkutaner Giftaufnahme (Haut oder sichtbarer Schleimhaut) wird benetzte Bekleidung sofort entfernt und anschließend mit reichlich Wasser (gegebenenfalls unter Zusatz von Seife) gespült. Schlecht wasserlösliche Stoffe lassen sich mit Polyethylenglykol 400 oder Pflanzenöl entfernen. Verätzungen am Auge erfordern eine sofortige, längere Spülung (mindestens fünf bis zehn Minuten) mit fließendem, maximal handwarmen Wasser und eine anschließende Vorstellung beim Augenarzt. Bei inhalativen Vergiftungen muss der Betroffene als erstes aus der Gefahrenzone gebracht werden. Nach Einatmen von Brandgasen oder bei pfeifender Atmung sind ein Cortisonspray zu verabreichen und der Notruf zu tätigen.

+ 2. Sekundäre Giftelimination
Darunter wird die Gabe von spezifischen Gegengiften (Antidoten) verstanden. Früher existierte in der Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) die Anlage 3 zu Paragraph 15, in der Arzneimittel aufgelistet waren, die öffentliche Apotheken für medizinische Notfallsituationen vorrätig halten mussten. Darunter befanden sich neben Antischaummitteln und medizinischer Kohle auch Emetika sowie Antidote gegen Intoxikationen und Überdosierungen mit Opiaten, Cholinesterase-Hemmern, Cyaniden, Methämoglobinbildern und oralen Antikoagulanzien. Mit Novellierung der ApBetrO entfiel diese Anlage und damit auch die Bevorratung mit zuvor genannten Antidoten. Klassische Gegengifte wie beispielsweise Vitamin K gegen Vergiftungen mit Stoffen vom Dicumarol-Typ oder hochdosiertes Atropinsulfat für die Antidottherapie bei Intoxikationen mit Cholinesterase-Hemmern gehören seit 2012 nicht mehr zur Notfallausrüstung einer öffentlichen Apotheke. Auch müssen keine Emetika mehr wie Apomorphin für den Notfall gelagert werden.

In den Apotheken muss aber gemäß der aktuellen Fassung der ApBetrO weiterhin eine Grundausstattung für die Behandlung von Vergiftungen vorliegen. Sie sind von der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) aufgelistet worden (siehe Ergänzendes Merkblatt zu Paragraph 15 Absatz 1 Apothekenbetriebsordnung – Notfallsortiment, Download unter www.abda.de/fileadmin/assets/Arzneimittelkommission/Publikationen/
Kieble_PZ_37_2012.pdf
). Zudem sind Notfalldepots in von Landesapothekerkammern bestimmten Krankenhäusern vorhanden, die gewisse Präparate vorrätig halten müssen. Dabei sind etliche Positionen neu hinzugekommen, so beispielsweise die Vorratshaltungspflicht für Betäubungsmittel in verschiedenen Darreichungsformen (zur Injektion, oral, mit schneller und mit veränderter Freisetzung) oder für Antihistaminika zur Injektion. Antischaummittel und medizinische Kohle sind weiterhin Bestandteile des geforderten Notfallsortiments.

Unabhängig davon existieren darüber hinaus Listen mit Antidoten, in denen Gegengifte für eine Vielzahl von Indikationen aufgeführt sind (z. B. Antidotarium in der Roten Liste). Hier finden sich beispielsweise N-Acetylcystein bei Vergiftungen mit Paracetamol oder Vitamin K bei Cumarin-Intoxikationen.

Schäumend, ätzend, giftig Putz- und Reinigungsprodukte enthalten Tenside, also waschaktive, schaumbildende Substanzen. Sie reizen den Magen und können somit Übelkeit mit anschließendem Übergeben auslösen. Damit sind die Putz- und Spülmittel zwar im eigentlichen Sinne nicht giftig. Allerdings besteht beim Erbrechen die Gefahr, dass aufschäumender Mageninhalt verschluckt und in die Lunge (Aspiration) gerät, wodurch es zu Atemnot, Lungenentzündungen und Lungenschädigungen kommen kann. Besonders gefährlich sind in diesem Zusammenhang die kleinen bunten Waschmittelkissen (Gel Caps), die Tenside in hochkonzentrierter Form enthalten.

Sie liegen quasi mundgerecht vor, sehen wie Süßigkeiten aus und verführen vor allem kleine Kinder zum Reinbeißen. Glücklicherweise besitzen Kinder gute Reflexe, sodass sie in der Regel nur sehr kleine Mengen an Tensiden zu sich nehmen. Ältere Menschen, vor allem solche mit veränderten Schluckreflexen aufgrund chronischer Erkrankungen oder infolge von Demenz, trinken tensidhaltige Reiniger dann schon mal versehentlich in größeren Mengen (mehr als 100 Milliliter), was mit schweren Aspirationen und lebensbedrohlichen Gesundheitsschäden, die mitunter tödlich ausgehen, verbunden sein kann.

Besonders gefährlich sind Reinigungsprodukte wie beispielsweise Entkalker, Abfluss-, Toiletten- oder Backofenreiniger. Sie sind so problematisch, da ihre aggressiven Substanzen und konzentrierten Säuren Mundschleimhaut und Speiseröhre in kürzester Zeit verätzen können. Schwere Vergiftungen lösen auch Grillanzünder und Lampenöle aus. Bis vor wenigen Jahren waren noch eingefärbte und parfümierte Lampenöle im Handel, die kleine Kinder häufig mit Erfrischungsgetränken verwechselt und daher besonders häufig getrunken haben. Problem dieser flüssigen Kohlenwasserstoffgemische ist die besondere Aspirationsgefahr, die von ihnen ausgeht.

Selbst beim normalen physiologischen Schlucken geraten sie leicht in die Lunge und bewirken schwere Lungenschäden. Aufgrund ihrer physikalisch-chemischen Eigenschaften (sehr niedrige Viskosität, Oberflächenspannung und Dampfdruck) unterkriechen sie sogar den geschlossenen Kehlkopfdeckel und dringen in die Lunge ein. Erste Anzeichen sind anhaltender Husten, Luftnot oder eine beschleunigte Atmung. Auch neuere, nicht gefärbte Lampenöle auf Basis von Rapsöl besitzen ein Gefährdungspotential, das aber deutlich geringer ausfällt. Zur Gefahr können auch Schmink- und Pflegeprodukte werden. Bunte Nagellacke, gut riechende Nagellack- oder Haarentferner und andere Kosmetika sind für Kinder äußerst reizvoll.

Sie können aggressive Lösemittel oder giftige Stoffe enthalten, die Schleimhäute verletzen und andere Vergiftungserscheinungen (z. B. narkotische Effekte) bewirken. Häufig werden aber nur kleine Mengen aufgenommen (z. B. durch Lecken am Nagellackpinsel). Hingegen können bereits wenige Milligramm Nikotin lebensgefährliche Vergiftungen auslösen. Bereits das Verschlucken einer halben Zigarette kann bei den Kleinen tödlich enden. Vor allem ist Tabaksud (z. B. aus nassen Aschenbechern oder leeren Getränkedosen) lebensbedrohlich, da hieraus das Nikotin schnell freigesetzt wird. Ebenso dramatisch kann sich für Kinder das Kauen eines Nikotinkaugummis oder Aufkleben eines (gebrauchten) Nikotinpflasters auswirken.

Bittere Pillen Zu Vergiftungen mit Medikamenten kommt es sowohl häufig bei Kindern als auch bei Erwachsenen. Farbenfrohe Tabletten, die im Dispenser bereit gestellt sind, ein achtlos herumliegender Blister mit der Antibabypille auf dem Nachttisch oder der Schilddrüsentablette im Bad verführen Kinder leicht zum Ausprobieren. Auch Überdosierungen und Verwechselungen sind ein Problem. Beide Aspekte spielen ebenso bei Erwachsenen eine Rolle, vor allem bei Senioren. Ältere Patienten vergessen beispielsweise leicht, dass sie ihr Arzneimittel schon eingenommen haben, was bei Digitalis-Präparaten wegen der geringen therapeutischen Breite schnell zu Überdosierungen und damit zu Vergiftungen führt.

Bei Jugendlichen und Erwachsenen aller Altersgruppen treten Vergiftungen mit Medikamenten auch vorsätzlich aus suizidaler Absicht auf. Grundsätzlich sind Vergiftungen mit jedem Arzneimittel möglich und gefährlich. Doch während selbst bei Kindern die Einnahme von bis zu einer Monatspackung eines oralen Kontrazeptivums als unkritisch betrachtet wird (Ausnahme: Pillen mit Drospirenon), gelten Opioide, Antidiabetika, Psychopharmaka und Antiarrhythmika als besonders kritisch. Sie sind für Kinder schon in geringen Mengen riskant. Ebenso können H1-Antihistaminika, größere Mengen an Levothyroxin oder Fluoriden (z. B. auch aus der Zahnpasta) bei den Kleinen unter Umständen eine lebensbedrohliche Wirkung haben.

Gefahrenquelle Paracetamol Bei Kindern führt vor allem eine zu hohe Zufuhr an Paracetamol immer wieder zu Anfragen bei den Giftinformationszentren. Da das potenziell leberschädigende Analgetikum nur eine geringe therapeutische Breite aufweist, besteht das Risiko, schnell in den hepatotoxischen Dosisbereich zu geraten. Hepatotoxische Effekte sind ab dem Überschreiten der Tageshöchstdosis möglich. Bei Kindern liegt sie bei 50 Milligramm (mg) pro Kilogramm (kg) Körpergewicht. Die Höchstmenge ist damit bei einem 10 kg schweren Kind bereits bei der Einnahme einer Tablette à 500 mg erreicht.

Schon zwei Tabletten können im Kleinkindalter also eine lebensbedrohliche Vergiftung nach sich ziehen und zu Leberfunktionsstörungen mit gar tödlichem Leberversagen führen. Die Anzeichen einer Paracetamol-Vergiftung sind für Eltern schwer zu erkennen, da der Verlauf schleichend und zunächst unspezifisch ist. Zuerst kommt es zu Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen. Dabei stellt sich ein allgemeines Krankheitsgefühl ein. Am zweiten Tag der Vergiftung lassen die Symptome häufig nach, obwohl die Leber schon angegriffen sein kann.

Spätestens nach drei Tagen treten die typischen Zeichen einer Leberstörung auf, die sich mit Blutgerinnungs-, Atem- und Bewusstseinsstörungen bis hin zum hepatischen Koma und Organversagen äußert, was schließlich tödlich enden kann. Tödliche Gefahr durch das Analgetikum droht aber nicht nur kleinen Kindern, auch Erwachsene greifen zu Paracetamol zur Schmerzbekämpfung oder zur Fiebersenkung. Da die Gefährlichkeit der Substanz leicht unterschätzt wird, werden nicht selten zu hohe Dosen eingenommen.

Doch selbst leichte Überdosierungen von Paracetamol über einige Tage hinweg können zu schweren Leberschädigungen mit Todesfolge führen, da sich im Laufe der Zeit der Schaden summieren kann. Patienten sollten daher die tägliche Höchstdosis einhalten. Vier Gramm entsprechen der derzeit empfohlenen Tageshöchstdosis für Erwachsene, solange keine anderen Risikofaktoren vorliegen. Bei sechs Gramm und mehr als Einzeldosis treten Leberzellnekrosen auf. Die Literaturangaben, ab welcher Menge eine akute Dosis Paracetamol tödlich wirkt, schwanken.

Die Giftinformationszentrale in Mainz gibt sie mit 7,5 Gramm für einen Erwachsenen an. Je nach Körpergewicht und -größe sowie Vorschädigungen der Leber kann sie jedoch auch höher oder tiefer liegen. Während es bei Kindern häufig versehentlich zu Überdosierungen kommt, da die Eltern zu viele oder zu hoch dosierte Paracetamol-Zäpfchen verabreichen, erfolgt ein Großteil der Paracetamol-Vergiftungen bei Jugendlichen und Erwachsenen aus suizidaler Absicht. Zudem wählen diese Altersgruppen für den Freitod häufig Benzodiazipine und andere Schlafmittel sowie Antidepressiva, und das häufig in Kombination mit Alkohol.

WICHTIGE INFORMATIONSQUELLEN AUS DEM INTERNET

+ Vergiftungen bei Kindern - Dass Kinder versehentlich Reinigungsmittel trinken, Arzneimittel schlucken oder giftige Pflanzen verzehren, ist keine Seltenheit. Doch welche Substanzen sind wirklich gefährlich? Zum Einschätzen der Gefahr hilft die Broschüre „Risiko Vergiftungsunfälle bei Kindern“. Darin stellt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) die gängigsten Substanzen vor, bewertet sie und präsentiert wichtige Erste-Hilfe-Maßnahmen. Abzurufen ist die Broschüre in deutscher und türkischer Sprache unter www.bfr.bund.de.

+ Offizielle Liste giftiger Pflanzenarten - Aufgrund der Vielzahl an giftigen Pflanzen und ihren verschiedenartigen toxischen Inhaltsstoffen mit ihren unterschiedlichen Auswirkungen ist es für den Laien schwer, die Gefährlichkeit der Gewächse richtig einzuschätzen. Um die Giftigkeit zu beurteilen und adäquate Schritte einzuleiten, hat das Bundesumweltministerium eine offizielle Liste giftiger Pflanzen erstellt, die ausschließlich Pflanzen enthält, die auch bei Aufnahme geringer Mengen an Pflanzenmaterial mittelschwere bis schwere Vergiftungen verursachen können. Die Liste kann auf der Internetseite des Giftinformationszentrums Nord unter www.giz-nord.de/cms/index.php/liste-giftiger-pflanzenarten.html eingesehen werden.

+ Risiko Pflanze - Die Liste des Giftinformationszentrums Nord wurde inzwischen vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) überarbeitet und neu bewertet. Das Ergebnis findet sich in der Broschüre „Risiko Pflanze – Einschätzung und Hinweise, die als Download unter www.bfr.bund.de/cm/350/risiko-pflanze-einschaetzung-und-hinweise.pdf zur Verfügung steht. Das Informationsheft liefert einen wertvollen Beitrag zur Risikoabschätzung und gibt wichtige Hilfestellungen für weitere Handlungsschritte.

+ Homepages der Giftinformationszentren – Sie stellen zur schnellen Orientierung im Notfall verschiedene Listen bereit. Wertvolle und lebensnotrettende Ratschläge und Hinweise enthalten beispielsweise die Informationen unter den Stichworten „Vergiftungsfall – Was tun?“ oder „Vermeidung von Vergiftungsunfällen“, die bei der Giftinformationszentrale des Universitätsklinikums Bonn unter www.gizbonn.de abgerufen werden können.

Gifte aus der Natur Bei den Zimmerpflanzen reizen die bunten Blätter, im Garten locken vor allem farbige Beeren und erbsenartige Schoten. Kleinere und größere Kinder fühlen sich von ihnen in ihrem Entdeckerdrang geradezu magisch angezogen und verspeisen sie nur allzu gern. Schwere Vergiftungen mit Pflanzen sind gemessen an anderen Risiken (z. B. durch Haushaltprodukte, Chemikalien, Medikamente) allerdings relativ selten. Nur bei einer kleinen Gruppe von Pflanzen rufen bereits geringe Mengen schwerwiegende Intoxikationen hervor.

Die Dosis macht das Gift Bei vielen Gewächsen, die zwar generell zu den Giftpflanzen zählen, ist die Aufnahme weniger Pflanzenteile nicht so toxisch wie gemeinhin vermutet. Vielmehr sind sie oftmals für den Magen lediglich reizend, wie beispielsweise der Verzehr der grünen Blätter, der farbigen Hochblätter oder der unscheinbaren Blüten der handelsüblichen Weihnachtssterne (Euphorbia pulcherrima). Ebenso lösen die Früchte der Mahonie (Mahonia aquifolium) oder der Roten Vogelbeere, Syn. Eberesche (Sorbus aucuparia L.) nur Übelkeit, Erbrechen und gegebenenfalls Durchfall aus.

Auch der Genuss von Beeren anderer Pflanzen, denen eine höhere Toxizität zugeschrieben wird, muss nicht gleich eine große Gefahr darstellen. Viele sind so bitter oder so scharf, dass sie in der Regel bloß in kleinsten Mengen verzehrt werden und sich die unangenehmen Folgen meist auf leichte Magen-Darm-Beschwerden belaufen. In diese Kategorie fallen beispielsweise die Früchte von Liguster (Ligustrum vulgare L.), Efeu (Hedera helix L.), Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus L.) oder Heckenkirsche (Lonicera L.). Beim Kirschlorbeer ist zudem ein Zerkauen der Samen erforderlich, um seine Giftstoffe freizusetzen.

Vergiftungen mit Arzneimitteln sind potenziell lebensbedrohlich und erfordern daher immer eine Klinikaufnahme.

Sehr giftig Es gibt aber natürlich auch in unseren Regionen Pflanzen mit einem hohen Risiko für schwere Vergiftungen. Dazu zählt beispielsweise der Goldregen (Laburnum anagyroides MEDIK.), der das stark giftige Alkaloid Cytisin enthält und in vielen Gärten anzutreffen ist. Der Hülsenfrüchtler (Fabaceae) ist die Pflanze, mit der sich Kinder am häufigsten vergiften. Bei den Giftinformationszentren gehen wiederholt Meldungen über den versehentlichen Verzehr der Früchte und Blüten ein. Die Kleinen verwechseln die Früchte mit Erbsenschoten, die sie zerkauen und verschlucken, oder sie lutschen beim Spielen an den auffälligen Blüten.

Bei Erwachsenen gibt es Berichte über deren irrtümliche Verwendung als Würzmittel anstelle der ungiftigen Blüten der falschen Akazie (Robinia pseudoacacia). Besonders gefährlich ist jedoch der Genuss der Samen, da sie den höchsten Alkaloidgehalt aufweisen, der mit zunehmender Samenreife überdies stetig ansteigt. Die tödliche Dosis beim Kind beträgt 15 bis 20 Samen, was vier bis fünf Hülsenfrüchten entspricht Eine große Gefahr stellen auch die bräunlich marmorierten Samen des Wunderbaums (Ricinus communis L.) dar. Die Samen der Rizinuspflanze sind sehr giftig.

Ihre Schalen enthalten etwa 0,15 Prozent Rizin, das zu den giftigsten Pflanzeninhaltsstoffen zählt. Bereits drei bis fünf zerkaute Rizinussamen können tödlich sein. Das ursprünglich in den Subtropen und Tropen beheimatete Wolfsmilchgewächs (Euphorbiaceae) findet sich immer häufiger in heimischen Gärten oder Parkanlagen. Es wird aufgrund seiner auffälligen und dekorativen Blätter und Blüten gern als Zier- und Kübelpflanze gehalten. Ebenso ist der Blaue Eisenhut (Aconitum napellus L.) extrem giftig. Das Hahnenfußgewächs (Ranunculaceae) gilt als die giftigste Pflanze Mitteleuropas.

Die Giftwirkung ist auf Aconitin zurückzuführen, das in allen Pflanzenteilen enthalten ist. Schon wenige Gramm des Alkaloids können selbst für einen Erwachsenen tödlich sein. Todesfälle sind allerdings extrem selten und vor allem durch Selbstmorde oder Morde ausgelöst. Aber nicht nur die orale Aufnahme ist gefährlich. Das Gift wird zudem über die unverletzte Haut aufgenommen, sodass selbst das Pflücken der Pflanze zu Vergiftungserscheinungen führen kann. Zu äußerst gefährlichen Vergiftungen kommt es auch mit den Blättern der Herbstzeitlose (Colchicum autumnale L.).

Die 8 bis 25 Zentimeter hohe, ausdauernd-krautige Pflanze aus der Familie der Colchicaceae (Zeitlosengewächse) zählt zu den giftigsten Pflanzen in Europa. Ihre Blätter sind denen des Bärlauchs sehr ähnlich und die Giftpflanze wächst zur selben Zeit häufig an den gleichen Standorten wie das genießbare Lauchgewächs. Kräutersammler verwechseln immer wieder die Blätter der beiden Pflanzen, was tödliche Folgen haben kann. Bereits 50 bis 60 Gramm Blätter der Herbstzeitlosen sind durch das enthaltene Alkaloid Colchicin für einen Erwachsenen letal. Das gezielte Sammeln der giftigen Samen der Herbstzeitlose geschieht in der Regel in suizidaler Absicht.

Ebenso kann die Eibe (Taxus baccata L.) schwere Vergiftungen auslösen. Glücklicherweise sind solche mit tödlichem Ausgang sehr selten. Damit ihre giftigen Alkaloide resorbiert werden können, müssen die Samen und Nadeln des Eibengewächses (Taxaceae) zerbissen und gründlich gekaut werden. Einfaches Herunterschlucken genügt nicht. Daher werden weniger Vergiftungsfälle durch versehentlichen Verzehr der Beeren als vielmehr Intoxikationen in suizidaler Absicht gemeldet.

Als sehr giftig und gefährlich stufen Toxikologen aufgrund ihrer toxischen Tropanalkaloide auch die Tollkirsche (Atropa belladonna L.) ein, die weit verbreitet in freier Natur vorkommt. Die blauschwarzen, glänzenden kirschähnlichen Früchte der mehrjährigen Staude aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) sind nicht nur saftig, sie schmecken zudem süßlich, was zum Verzehr verführt. Bei Kindern kann bereits die Aufnahme von drei bis fünf Beeren tödlich enden. Für Erwachsene gelten 10 bis 20 Beeren als letale Dosis.

Smarter Helfer

Ein Giftnotruf an das zuständige Giftinformationszentrum kann auch mit dem Smartphone direkt aus der kostenlosen App des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BfR) „Vergiftungsfälle bei Kindern“ abgesetzt werden. Zudem dient die App als Informations- und Nachschlagewerk.

Giftig und halluzinogen Die Tollkirsche war wie andere Nachtschattengewächse bereits im Mittelalter als bewusstseinserweiternde Droge im Gebrauch. Dazu zählten auch Bilsenkraut (Hyoscyamus niger L.), Alraune (Mandragora officinarium L.), Stechapfel (Datura stramonium L.) und Engelstrompete. Die Duftende Engelstrompete (Brugmansia (ehem. Datura ) suaveolens) wird beispielsweise noch heute als halluzinogene Pflanze genutzt. Die giftige Pflanze findet sich immer häufiger als Kübelpflanze auf deutschen Terrassen, doch viele Gartenliebhaber wissen vermutlich gar nicht um ihr Missbrauchspotenzial. Verschiedene Zubereitungen dienen vor allem Jugendlichen und jungen Erwachsenen als Rauschdroge.

Entweder werden die Blätter mit heißem Wasser übergossen und als Tee zubereitet. Es können aber auch Auszüge mit kaltem Wasser hergestellt und als Saft getrunken werden. Darüber hinaus werden die getrockneten Blätter pulverisiert und in Getränke gemischt. Besonders verbreitet sind das Rauchen der Blätter und das Essen der Samen. Da die aufgenommene Alkaloidmenge je nach Pflanze und Herstellungsmethode stark schwanken kann, ist es für den Verwender nicht möglich, die aufgenommene Dosis zu kontrollieren. Daher ist es schon häufig zu Überdosierungen und dadurch auch zu Todesfällen gekommen.

Ebenso wurden in den vergangenen Jahren Intoxikationen mit dem giftigen Stechapfel gemeldet. Auch sie geschahen weniger aus Versehen, zumal seine stacheligen Früchte vor einem Verzehr abschrecken. Doch der absichtliche Missbrauch des in allen Pflanzenteilen giftigen Nachtschattengewächses löst aufgrund der stark giftigen Tropanalkaloide immer wieder schwere und teilweise lebensbedrohliche Vergiftungen aus.

Tödliche Toxine Im Garten lauern aber noch weitere toxische Gefahren. Jährlich erkranken in Deutschland nach Schätzungen des Robert-Koch- Institutes circa 10 bis 15 Personen an Tetanus (Wundstarrkrampf). Bis zu 20 Prozent dieser Fälle verlaufen tödlich. Vor allem ältere Menschen erkranken, da sie häufig keinen ausreichenden Tetanus-Impfschutz aufweisen. Sie infizieren sich beispielsweise beim Buddeln in der Erde mit dem im Boden vorkommenden Erreger Clostridium tetani, der über kleine Wunden in den menschlichen Organismus gelangt. Sein Nervengift Tetanospasmin löst schwere Krämpfe und Atemlähmungen aus, die in 20 bis 50 Prozent aller Fälle tödlich verlaufen. Bei der Gartenarbeit können auch andere Erreger über offene Stellen in die Blutbahn geraten.

So kann ein Stachel einer Rose zu einer schweren Wundinfektion führen, die schließlich in einer gefährlichen Blutvergiftung endet. Immer wieder wird auch von Pilzvergiftungen berichtet. Schon weniger als ein Knollenblätterpilz kann für Kinder tödlich sein. Der Lamellenpilz gehört zu den giftigsten Pilzen Deutschlands. Enthaltenes Amatoxin hat organschädigende Wirkungen, was zunächst schwere Brechdurchfälle auslöst und später zu Leberversagen führt. Tödliche Vergiftungen mit Tiertoxinen sind in Deutschland nicht zu fürchten. Allerdings kann es durch Tiergifte (z. B. von der Biene, Wespe, Hornisse, Qualle) zu allergischen Reaktionen kommen, die einen anaphylaktischen Schock auslösen können. Dieser muss sofort behandelt werden, um einen potenziell tödlichen Ausgang zu verhindern.

Unbedingt Ruhe bewahren Ist es zur Vergiftung gekommen, lautet die oberste Regel, nicht in Panik zu geraten. Nicht nur für den Betroffenen, auch für die Helfer gilt es, Ruhe zu bewahren und keine unüberlegten Maßnahmen zu ergreifen. Spontanentscheidungen oder voreilige Behandlungen von Laien schaden häufig mehr als sie nützen. Vielmehr ist in Notfällen oder unklaren Situationen so schnell wie möglich ein Experte zu Rate zu ziehen. Bereits bevor sich die ersten Vergiftungssymptome zeigen, sollte das nächste Giftinformationszentrum angerufen werden. Bei Bewusstlosigkeit, Krämpfen oder Atemstillstand ist umgehend der Notarzt unter 112 telefonisch zu kontaktieren und Erste Hilfe zu leisten (stabile Seitenlage, Mund-zu-Mund-Beatmung, Herzdruckmassage).

Anruf beim Giftinformationszentrum Bei den acht Zentren, die über die Bundesrepublik verteilt sind, geben Spezialisten rund um die Uhr kompetente Hilfestellung. Glücklicherweise verlaufen die überwiegenden Giftunfälle harmlos, sodass oftmals die telefonische Beratung und die empfohlenen Erstmaßnahmen schon ausreichen und keine weiteren speziellen Maßnahmen wie eine Arztvorstellung oder Einweisung in eine Klinik notwendig werden. In anderen Fällen raten die Experten aber auch, den Betroffenen sofort oder im Anschluss an die Erste-Hilfe-Maßnahmen in ärztliche Obhut zu geben. Damit die Fachleute die Gefahr richtig einschätzen und entsprechende Anweisungen zur weiteren Vorgehensweise geben können, muss der Anrufer die folgenden Informationen übermitteln:

  • Wer hat sich vergiftet? Alter, Körpergewicht, Geschlecht der Person.
  • Was wurde eingenommen? Arzneimittel, Haushaltsprodukt, Chemikalie, Putzmittel, Pflanze (Möglichst Namen des Produkts beziehungsweise Wirkstoff nennen oder eine genaue Beschreibung des Stoffe oder der Pflanze geben).
  • Wie viel wurde aufgenommen?
  • Wann ereignete sich die Vergiftung? Möglichst genaue Zeitangabe machen.
  • Wie geht es dem Betroffenen?
  • Welche Symptome zeigt er?
  • Welche Maßnahmen wurden bereits unternommen?
  • Name und Telefonnummer des Anrufers nennen, damit gegebenenfalls ein Rückruf erfolgen kann.

Allgemeine Sofortmaßnahmen Folgende Tipps sollten die Ersthelfer kennen, um Schlimmeres zu verhindern beziehungsweise die Aufnahme der toxischen Substanzen zu minimieren. Ist der Betroffene ansprechbar, sollte er noch im Mund befindliche Reste mit Leitungswasser, Tee oder Saft ausspülen und ausspucken. Danach kann er ein wenig Flüssigkeit in kleinen Schlucken trinken. Damit werden nach oraler Giftaufnahme Mund und Speiseröhre ausgewaschen, bei Säuren- oder Laugenvergiftungen die ätzenden Substanzen zudem rasch verdünnt und allmählich aus dem Körper gespült. Vorsicht ist allerdings bei der Menge an Flüssigkeit geboten.

Anders als bei anderen Vergiftungen darf nach der versehentlichen Einnahme von tensidhaltigen Reinigungsmitteln nur wenig getrunken werden, da sich sonst die Schaummenge erhöht. Keine Option sind zudem Milch oder Salzwasser. Milch beschleunigt in vielen Fällen sogar die Giftaufnahme durch den Darm. Salzwasser, das als Tipp kursiert, um den Betroffenen zum Erbrechen zu bringen, kann schwere gesundheitliche Schäden auslösen oder gar tödliche Folgen haben. Es gilt vielmehr, auf keinen Fall Erbrechen auszulösen. Nur nach ärztlicher Anweisung oder Aufforderung des Giftinformationszentrums darf Erbrechen provoziert werden. Beim Erbrechen besteht die Gefahr, dass Mageninhalt in die Lunge gerät. Vor allem beim Verschlucken von Tensiden schäumt dieser auf und wird somit leicht aspiriert.

Wurden aggressive Substanzen verschluckt, verätzen diese bei der Passage nach oben noch ein zweites Mal die Schleimhäute. Daher sollten Substanzreste, falls erforderlich, auch nur sehr vorsichtig, ohne Brechreiz auszulösen, mit den Fingern aus der Mundhöhle entfernt werden. Sollte spontanes Erbrechen eintreten, ist der Betroffene aufrecht und nach vorne leicht gebeugt zu halten, um eine Aspiration zu vermeiden. Erbrochenes sowie aus dem Mund entfernte Dinge sind wie auch vorhandene Verpackungen mutmaßlicher Giftstoffe sicherzustellen, damit Experten sie näher auf ihre Toxizität untersuchen können.

Entschäumer und Medizinische Kohle Die Giftinformationszentren geben konkrete Handlungsanweisungen, was im Vergiftungsfall zu tun ist. Nach dem Verschlucken von Tensiden raten sie Entschäumer (z. B. Dimeticon, Simeticon) zu geben, die sich in flüssiger Form in jeder Hausapotheke befinden sollten. Diese zerstören durch Antitensidwirkung den physikalischen Schaum und verhindern damit seinen Übertritt in die Lunge. Die Dosierung erfolgt nach Schwere der Vergiftung. Bei den verschiedenen Präparaten existieren unterschiedliche Dosierungsempfehlungen.

Während beispielsweise in der Gebrauchsinformation eines Produktes grundsätzlich 5 ml als Mindestdosis angeraten werden, unterscheiden andere bei der Dosisangabe zwischen Erwachsenen (10 bis 20 ml) und Kindern (2,5 bis 10 ml). Ebenso sollte jeder Haushalt medizinische Kohle vorrätig halten. Sie besitzt eine sehr große Oberfläche, die innerhalb von wenigen Minuten fast alle Giftstoffe effektiv bindet. Dafür werden 0,5 bis 1,0 Gramm Kohle je Kilogramm (kg) Körpergewicht gegeben, je früher, desto besser. Da für die Giftadsorption eine enorme Vielzahl an Kohletabletten (z. B. 280 Tabletten bei einer 70 kg schweren Person) erforderlich ist, die zerkleinert und aufgelöst werden müsste, was sehr umständlich und zeitaufwendig ist, sollte medizinische Kohle in Pulverform oder als Granulat bevorratet werden.

Beide Zubereitungen lassen sich schnell und unkompliziert in Flüssigkeiten einrühren und als Suspension verabreichen. Um das Kohle-Giftstoff-Adsorbat möglichst schnell aus dem Körper zu entfernen, kann anschließend ein Abführmittel (z. B. Natriumsulfat) gegeben werden. Obwohl die Applikation von medizinischer Kohle heute als ein Mittel der ersten Wahl nach oralen Vergiftungen angesehen wird, raten Giftinformationszentren im Allgemeinen, medizinische Kohle nur durch ärztliches Personal verabreichen zu lassen oder sie zumindest erst nach Rücksprache mit ihnen zu geben. Hintergrund dafür ist, dass Kohle nicht alle Giftstoffe ausreichend adsorbiert (z. B. Kohlenwasserstoffe, Alkohole) und die Kohlegabe risikobehaftet ist (z. B. Auslösen von Erbrechen). Außerdem kann sie bei einer notwendigen Magenspiegelung Schäden an der Magenschleimhaut verdecken.

Die oberste Regel bei Vergiftungen lautet Ruhe zu bewahren!

Vergiftungen vorbeugen Damit es möglichst gar nicht zu diesen Notfällen kommt, gilt es einige Grundregeln zu beachten:

  • Alle Produkte mit gefährlichen Substanzen (z. B. Haushaltsreiniger, Chemikalien, Lacke, Parfüm, Zigaretten) verschlossen und kindersicher aufbewahren.
  • Auch Arzneimittel gehören an einen abschließbaren Ort (z. B. Medikamentenschrank), angebrochene Packungen nicht herumliegen lassen.
  • Giftige Flüssigkeiten nie in Getränkeflaschen oder Marmeladengläser umfüllen (Verwechslungsgefahr), sondern immer im Originalgefäß belassen.
  • Reinigungsmittel mit zugesetzten Bitterstoffen bevorzugen (werden nach Verschlucken sofort wieder ausgespuckt).
  • Gefährliche Substanzen nicht in zugängliche Abfalleimer werfen, sondern sachgerecht entsorgen (z. B. gebrauchte Opioid-Pflaster, Zigarettenstummel).
  • Giftiges nicht in der Nähe von Lebensmitteln aufbewahren.
  • Auf giftige Pflanzen im Haushalt und Garten möglichst verzichten, ansonsten Haushaltsmitglieder über Giftigkeit informieren.

Auch die Apotheke kann dazu beitragen, Vergiftungen mit Arzneimitteln zu minimieren. Vor allem bei Wirkstoffen mit einer engen therapeutischen Breite ist es besser, den Kunden lieber einmal zu viel als zu wenig über die Nebenwirkungen zu informieren (z. B. bei Paracetamol, Digitalis-Glykosiden).

Raten Sie älteren Patienten zu einem Medikamentendispenser. Durch das Bereitstellen der Arzneimittel können mehrfache Einnahmen und damit Überdosierungen vermieden werden.

Eltern sind dankbar für den Tipp, Entschäumer und medizinische Kohle für den Vergiftungsfall in der Hausapotheke vorrätig zu halten. Damit diese einen festen Platz bekommen, lohnt sich die Anschaffung einer Notfall-Box. Der LAV Baden-Württemberg hat in Zusammenarbeit mit der Giftnotzentrale des Landes eine signalrote Faltschachtel entwickelt, auf der in großer Schrift die Telefonnummer der nächsten Giftnotzentrale aufgeklebt werden kann. So sind nicht nur die notwendigen Medikamente schnell griffbereit, auch ist in der Aufregung immer die exakte Rufnummer parat.

Den Artikel finden Sie auch in die PTA IN DER APOTHEKE 08/18 ab Seite 34.

Gode Chlond, Apothekerin

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